Bursche sitzt verschlossen, den Kopf gesenkt am Boden.
CC0/Pixabay Myriams-Fotos (bearbeitet)

Auch Kinder können am Leben verzweifeln

Wenn Kinder am Leben verzweifeln kann das bei Eltern große Ängste und Hilflosigkeit auslösen. Einige Anregungen für den Umgang mit der Verzweiflung der eigenen Kindern finden sich hier.
„Wie helft ihr, wenn jemand nicht mehr leben will?“ fragen SchülerInnen die Beraterin von 147 Rat auf Draht. Sie machen Suizid selbst zum Thema, denn: „An meiner alten Schule hat sich jemand in der Schule erhängt.“ So schwer dieses Thema auszuhalten ist, so wichtig ist es, dass wir Erwachsenen uns dem annehmen.

Bei Rat auf Draht sind die  Gespräche zu Suizid in einem Jahr um 33 % gestiegen. Die Suizidpräventionsstudie SEYLA zeigt auf, dass ein Drittel aller Befragten 14-17 Jährigen in Österreich Selbstmordgedanken hat. 15 Prozent hatten dabei sogar bereits konkrete Suizidpläne gefasst. Auch wenn es schwer zu fassen ist, Suizid  ist nach Verkehrsunfällen nach wie vor die zweithäufigste Todesursache bei 14- bis 20-Jährigen.

Was lässt Jugendliche verzweifeln? Die Hintergründe sind sehr unterschiedlich. Es können psychische Erkrankungen, etwa eine Depression, zu Grunde liegen. Genauso kann aber Mobbing, Missbrauchs- bzw. Gewalterfahrungen, Leistungsdruck oder Ähnliches dazu führen, dass junge Menschen keine Lösungsmöglichkeiten mehr sehen. Häufig bleibt es bei dem Gedanken, da sie Hilfe und Unterstützung erfahren.

Was ist hilfreich? Da gibt es den Klassiker, den Sie sicher sehr oft hören: Mit dem Kind im Gespräch bleiben. Wir alle wissen, wie schwierig das sein kann. Trotzdem gilt es, nicht müde zu werden, offen und liebevoll nachzufragen.

Gespräch führen, aber wie? Nehmen Sie sich Zeit und nehmen Sie die Sorgen ernst.  Denn die Probleme fühlen sich für Betroffene unlösbar an. Auch dann, wenn sie von außen betrachtet, vielleicht so wirken, als könnten sie leicht gelöst werden.

Ein Gespräch kann etwa beginnen mit „Wenn ich sehe, was du im Moment alles für Schwierigkeiten hast, da kann ich mir vorstellen, dass dir das einmal zu viel wird.“ Scheuen Sie sich nicht, Suizidgedanken direkt anzusprechen. „Ich weiß, dass man in solchen Situationen manchmal auch keinen Ausweg mehr sieht und sich fragt, ob man noch weiterleben kann. Du bist aber nicht alleine, ich bin für dich da.“

Um überhaupt ein Gesprächspartner zu sein, braucht der Nachwuchs eine Grundsicherheit. Kinder müssen von uns lernen, dass Fehler Teil des Lebens sind und dazu gehören. Dazu braucht es das Spüren, dass man nichts an Liebenswürdigkeit einbüßt, auch wenn man einmal etwas „falsch“ gemacht hat oder weniger leistet.

Ebenso gilt es zu vermitteln, wie man sich entspannt. Aber auch, wie es ist, wenn es einem mies geht. Erzählen Sie von Momenten in denen es Ihnen schlecht gegangen ist. Beschreiben Sie, wie sich das angefühlt hat, dass sie möglicherweise gar keinen Ausweg gesehen haben und wie sich dieser dann aber doch ergeben hat.

Eltern sind keine „Wunderwuzis“. Manchmal versuchen Jugendliche Ihre Eltern vor ihren Problemen zu schützen, um sie nicht zu belasten. Hier können Vertrauenspersonen außerhalb der Familie bedeutend sein. Auch das Wissen über anonyme Beratungsmöglichkeiten, kann hier die entscheidende Hilfe sein. Scheuen Sie sich nicht, selbst bei Beratungsstellen nachzufragen!
 
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