Lippen, auf die die Regenbogenfarben gemalt sind.
CC0 / Pixabay Kurious (bearbeitet)

Wenn der Nachwuchs anders liebt als erwartet

Früher oder später beschäftigen sich Kinder mit den unterschiedlichen Formen von sexueller Orientierung. Es kann sein, dass Kinder eine andere sexuelle Orientierung haben, als von den Eltern erwartet. Wie Gespräche darüber gelingen können, erfahren Sie hier.

Warum hat der Leon zwei Papa’s? Warum hat die Lisa zwei Mama’s?

Warum hat die Frau einen Bart? Warum schauen die beim Life Ball so lustig aus?

Kinder haben einen anderen Blick auf die Welt, wie wir Erwachsenen. Ohne unsere Beeinflussung sind sie vor allem neugierig und stellen ihre Fragen direkt. Oft überlegen wir Erwachsenen, wann der richtige Zeitpunkt ist, für Aufklärung oder auch um über Toleranz zu sprechen beziehungsweise unsere Liebe zum Nachwuchs zu zeigen. Plakate, Situationen aus dem Leben oder auch der Life Ball schaffen Möglichkeiten, derartige Themen ganz nebenbei in Angriff zu nehmen. Sie bieten die Chance, dem eigenen Nachwuchs den Weg dafür zu ebnen, dass er sich in seiner Entwicklung jeweils so akzeptieren kann, wie er ist. Sicherheit zu geben, dass man da sein wird, auch wenn es einmal schwierig wird. Gerade auch, wenn es die sexuelle Orientierung betrifft.

Kinder so zu akzeptieren, wie sie sind, ist eines der größten Geschenke, die wir ihnen machen können.

Vielleicht auch eine der größten Herausforderungen, haben wir doch alle eigene Ängste und vielleicht auch Vorurteile.
Viele Jugendliche schieben ihr Coming-Out lange vor sich hin. Zu groß ist die  Angst, von Eltern und Freunden abgelehnt zu werden. Lesbische Mädchen sprechen oftmals früher als schwule Burschen mit ihren Eltern über ihre sexuelle Orientierung. Sie trauen sich eher, sich im persönlichen Gespräch anzuvertrauen. Beiden gleich ist die Angst vor der Reaktion der Eltern. „Wie soll ich das meinen Eltern erzählen? Die hauen mich sicher raus.“
 

Wie reagieren?

Ganz klar, eine „optimale“ Reaktion zeigt, dass man den Nachwuchs genau so annimmt, wie er eben ist.  Ein große Stütze ist es, zu seinem Kind zu stehen und es in dem, was es fühlt, zu unterstützen. Denn gerade in der Zeit des Outings ist es für Jugendliche wichtig, Menschen zu haben, die für sie da sind und diesen Weg gemeinsam mit ihnen gehen.
 

Nicht immer läuft es optimal

Viele Eltern trifft die Nachricht völlig unvermittelt. Die Reaktion ist häufig spontan, vielleicht auch unüberlegt oder verletzend für den Nachwuchs. Die eigenen Gefühle der Angst, Schuld, Überforderung, Enttäuschung etc. richten sich gegen das Kind.
 
Häufig stellen sich Eltern die Frage nach den Ursachen und suchen dabei die Schuld bei sich. „Was habe ich falsch gemacht?“ „Was hätte ich anders machen müssen.“ Viele trösten sich mit der Hoffnung, es sei nur eine Phase und vergehe wieder. Dabei ist Homosexualität eine Veranlagung, wie auch die Heterosexualität.

Die sexuelle Orientierung ist ein Aspekt der Persönlichkeit Ihrer Tochter/Ihres Sohnes, vergleichbar mit einer kleinen Schublade eines Kastens mit vielen verschiedenen Laden der Facetten eines Menschen. Der Mensch selbst, verändert sich dadurch nicht. Lediglich der Inhalt der Schublade „sexuelle Orientierung“ wurde anders gefüllt, als vielleicht erwartet. Ihr Kind hat unendlich viele Facetten und ist trotzdem und gerade deshalb immer derselbe Mensch, den Sie kennen und lieben.
 

Auch wenn man im ersten Moment hart reagiert hat, ist nicht alles verloren

Im Gegenteil! Vielleicht ist der Kontakt vorerst abgebrochen oder schwierig. Jugendliche rechnen oft sogar damit und haben durchaus Verständnis dafür, dass die Eltern eine Zeit brauchen, um damit umgehen zu können und zunächst überfordert sind. Denn sie kennen ihre Eltern und können Sie auch gut einschätzen.



Bereitschaft zählt! Entscheidend ist, ob man bereit dazu ist, sich mit diesem Thema auseinander zu setzen. Auch wenn es einen vielleicht zunächst einfach überfordert oder Angst macht. Allein Ihre Bereitschaft dazu wird Ihrem Kind sehr viel bedeuten.
 
Eigene Familie im Fokus! Wichtig ist der Schritt aufeinander zu. Betroffene Eltern haben im Rückblick manchmal festgestellt, dass sie sich mehr damit beschäftigt haben, sich zu fragen, was andere denken könnten, als zu überlegen, was die eigene Familie, die eigenen Kinder glücklich machen könnte.
 
Miteinander reden! Sprechen Sie ehrlich aus, welche Fragen und Ängste Sie haben. Entschuldigen Sie sich für Worte, die Sie vielleicht im Affekt gesagt haben, aber gar nicht so gemeint haben. Sagen Sie auch, wo ihre Grenzen sind.
 
Bedenken Sie! Das Offenbaren vor den Eltern ist keine Provokation, sondern die Suche nach Anerkennung, Nähe und Liebe.
 

Sie müssen diesen Weg auch nicht alleine gehen. Es gibt viele Beratungsstellen, die Unterstützung für Angehörige anbieten. Hilfreich sind oft auch Elterngruppen, in denen sich Eltern von gleichgeschlechtlich liebenden Töchtern und Söhnen austauschen, von ihren eigenen Erfahrungen berichten. Scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe zu holen.
 
Mama, warum hat die Frau einen Bart?
Weil das ein Mann ist und er sich gerne als Frau verkleidet. Weil er ein Mann ist und anderen Menschen Mut machen möchte, genau so zu leben, wie es einen selbst glücklich macht.
Papa, warum hat der Leon zwei Papa’s, die Lisa zwei Mama’s?
Weil sich auch ein Mann in einen Mann/eine Frau in eine Frau verlieben kann.
Warum schauen die beim Life Ball so lustig aus?
Es geht darum, Aufmerksamkeit zu erregen. So kann Geld gesammelt werden, um für Mittel gegen eine Krankheit zu forschen.
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