Puzzle. Ein Puzzleteil fehlt, im Hintergrund steht
Foto (bearb.) © Andreas Morlok / PIXELIO  

Scheidung - Kontakt zu einem Elternteil verloren?

Wenn der Kontakt zum Vater oder zur Mutter nach einer Trennung der Eltern abreißt, ist das meist mit vielen Fragen und heftigen Gefühlen verbunden. Wie es dazu kommen kann und was du dagegen tun kannst, erfährst du hier.

Nach einer Trennung oder Scheidung der Eltern kann es vorkommen, dass der Kontakt zu einem Elternteil plötzlich abreißt oder schleichend immer weniger wird. Das kommt aber glücklicherweise nur selten vor. Meistens ist der Kontakt zu dem Elternteil betroffen, mit dem man dann nicht mehr gemeinsam wohnt.

 

Was kann zum Kontaktabbruch führen?

Es gibt sehr viele Gründe, die dazu beitragen können, dass der Kontakt zu einem Elternteil weniger wird. Wir haben einige dieser Gründe für dich zusammengestellt:

 

Die Eltern "hassen" sich

Bevor sich Eltern trennen, versuchen sie meist über längere Zeit an der Lösung ihrer gemeinsamen Probleme zu arbeiten. Irgendwann kommt dann der Punkt, wo sie merken, dass dies nicht mehr möglich ist. Das ist dann oft mit enormer Enttäuschung verbunden. Sie sind wütend auf sich selbst, dass sie es nicht geschafft haben. Sie sind wütend auf den Partner, der vielleicht nicht genug dazu beigetragen hat, dass man es schaffen kann. Sie sind wütend aufeinander, weil alle Hoffnungen und Träume von der Zukunft zerplatzt sind. Oft kommen dann noch Streitigkeiten über finanzielle Ansprüche hinzu, die die Situation nicht einfacher machen.

Es gibt Eltern, die es auch über längere Zeit hinweg nicht schaffen, diese Gefühle von Enttäuschung, Wut und vielleicht auch von Hass auf den Partner zu überwinden. Manche Elternteile bleiben in ihrer Wut gefangen und machen sich gegenseitig das Leben schwer.

 

 
Dieser Hass auf den anderen Elternteil kann dann dazu führen, dass ein Elternteil es dem anderen schwer macht, das Kind zu sehen, den anderen schlecht macht oder dem Kind Unwahrheiten über ihn erzählt. Als Kind weiß dann nicht mehr, was man glauben soll und hat wegen der Lügen vielleicht auch Angst vor dem anderen Elternteil. Als Folge kann es dazu kommen, dass man selbst keinen Kontakt mehr zu dem Elternteil will, es kommt zu einer Entfremdung. Das hat in der psychologischen Sprache einen Namen und wird "elterliches Entfremdungssyndrom" oder PAS (Parental Alienation Syndrome) genannt.

 

 

Das Recht auf Kontakt zu beiden Elternteilen

Jedes Kind hat das gesetzliche Recht auf Kontakt zu beiden Elternteilen, ganz egal ob sich die Eltern verstehen oder nicht. Genauso hat auch jeder Elternteil ein gesetzliches Recht auf Kontakt zu seinem Kind. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Eltern verheiratet waren.

 

Schamgefühle beim Elternteil

Hin und wieder hat ein Elternteil nach einer Trennung das Gefühl, für seine Familie nicht ausreichend da gewesen zu sein oder sie im Stich gelassen zu haben. Das kann z. B. vorkommen, wenn ein Elternteil sich in jemand anderen verliebt hat und das ein Grund für die Trennung war oder er/sie viel gearbeitet hat und deshalb wenig Zeit für die Familie hatte. Es ist nicht leicht mit solchen Gefühlen umzugehen. Manchmal führt das dazu, dass sich ein Elternteil zurückzieht.

 

Falsche Annahmen und Missverständnisse

Elternteile und auch Kinder können etwas Falsches voneinander annehmen. Ein Vater/eine Mutter, der/die die Familie wegen einer/m anderen/m Frau/Mann verlassen hat, kann glauben, seine/ihre Kinder mögen ihn/sie deswegen nicht mehr, obwohl das vielleicht gar nicht der Fall ist. Manche der getrennten Elternteile denken, Jugendliche wollen nur noch Zeit mit Gleichaltrigen verbringen und "brauchen" sie gar nicht mehr so sehr - auch das ist oft eine falsche Annahme.

 

 


Klar, die Situation ist nicht einfach, aber es lohnt sich, dem getrennt lebenden Elternteil zu sagen, dass du ihn nach wie vor sehr gerne hast und ihn häufiger sehen willst. Dadurch kannst du verhindern, dass er/sie falsche Annahmen über deine Kontaktwünsche hat.

 

Neue Lebenssituation des Elternteils

Manchmal machen es die neuen Lebensumstände des getrennt lebenden Elternteils schwerer, sich zu sehen. Das kann z. B. sein, wenn er/sie weiter weg zieht, am Wochenende arbeiten muss oder er/sie eine neue Partnerin oder Familie hat, die Zeit mit ihm/ihr verbringen wollen.

 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg

Auch wenn es neue Lebenssituationen im Leben des/der getrennt lebenden Vaters/Mutter gibt, bestehen vielleicht Möglichkeiten, den Kontakt zu verbessern. Es gibt viele Wege, die er/sie nutzen kann, um Kontakt zu halten: Telefonieren, Mails schreiben, Videotelefonieren.....und auch Wege seine/ihre Lebensumstände zu verändern: den Chef um andere Arbeitszeiten bitten, sich wegen einer neuen Arbeit umsehen, umziehen, einer/m neuen Partnerin/Partner/Familie klar machen, dass ihm/ihr der Kontakt zu seinem/ihrem Kind wichtig ist.
Wenn du betroffen bist:
Vielleicht passt es für dich, deinem/deiner getrennt lebenden Vater/Mutter zu sagen, dass er/sie für eine Veränderung der Situation kämpfen soll!

 
 

Zwischen Hoffnung und Bangen

Wenn der Kontakt zu einem getrennt lebenden Elternteil verloren geht, tauchen Fragen auf, die mit heftigen Gefühlen verbunden sein können. Es wird einem allmählich klar, dass jemand, der immer da war und der einem vertraut war, fehlt. Diese Erkenntnis tut weh und ist mit Fragen verbunden: Woran liegt es? Wird es so bleiben?
Wenn es über längere Zeit nicht möglich ist, den Kontakt wieder herzustellen oder zu verbessern, kann ein anhaltendes Gefühl von Traurigkeit, Einsamkeit oder Ohnmacht bleiben. Es kann sein, dass derjenige/diejenige gleichgültiger, trotziger oder wütender wird und diese Gefühle auch bei anderen Personen auslebt, die mit dem Problem wenig zu tun haben.
Das muss allerdings nicht so sein: Jeder Mensch hat eigene Strategien, um mit Belastungen umzugehen. Ob man eine schwierige Situation bewältigen kann, hängt auch oft davon ab, ob man von anderen Personen Unterstützung bekommt oder sich selbst Unterstützung bei anderen holt.

 

Was du tun kannst, wenn du betroffen bist

 

Selbst Kontakt suchen und Wünsche äußern

 

  • Wenn du zu wenig oder keinen Kontakt zu deinem getrennt lebenden Elternteil hast, warte nicht darauf bis er/sie sich meldet, sondern ruf ihn/sie selbst an!
  • Sag ihm/ihr wie sehr du ihn/sie vermisst!
  • Sag ihm/ihr, dass du dir mehr Kontakt wünschst! Vielleicht musst du ihm/ihr das auch öfters sagen!
  • Mach dir ganz genaue Vereinbarungen mit dem getrennt lebenden Elternteil aus! Wer ruft wen an welchem Tag und zu welcher Uhrzeit wieder an? An welchem Tag und zu welcher Uhrzeit seht ihr euch wieder?
  • Mach konkrete Vorschläge, was du gerne mit ihm/ihr unternehmen möchtest, wenn ihr euch seht!

 

 

Hol dir Unterstützung

 

  • Bleib mit deinen Gefühlen und Wünschen nicht alleine! Nach dem Motto - "Geteiltes Leid ist halbes Leid" - wirst du merken: Es ist meistens erleichternd und befreiend, jemandem seine Sorgen anzuvertrauen. Gibt es jemanden in deinem Umfeld, der dafür geeignet ist: Vater? Mutter? Verwandte? Freunde? Lehrer? Beratungsstellen?
  • Du kannst auch jemanden bitten, dem/der getrennt lebenden Vater/Mutter zu sagen, dass du ihn/sie mehr brauchst. Manchmal eignen sich deine Großeltern, Onkeln oder Tanten ganz besonders gut dafür.
  • Leider gelingt es ganz selten nicht, trotz aller Versuche, einen zufriedenstellenden Kontakt zu einem/einer getrennt lebenden Vater/Mutter wieder herzustellen. Falls du deshalb über längere Zeit unglücklich bist und das Gefühl hast, dein Leben wird dadurch stark beeinträchtigt, kann eine Psychotherapie helfen, die Belastung zu verringern.

 

 

Neue gesetzliche Regelungen

Seit 2013 gibt es ein neues Gesetz, mit dem unter anderem Kontaktabbrüche zu einem getrennt lebenden Elternteil verhindert werden sollen.
Eltern, die verheiratet waren, müssen jetzt bereits bei der Scheidung den Kontakt zwischen einem Kind und dem getrennt lebenden Elternteil regeln, und nicht erst später. Sie müssen sich bei einer Scheidung verpflichtend psychologisch beraten lassen. Das kann helfen, dass den Eltern klarer wird, was Kinder während und nach der schwierigen Scheidungszeit "brauchen".
Eltern, die nicht verheiratet sind, können ebenfalls "rechtlich" gemeinsam für ein Kind sorgen, wenn sie das beantragen.

 
Wenn es Probleme mit dem Kontakt zu einem getrennt lebenden Elternteil gibt, kann man sich an die Familiengerichtshilfe wenden, wo sogenannte "Besuchsmittler" helfen.

 

 
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