Überwachungskamera auf einer Hausmauer.
CC0/Pixabay neurolink (bearbeitet)

Schutz durch Überwachung?

Viele Eltern fragen sich, ob sich digitale Überwachungstools für den Schutz von Kindern und Jugendlichen eignen.
Unsere Kinder zu beschützen, ist ein Grundbedürfnis von uns Eltern. Gerade dann, wenn sie beginnen, immer selbstständiger zu werden. Oft passiert das für uns augenscheinlich von einem Tag auf den anderen. So wollen sie in den Ferien alleine mit dem Rad zum See oder ins Freibad. Zum ersten Mal alleine zum Festival. In einer Welt mit immer mehr vermeintlichen digitalen „Schutzinstrumenten“ wird vermittelt, wir könnten Kinder scheinbar immer und überall beschützen.

Warum vermeintlich und warum scheinbar? Die Grenze zwischen Schutz und Überwachung ist bei diesen Tools fließend. Das Angebot ist schier endlos und für verschiedenste Altersstufen angepasst. Es reicht von Autos, die im Kinderzimmer filmen, Apps, die die Internetaktivitäten erfassen, SMS Blockaden sobald der Jugendliche selbst ein Auto lenkt bis zu digitalen Uhren, die Alarm schlagen, wenn das Kind einen zuvor festgelegten Sicherheitsraum verlässt.  Manche Beobachtungswerkzeuge können nur mit dem Wissen der Kinder verwendet werden, andere auch ohne.

Klar, gibt es Gefahren. Doch was lehren wir Kindern mit digitalen Überwachungstools? Einerseits können damit Ängste geschürt werden. So vermitteln wir, dass überall und ständig Gefahren lauern, sodass man jederzeit beobachtet werden muss.

Manche Tools haben auch Notruffunktionen eingebaut, über die man seine Eltern rasch verständigen können soll. Hier liegt aber durchaus auch eine Gefahr. Denn in Notsituationen kann es viel hilfreicher sein, laut auf sich aufmerksam zu machen, sofort in ein naheliegendes Geschäft zu laufen oder bei einem unguten Gefühl gleich die Straßenseite zu wechseln, als seine weiter entfernten Eltern zu rufen. Digitale Werkzeuge vermitteln Eltern, aber auch Kindern, ein scheinbares  Sicherheitsgefühl, das sie vergessen lässt, auf das ganz natürliche Gefühl zu verweisen und es auch zu trainieren.

Dem verständlichen Wunsch nach Schutz steht das Recht auf Privatsphäre gegenüber. So haben auch Kinder ein Recht auf einen eigenen Bereich, in dem sie völlig unbeobachtet sind. Sowohl im Internet als auch offline. Kinder brauchen unkontrollierte Räume und das Vertrauen ihrer Eltern, um zu selbstbewussten und starken jungen Menschen heranzuwachsen. Durch Ihr Vertrauen kann Ihr Kind lernen, an sich zu glauben. Das ist oftmals der beste Schutz bei Gefahr.

Begegnen Sie Ihrem Nachwuchs auf Augenhöhe. Besprechen Sie Gefahrensituationen möglichst ehrlich und auch, wie man sie erkennen bzw. wie man sich schützen kann.

P.S. So wie es Überwachungs-Apps gibt, gibt es gleich viele Apps, die diese wieder ausschalten können ;)
 
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