Erwachsene Hand, die gerade zu einem Schlag ausholt, davor ein Schatten eines Kindes an dessen Kopf der Abdruck einer Hand angedeutet wird.
CC0 / Pixabay geralt (bearbeitet)

Wenn zu Hause die Gewalt regiert

Viele Kinder und Jugendliche sind zu Hause körperlicher und psychischer Gewalt ausgeliefert. Was du tun kannst, wenn du betroffen bist, kannst du hier nachlesen.
 

Niemand darf dir gegenüber Gewalt anwenden - auch deine Eltern nicht!

Sowohl körperliche als auch psychische Gewalt ist vom Gesetz her verboten. Egal ob und was du "angestellt" hast, kein Grund rechtfertigt Gewalt dir gegenüber! Nicht du trägst die Schuld, sondern derjenige, der dir gegenüber Gewalt anwendet. Egal wie frech, fies oder unartig du auch immer gewesen sein magst!

 

Körperliche Gewalt

Wahrscheinlich hast du den Begriff schon öfter gehört und hast auch eine Idee was damit gemeint ist, aber wie sieht körperliche Gewalt wirklich aus?

Körperliche Gewaltätigkeiten sind Handlungen, die dem Opfer körperlich weh tun. Schlagen, Treten, an den Haaren Reißen, Ohrfeigen, heftiges Schütteln sind nur einige Formen von körperlicher Gewalt.

 

Psychische Gewalt

Auch Worte, die Art wie man behandelt wird oder gerade das, was nicht gesagt oder getan wird, kann verletzen. Unter psychischer Gewalt versteht man z.B. wenn man immer wieder "runter gemacht", beschimpft, verspottet, beleidigt oder eingeschüchtert wird. Psychische Gewalt ist aber auch, wenn einem bewusst Angst gemacht wird, man gedemütigt, schikaniert, ständig zurück gewiesen oder bloß gestellt wird.
Diese Form der Gewalt ist nicht so offensichtlich, wie körperliche Gewalt. Sie geschieht "unauffälliger", ist aber nicht weniger schmerzhaft.

 

Gewalt in der Familie - Verletzungen durch vertraute Personen

Gewalt tut immer weh, aber gerade wenn einem jemand verletzt, den man lieb hat, ist es besonders schlimm. Denn dann ist man zwischen verschiedenen Gefühlen hin und hergerissen, die Grenzen zwischen "gut" und "böse", "lieb" und "nicht lieb" verschwimmen. Das ist auch völlig normal! Doch gerade dieses "Durcheinander der Gefühle" macht es einem oft noch schwerer, sich Hilfe zu holen. Man möchte zwar, dass die Gewalt aufhört, hat aber auch Angst, Mama oder Papa zu verlieren.

Schild mit der Abkürzung für "Information" und einem Hörer darauf. Darunter Schrift: "NOTRUF".

 

Bist du betroffen - Hol dir Hilfe!

Kinder und Jugendliche, die Gewalt in der Familie erleben, spüren meist ganz genau, dass das, was zu Hause vor sich geht, nicht in Ordnung ist. Gleichzeitig schämen sie sich aber auch dafür oder haben Angst und trauen sich deshalb oft lange Zeit mit niemandem darüber zu sprechen. Das Gefühl selbst daran Schuld zu sein, die Angst einen Elternteil zu verlieren oder die Situation noch zu verschlimmern, macht es zusätzlich schwer, sich Hilfe zu holen. Dabei liegt die Schuld bei demjenigen, der Gewalt ausübt und auch derjenige ist es, der sich schämen muss. Oft machen die Täter/Täterinnen durch Drohungen bewusst Angst und schüren Schuldgefühle, da sie verhindern wollen, dass sich ihre Opfer Hilfe holen.

Dabei ist es wichtig, dass du dir Hilfe holst, wenn du von Gewalt betroffen bist. Denn nur dann kann sich die Situation verbessern.

 

Vertrau dich jemandem an

Überlege, welche erwachsene Person es in deinem Umfeld gibt, der du vetrauen kannst und bei der du das Gefühl hast, dich auch in so einer schwierigen Situation hinwenden zu können. Das könnten z.B. Oma, Opa, Tante, Onkel, erwachsene Geschwister, Lehrer, Nachbarn oder auch die Eltern einer Freundin/eines Freundes sein.
Wenn "nur" ein Elternteil gewalttätig ist, kannst du dich auch an den jeweils anderen wenden. Erzähle ganz ehrlich, was dir passiert ist und dass du Hilfe benötigst.
Gib nicht auf, bevor dir geglaubt wird!

 

Beratungsstellen, die dich unterstützen können

Wenn es in deinem Umfeld niemanden gibt, dem du dich anvertrauen kannst oder du lieber mit einer außenstehenden Person reden möchtest, dann hast du die Möglichkeit, dich an eine Beratungsstelle zu wenden.
Dort kannst du zunächst einmal mit jemandem über deine Situation sprechen und mit dieser Person gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, um deine Situation zu verbessern.
Bei der Kinder und Jugendanwaltschaft und Rat auf Draht brauchst du keine Angst haben. Das, was du dort erzählst, wird selbstverständlich nicht weitergegeben. Weder das Jugendamt noch die Polizei wird ohne dein Einverständnis informiert! Alles was du besprichst, unterliegt der Schweigepflicht! Das ist auch bei vielen Beratungsstellen bei dir in der Nähe der Fall!

Auch das Kinderschutzzentrum versucht, möglichst nichts zu tun, was du nicht möchtest. In manchen Fällen muss das Kinderschutzzentrum allerdings das Jugendamt verständigen.

Du kannst dir jederzeit bei uns am Telefon rund um die Uhr, anonym und kostenlos Hilfe holen oder dich einfach einmal "ausweinen". Wenn du möchtest, können wir mit dir gemeinsam, über eine Konferenzschaltung, Kontakt zu einer der genannten Stellen aufnehmen. Das bedeutet, dass du in der Leitung bist, jemand von Rat auf Draht und jemand von der dritten Stelle, also z.B. dem Kinderschutzzentrum oder auch dem Jugendamt. So ist jederzeit beim Gespräch jemand mit dabei und du musst den ersten Kontakt nicht alleine herstellen.

 
 

Die Arbeitsweise des Jugendamtes

Du kannst dich auch direkt ans Jugendamt wenden. Das Jugendamt wird dann Kontakt zu deinen Eltern aufnehmen und sich ein Bild von der Situation bei dir zu Hause machen, um zu entscheiden, was für dich am besten ist.

Es kann sein, dass sie zu dem Schluss kommen, dass es mit ihrer Hilfe gelingen kann, dass du in Zukunft gewaltfrei in der Familie leben kannst.
Eine andere Möglichkeit ist, dass sie zu der Meinung gelangen, dass du zu Hause auch mit Unterstützung nicht gut aufgehoben bist. In diesem Fall findest du einmal für bis zu 6 Wochen in einem sogenannten Krisenzentrum (KIZ) Unterschlupf. Während der Zeit dort, wird dann überlegt, wie es weiter gehen kann. Wenn sich herausstellt, dass es besser ist, dass du weiterhin außerhalb deiner Familie wohnst, gibt es die Möglichkeit einer betreuten Wohngemeinschaft. Dort leben mehrere Jugendliche mit Betreuern und Betreuerinnen zusammen. Klassische "Heime" gibt es in Österreich kaum mehr.

 

Wenn du es zu Hause gar nicht mehr aushältst

Traust du dich gar nicht mehr nach Hause oder möchtest du sofort von zu Hause weg, kannst du dich auch direkt an ein Krisenzentrum (KIZ) wenden. Das KIZ ist eine Art Zwischenstation. Es arbeitet mit dem Jugendamt Hand in Hand. Man bleibt nur so lange im KIZ, bis sich die Situation zu Hause verbessert hat oder eben ein geeigneter Platz in einer Wohngemeinschaft gefunden ist.

Während der Öffnungzeiten des Jugenamtes (meistens Mo-Fr 8-16 Uhr) kannst du dich nicht direkt an das KIZ wenden, sondern musst vorher Kontakt mit dem Jugendamt aufnehmen. Außerhalb dieser Zeiten (also bei Notsituationen am Abend, in der Nacht, am Wochenende und an Feiertagen) ist es möglich, das KIZ direkt zu kontaktieren bzw. mit uns gemeinsam dort anzurufen.

Wenn du in deinem Bekannten- oder Verwandtenkreis jemanden hast, bei dem du in einer Notsituation übernachten kannst, geht das auch, wenn es deine Eltern nicht erlauben. Wenn du unter 16 Jahre alt bist, muss derjenige der dich aufnimmt, sobald als möglich, das Jugendamt darüber informieren, wo du dich aufhältst.

 
 

Auch von Vernachlässigung und sexueller Gewalt kann man in der Familie betroffen sein. Was das ist und wie man Hilfe bekommen kann, findest du hier:


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