Silhouette Mann links, Kind mit ausgebreitenen Armen in der Mitte, Frau Rechts
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Scheidung - und jetzt?

Nehmen die Eltern das Wort "Scheidung" in den Mund, so kann das auch für die Kinder eine ordentliche Herausforderung sein. Hier findest du Infos und Tipps zu diesem Thema.
 

Streitereien kommen in nahezu allen Beziehungen vor (sowohl in freundschaftlichen als auch partnerschaftlichen). Es kann aber auch sein, dass man irgendwann nicht mehr diskutieren möchte und keine Chance mehr sieht, die Beziehung mit dem anderen Menschen weiterzuführen. Wenn man beschließt, das Leben ohne diesen Partner zu verbringen, ist das meist keine leichte Entscheidung. Eine Scheidung ist für alle Beteiligten, Eltern und Kinder, eine schwierige Situation.

 

Ist es wirklich ernst gemeint?

Manchmal kann es sein, dass man aus Wut oder Verletztheit in einem Streit Dinge sagt, die man nicht ganz so hart meint, wie sie klingen. Vielleicht hast du mitbekommen, dass in einem Streit deiner Eltern das Wort "Scheidung" gefallen ist. Ganz klar, dass dich das verwirrt, traurig macht, etc. Wenn du nicht warten möchtest, bis deine Eltern das Thema mit dir besprechen, kannst du sie natürlich direkt darauf ansprechen. Der Vorteil an dieser Möglichkeit ist, dass das Thema auf dem Tisch ist und ihr alle darüber reden könnt. Natürlich kann es aber auch unangenehm sein, die Eltern darauf anzusprechen, und es erfordert eine Portion Mut. Aber du weißt dann, woran du bist.

 

Wie lässt sich das herausfinden?

 

  • Sag ruhig ehrlich, dass du das Wort "Scheidung" im Streit gehört hast. Frag nach, was du wissen möchtest. Achte aber darauf, das Thema in einem ruhigen Moment anzusprechen.
  • Ein Brief oder eine Mail sind Möglichkeiten, wenn du nicht direkt mit ihnen darüber sprechen magst.
  • Eine Vertrauensperson im Verwandtenkreis kannst du auch bitten, beim Gespräch mit deinen Eltern zu vermitteln und dich zu unterstützen.

 

 

Meine Eltern wollen sich scheiden lassen ...

Wenn sich Eltern trennen, ist das eine Entscheidung auf der Paar-Ebene, sie trennen sich voneinander, aber nicht von den Kindern! Trennen sich Eltern, so liegt es daran, dass sie sich - aus welchen Gründen auch immer - in ihrer Lebensgemeinschaft nicht mehr wohlfühlen. Es kann z.B. passieren, dass man sich auseinanderlebt und das Gefühl hat, nicht mehr zusammenzupassen. Oder es gibt andere Gründe, die ein Zusammenbleiben unmöglich machen. Du hast aber weiterhin ein Recht, beide zu sehen. Auch an den Gefühlen zu dir ändert sich nichts, nur weil sich die beiden nicht mehr lieb haben.

 

Eine Scheidung bringt für die Kinder des Paares viel Veränderung mit sich. Ängste und viele andere Gefühle können entstehen. Das ist völlig normal. Manchmal denken Kinder, sie haben Schuld, doch es ist ganz wichtig zu wissen, du bist nicht schuld an der Scheidung!

 

Lass' Gefühle zu

Alle Gefühle, die bei dir entstehen haben ihre Berechtigung und sind in Ordnung. Du kannst für dich entscheiden, wie du mit diesen Gefühlen umgehen magst. Bist du eher der Typ, der darüber spricht, direkt mit den Eltern oder anderen Vertrauenspersonen, oder schreibst du dir gerne Belastendes von der Seele? Vielleicht malst du auch oder singst und tanzt, um deine Gefühle auszudrücken? Oder bist du der sportliche Typ und läufst oder boxt? Ganz egal was es ist, solange es legal ist, zählt, dass du damit dein ganz persönliches Ventil findest.

 

Du bist nicht allein!

Wenn du dich in deiner Klasse oder deinem Freundeskreis umhörst, findest du vielleicht auch einige Menschen, deren Eltern sich scheiden (haben) lassen. Diese kannst du fragen, wie sie die Scheidung erleb(t)en und was sich für sie verändert hat. Sie können dir erzählen, wie sie sich nun fühlen und du kannst ihnen deine eigenen Ängste beschreiben.
Sie haben die Situation schon erlebt und können dir sagen, was ihnen damals geholfen hat. Vielleicht können sie dir auch Ängste nehmen oder einfach beistehen, weil sie genau wissen, wie sich diese Situation anfühlt.

 
Zwei Hände, die sich halten, auf schwarzem Hintergrund.
Josep Ma. Rosell via Compfight cc

Kann Scheidung auch positive Seiten haben?

Eine Scheidung bedeutet oft nicht nur, dass die Eltern nicht mehr zusammen sein wollen, sondern auch, dass sie nicht mehr streiten wollen. Auch für die Kinder ist es belastend, die ständigen Konflikte mitzubekommen. Selbst wenn deine Eltern nicht so streiten, dass du es mitbekommst, ist die angespannte Stimmung dennoch meist spürbar.

 

 

  • Selbst wenn es im ersten Moment komisch klingt, eine Scheidung kann auch ihre positiven Seiten haben.
  • Die Konflikte werden weniger und die Stimmung kann sich wieder entspannen.
  • Diskussionen und Streitgespräche kosten viel Zeit und Energie, die nach der Scheidung anders und besser genutzt werden können.

 

 

Streit und du in der Mitte?

Gerade bei Trennungen sind viele Gefühle im Spiel. Auch wenn es die Aufgabe der Eltern ist, dich aus dem Konflikt zwischen ihnen herauszuhalten, gelingt das nicht immer. Nicht in Ordnung ist, wenn ...
... Streitereien auf deinem Rücken ausgetragen werden.
... du dich so fühlst, als müsstest du den Schiedsrichter spielen.
... der eine Elternteil bei dir schlecht über den anderen Elternteil spricht.
... du denkst, der eine Elternteil ist gekränkt, wenn du mit dem anderen Zeit verbringst.
... du das Gefühl hast, es beiden recht machen zu müssen.

 

 

  • Mache deutlich, dass du dich da nicht einmischen und auch nicht hineingezogen werden möchtest. Das ist eine Sache zwischen deinen Eltern und das soll sie auch bleiben. Du bist weiterhin ihr gemeinsames Kind und musst dich nicht auf eine Seite stellen.
  • Sprich deine Eltern darauf an, vielleicht auch einzeln. Es kann sein, dass sie so tief "im Streit verstrickt sind", dass sie sich schwertun, sich in dich hineinzuversetzen.
  • Vielleicht musst du ihnen auch öfter sagen, dass du dich nicht einmischen möchtest, aber gib nicht auf.
  • Wenn das nichts bringt oder du nicht direkt mit deinen Eltern sprechen magst, kannst du Vertrauenspersonen bitten, dir bei einem Gespräch mit deinen Eltern zu helfen.

 

 

Verliere ich einen Elternteil?

Du hast ein Recht darauf, beide Elternteile weiterhin zu sehen. In der Regel lebst du nach der Scheidung bei einem Elternteil, siehst aber den anderen immer noch. Wie oft du den Elternteil, bei dem du nicht lebst, mindestens siehst, wird bei der Scheidung festgelegt. Dabei werden verschiedene Dinge wie etwa dein Alter bzw. deine Bedürfnisse und Wünsche bezüglich der Häufigkeit des Kontakts berücksichtigt.

 


Bei rechtlichen Fragen kannst du dir auch bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft deines Bundeslandes (Telefonnummer kannst du bei uns erfragen) Auskunft holen.

 
 

Die Entscheidung, bei welchem Elternteil du wohnen möchtest, ist auf jeden Fall keine leichte. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, um Überlegungen dazu anzustellen. Es bedeutet nicht, dass du den Elternteil, zu dem du ziehst, lieber hast. Tipps, was du bei einer Entscheidung berücksichtigen könntest und auch wie du deinen Eltern die Entscheidung sagst, findest du im Link unten.

 

Kann ich eine Scheidung verhindern?

Auch wenn der Wunsch verständlich ist, du kannst eine Scheidung deiner Eltern nicht verhindern. Es ist eine Entscheidung die nur sie treffen können. Würden sie wegen der Kinder zusammenbleiben, würde sich wahrscheinlich niemand so wirklich wohlfühlen. Die angespannte Situation ist nämlich für alle spürbar und belastend.
Auch Jugendliche möchten sich ihre Partner und Freunde in der Schule selbst wählen und nicht von Mutter oder Vater ausgesucht bekommen. Ebenso können Eltern nur selbst entscheiden, ob sie sich noch gut genug verstehen, um zusammenzuleben.

 

 

  • Alle Menschen - auch wenn sie Eltern sind - haben das Recht, ihr Leben mit dem Partner und den Freunden zu verbringen, mit dem/denen sie sich wohlfühlen. Klar ist aber, dass eine Scheidung deiner Eltern auch etwas mit dir macht. Die Gefühle, die bei dir entstehen, können ganz unterschiedlich sein: Unverständnis, Trauer, Wut, Enttäuschung, etc. Deshalb ist es wichtig, dass du Unterstützung in dieser herausfordernden Zeit bekommst.
  • Such dir jemanden, mit dem du darüber sprechen kannst. Das kannst du auch in dieser Situation mit deinen Eltern tun, mit anderen Verwandten, Lehrern, Freunden, Vertrauenspersonen, persönlich mit Berater/innen bei professionellen Beratungsstellen und natürlich auch mit uns. Gespräche können ein Ventil sein, diese Gefühle hinauszulassen. Sport ist auch eine gute Möglichkeit.

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