Frau mit Pullover bis über die Augen hoch gezogen und Händen über dem Gesicht
Foto (bearb.) © sokaeiko / PIXELIO  

Gewalt hat viele Gesichter

Was Gewalt wirklich ist, lässt sich schwer beantworten. Sie hat viele Gesichter. Vor allem wann beginnt Gewalt? Hier kannst du dich über die verschiedenen Formen informieren und nachlesen, was alles bereits zu Gewalt zählt!
 

Gewalt im Alltag

Auch wenn es uns oft gar nicht mehr auffällt, wir sind fast täglich mit Gewalt konfrontiert. Es gibt kaum Filme oder Serien, in denen es keine Gewaltszenen gibt. Selbst in Comics und Zeichentrickfilmen steht oft die Gewalt im Vordergrund. Auch Computerspiele drehen sich häufig um Gewalt.

Egal wie man dazu steht, Fakt ist, dass wir durch die ständige Konfrontation mit Gewalt, Gefahr laufen, allmählich gegenüber Gewaltsituationen im Alltag abzustumpfen.

 

Gewalt beginnt viel früher, als man denkt

Bei dem Thema Gewalt denken viele zuerst an das "Offensichtlichste", z.B. das jemand verprügelt wird und sichtbare körperliche Verletzungen hat.
Doch ein gewaltvoller Umgang zeigt sich nicht immer durch Blutergüsse oder Schwellungen.
Gewalt beginnt oft schleichend, was es besonders schwierig macht, sie von Beginn an zu erkennen.

 

Verschiedene Formen von Gewalt

Man unterscheidet verschiedene Formen von Gewalt, z. B. körperliche Gewalt (auch physische Gewalt genannt), emotionale Gewalt (auch als psychische Gewalt bezeichnet) und sexualisierte Gewalt. Oft treten verschiedene Formen von Gewalt auch gemeinsam auf.

 

Psychische oder Emotionale Gewalt

Psychische Gewalt ist teils schwer fassbar, da seelische Wunden – im Gegensatz zu körperlichen – nicht sichtbar sind. Ständige Beleidigungen, runter gemacht oder unter Druck gesetzt zu werden, ist seelisch genauso schmerzhaft, wie körperliche Misshandlungen.
Folgende Punkte sind Anhaltspunkte, an denen du sie erkennen kannst:

Wenn dir jemand (in der Schule, zu Hause, egal ob erwachsen oder nicht erwachsen, egal ob FreundIn, PartnerIn, LehrerIn,...)

  • absichtlich Angst macht, dich einschüchtert
  • dich ignoriert, wenn du ein Anliegen hast oder um dich zu bestrafen
  • dich verspottet, entwertet oder runter macht
  • deine Wünsche missachtet
  • dich unter Druck setzt, deine Grenzen nicht einhält
  • dir "kalt-warm-Duschen" verabreicht (dich mal in den Himmel lobt und dann links liegen lässt und ignoriert)
  • dich emotional erpresst ("Wenn du weiter hier wohnen möchtest, dann machst du das und das...")
  • dich demütigt, bloß stellt oder vor anderen schlecht macht
  • dich ständig kontrolliert, beschimpft, bedroht oder einsperrt
  • gegenüber seine Machtposition ausnützt, wie z.B. ein/e LehrerIn oder Eltern. Wenn du z.B. deine Freizeit in keinster Weise selbst gestalten darfst oder ein/e LehrerIn von dir etwas erpresst, damit du eine gute Note bekommst.

 

Körperliche Gewalt

Unter körperlicher Gewalt kann man sich meistens viel eher etwas vorstellen. Doch auch hier beginnt die Gewalt viel früher, als oft gedacht. Denn um körperliche Gewalt handelt es sich nicht erst bei Handlungen, die zu sichtbaren Verletzungen führen!

Beispiele für körperliche Gewalt:

  • wegstoßen, gegen die Wand drücken
  • gegen seinen Willen festgehalten werden
  • an den Haaren reißen
  • ohrfeigen
  • schlagen, treten
  • würgen
  • jegliche Art von körperlicher Verletzung

 

Sexualisierte Gewalt

Umgangssprachlich wird oft auch von sexueller Gewalt gesprochen. Bei dieser Art der Gewalt ist jedes Verhalten gemeint, dass die eigenen Grenzen im Bereich der Sexualität übersteigt. Denn in der Sexualität ist ausschließlich nur das erlaubt, was alle daran Beteiligten auch selbst wollen!

Hält sich jemand nicht an ein "Nein", egal ob es sich um Berührungen, Blicke oder anzügliche Bemerkungen hält, handelt es sich um den Beginn von sexualisierter Gewalt. Sexualisierte Gewalt geht bis zu sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung.

Aber sie beginnt schon viel früher, z.B. wenn sich dir jemand in den Weg stellt und du nur so an dieser Person vorbeikommst, wenn du ihn/sie dabei streifst, anzügliche Bemerkungen, die dir unangenehm sind, eine ungute Anmache, die dich auch nach einem "Nein" nicht in Ruhe lässt,...etc.

 
 

Beispiele für Gewalt

Gewalt ist z.B. wenn dir in der Schule angedroht wird, dass du zusammengeschlagen werden sollst. Denn eine "gefährliche Drohung" kann strafbar sein! Auch Mobbing und Cybermobbing sind Formen von Gewalt. Genauso geht es zu weit, wenn ein Lehrer dich vor der gesamten Klasse immer wieder bloßstellt.

 
 

Keine Frage, es ist Gewalt, wenn dich deine Eltern zu Hause schlagen. Auch eine "Watsche" geht zu weit und ist nicht erlaubt. Es ist auch eine Form der Gewalt, wenn du von deinen Eltern nicht mit ausreichend Liebe, Zuwendung und Fürsorge behandelt wirst oder sie dich nicht mit genügend Nahrung, Kleidung, Medizin etc. versorgen. Wenn man für alles "Negative" in der Familie verantwortlich gemacht wird, kann das ebenso ein Beginn von Gewalt sein.
 

 

Auch in Beziehungen kann es zu Gewalt kommen. Gerade hier ist es schwierig, zu erkennen, wo Gewalt beginnt. Was erste Anzeichen sein können, erfährst du hier:

 
 
Mädchen mit verschmierter Schminke schaut traurig. Davor Schriftzug: "hope".

Schuldgefühle

Bei Gewalt suchen die Betroffenen die Schuld oft auch bei sich, nach dem Motto: Wenn ich mich anders verhalten hätte, dann wäre ich nicht geschlagen worden. Doch Schuld ist immer nur der, der Gewalt ausübt, egal was auch immer man vorher getan hat.

Die einzige Situation in denen Gewalt straffrei bleibt, ist wenn man sein eigenes Leben verteidigt, also in sogenannter Notwehr handelt!



 

Das Schweigen brechen

 

Wenn einem Gewalt passiert, ist man oft einfach völlig schockiert, am Boden zerstört, oft schämt man sich auch. Gerade auch, wenn man dieser Person vielleicht sogar einmal vertraut hat.

Man ist oft völlig vor den Kopf gestoßen und kann gar nicht glauben, dass der erst so liebe Mensch, plötzlich so fies ist. Trotzdem ist es wichtig, die Situation so realistisch wie möglich zu betrachten und das Verhalten nicht zu verharmlosen.

Wichtig ist, dass du dich jemandem anvertraust! Auch wenn diejenigen die schlagen, oft drohen, dass man ja nicht darüber sprechen soll. Sie drohen, weil sie genau wissen, dass das was sie tun, nicht okay ist. Auch wenn du dir unsicher bist, ist es wichtig, mit jemandem darüber zu sprechen und dir eine Meinung zu holen, wie ein Außenstehender deine Situation einschätzt.

Gewalt, egal welche Form, hinterlässt tiefe Wunden. Manche sind sichtbar, manche nicht. Diese Wunden heilen nicht von selbst. Hol dir Unterstützung!

Wir wissen, dass es oft alles andere als leicht ist das erste Mal über die Gewalt zu sprechen, die einem angetan wurde. Wir wissen aber auch, dass es eine Erleichterung ist. Es kann auch nur dann besser werden, wenn man über seinen Schatten springt und sich jemandem anvertraut.

 

Du bist völlig anonym!!

 

Bei uns kannst du jederzeit völlig anonym anrufen. Du musst weder deinen Namen sagen, noch woher du kommst. Wir unternehmen nichts, was du nicht möchtest. Es ist okay, wenn du einfach nur einmal darüber sprechen möchtest. Aber wenn du dir bereits konkrete Hilfe wünschst, dann können wir dir auch dabei helfen!

Wir kennen auch Adressen von Notschlafstellen in ganz Österreich bzw. Beratungsstellen in deiner Nähe, die wir dir jederzeit sagen können. Wenn du das möchtest, können wir auch gemeinsam den ersten Kontakt herstellen.

WICHTIG! Es geschieht nichts, was du nicht selbst möchtest!

 

Wird alles wieder gut?

Wenn es zu Gewalthandlungen kommt, gerade dann, wenn einem gegenüber jemand gewalttätig wird, den man bis jetzt sehr gern gehabt hat, hat man die Hoffnung, dass alles wieder so wird, wie am Anfang. Doch ohne dass derjenige/diejenige der/die Gewalt ausübt, aktiv etwas dagegen unternimmt (z.B. Beratung, Therapie, etc.), ist dies eine leere Hoffnung. Gewalt hört nicht von selbst auf, sondern nimmt meist sogar zu. Deshalb ist es wichtig, Gewalt zu erkennen und sich Hilfe zu holen.

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