Stacheldrahtzaun der Baum verwundet hat
CC0 / Pixabay Hermann (bearbeitet)

Selbstverletzendes Verhalten

Was versteht man eigentlich unter selbstverletzendem Verhalten? Wer kann davon betroffen sein und warum verletzen sich manche Menschen überhaupt selbst? Antworten auf diese und weitere Fragen, findest du hier!
 

Was ist Selbstverletzendes Verhalten?

Selbstverletzung ist ein Verhalten, bei dem Betroffene sich selbst weh tun und sich auf verschiedene Art und Weise Schmerzen zufügen. In vielen Fällen kommt es dabei zu Verletzungen der Haut, die sich der/die Betroffene selbst zufügt, beispielsweise in Form von Ritzen, Schneiden, Verbrennen, Kratzen oder auch Verletzungen durch Nadelstiche oder extremes Nägelbeißen. Es gibt aber auch andere Formen des selbstverletzenden Verhaltens, z. B. kann auch exzessives Sport-Treiben oder die Verweigerung von Nahrung selbstverletzend sein.

 

Wer ist davon betroffen?

Es gibt keinen bestimmten Typ, der sich selbst verletzt. Generell neigen Mädchen und Frauen stärker zu Selbstverletzungen als Jungen und Männer. Aber auch Männer zeigen dieses Verhalten. Oft beginnt selbstverletzendes Verhalten im Jugendalter und kann, wenn der/die Betroffene keine Hilfe bekommt, auch bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.

 

Warum verletzt sich jemand selbst?

Selbstverletzendes Verhalten kann verschiedene Ursachen haben. Meistens ist es ein Versuch des/der Betroffenen, eine bestimmte innere Anspannung abzubauen. Man könnte auch sagen, dass Betroffene versuchen, schmerzvolle Gefühle, wie z. B. Wut, Angst oder Trauer durch einen sich selbst zugefügten - und so in gewisser Weise kontrollierten - körperlichen Schmerz zu überdecken. Sich selbst zu verletzen kann aber auch ein Symptom einer psychischen Erkrankung sein.

 
 

Wie oft oder wie regelmäßig sich Betroffene selbst verletzen ist sehr unterschiedlich. Meistens tritt das selbstverletzende Verhalten in Belastungssituationen auf (Stress, Verluste, Kummer, Konflikte in der Familie,...). In solchen Situationen können Gefühle der Hilflosigkeit oder der Hoffnungslosigkeit entstehen. Diese negativen Gefühle erzeugen einen Spannungszustand. Durch die Selbstverletzung (z. B. das Ritzen) löst sich dieser Spannungszustand kurzfristig auf und es kommt zu einem Gefühl der Erleichterung. Dieses Gefühl hält aber nur kurz an und ist meistens gefolgt von Schuld- und Schamgefühlen. So entsteht ein Kreislauf aus dem Betroffene ohne fremde Hilfe meist nur schwer wieder herauskommen.

 

Ist es eine Sucht?

Es wird vermutet, dass im Moment der Selbstverletzung Stoffe im Körper ausgeschüttet werden, die (ähnlich wie bei Drogen) positive und angenehme Gefühle erzeugen. Durch wiederholtes selbstverletzendes Verhalten kann ein gewisser Suchtcharakter entstehen. Betroffene spüren immer wieder einen starken Impuls sich zu verletzen und können sich diesem Drang nur schwer oder gar nicht widersetzen. Ähnlich wie bei anderen Süchten wird von vielen Betroffenen viel Zeit dafür verwendet zu überlegen, wie man sich z. B. neue Rasierklingen beschaffen kann und wo man diese dann verstecken wird.

 
Portrait eines Mädchens mit gesenktem Blick
Foto © "I'll never let you leave, never let you breathe" von !ogan-paig3(: unter creative commons Lizenz

Kennst du Betroffene?

Vielleicht kennst du jemanden, der sich selbst verletzt. Oft ist es dann so, dass man nicht wirklich weiß, wie man damit umgehen soll und vor allem, wie man sich verhalten soll. Das ist auch verständlich. Hier sind einige Tipps, was du im Umgang mit Betroffenen beachten solltest.

 

Tipps für den Umgang mit Betroffenen


  • Siehst du bei einer dir nahestehenden Person häufig Verletzungen und vermutest du, dass diese selbst herbeigeführt sind, dann sprich das an.
  • Sag ihr in einem ruhigen Moment, dass du dir Sorgen machst!
  • Verurteile die Person nicht.
  • Informiere dich über selbstverletzendes Verhalten. So kannst du Betroffene besser verstehen.
  • Biete dich als Gesprächspartner an, wenn du dazu bereit bist.
  • Ermutige die Person, sich Hilfe zu holen. Du kannst z.B. anbieten, die betroffene Person zu einer Beratungsstelle zu begleiten oder gemeinsam nach Adressen von Beratungsstellen zu suchen.

 

Übernimm dich nicht

Wichtig ist, dass du dich selbst nicht überforderst. Du kannst niemals einen Therapeuten oder eine Therapeutin ersetzen. Du bist ein/e gute/r Freund/in und als das auch eine tolle Hilfe. Aber du kannst das Problem für die betroffene Person nicht lösen. Wird dir alles zu viel, dann hol dir Hilfe. Auch du als Angehöriger kannst dich an Beratungsstellen wenden.

 
 
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