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Hasspostings

Was sind eigentlich Hasspostings? Welche Konsequenzen können sie haben? Was, wenn man selbst davon betroffen ist? Wir haben Fakten und Tipps für euch zusammengestellt!

Was ist ein Hassposting?

Im Netz stößt man sehr schnell auf Kommentare, die verletzen. Können das Worte überhaupt? Klar, können auch Worte heftig treffen. Sicher kennst auch du Momente, in denen dir etwas an den Kopf geworfen wird, was sich wie ein tiefer Stich anfühlt, obwohl dich niemand körperlich berührt hat. Alles Fiese hat keinen Platz im Netz, trotzdem zählt nicht alles zu sogenannten Hasspostings.

Hasspostings sind Kommentare, in denen ganze Gruppen von Menschen verurteilt und angegriffen werden bzw. Kommentare, mit denen sogar direkt zu Gewalt aufgerufen wird. Gegen eine ganze Gruppen richten sich Postings z. B. wenn jemand aufgrund seiner Religion, seiner Herkunft, seiner sexuellen Orientierung oder seines Geschlechts verurteilt wird.

Oft sind Hasskommentare rassistische, antisemitische oder sexistische Beiträge - wie "Alle Muslime sind ....", "Alle Schwulen sollen..." oder "Alle Frauen müssen...".

In Österreich gibt es auch ein Recht auf eine freie Meinungsäußerung, das heißt aber nicht, dass man wirklich alles sagen darf. So zählt z. B. "Ich bin gegen offene Grenzen." oder "Ich finde, nur Mann und Frau sollten heiraten können." zur Äußerung seiner Meinung. Eine Grenze wird aber klar überschritten, wenn Menschen verletzt werden, wenn Personen verurteilt werden und vor allem ganze Gruppen gleichgesetzt werden, wie z. B. bei Aussagen wie: "Alle Flüchtlinge sind kriminell." oder "Das war sicher kein Christ."
 

Kleinigkeiten können verändern

Das ganze Internet ist voll mit Beschimpfungen und Verunglimpfungen. Viele von uns haben das Gefühl, gar nichts dagegen machen zu können und hilflos zu sein. Doch jeder von uns kann mithelfen, etwas gegen Hass im Netz zu tun! Das klingt jetzt voll übertrieben?
Klar, können wir als Einzelne nicht die ganze Welt verändern, wir können als Einzelne aber die Welt eines Menschen verändern. Denn wenn z. B. ein Shitstorm über einen hereinbricht oder sich alles im Magen zusammenzieht, weil über Menschen hergezogen wird, die genauso fühlen wie man selbst, dann kann schon ein einziger Kommentar, in dem jemand zeigt, dass nicht alle so denken, sehr viel bedeuten. Du kannst dieses eine Posting, dieser eine Kommentar, dieser eine Hoffnungsschimmer sein.
 

Teile Respekt, statt Hass!

Jede und jeder hat das Recht seine Meinung zu sagen oder auch zu schreiben. Die Frage ist nur, wie man das für sich dann machen möchte. Gerade hinter dem Bildschirm seines Laptops oder Smartphones tippen manche schnell mal etwas hinein, ohne viel darüber nachzudenken. Einmal gepostet, kann man die Reaktionen darauf und auch die Auswirkungen auf einen selbst nicht mehr kontrollieren. Bei uns melden sich immer wieder Jugendliche, die aufgrund eines Postings z. B. ihre Lehrstelle verloren haben oder aufgrund eines Kommentars in einem Forum einem Shitstorm oder Bedrohungen ausgesetzt sind.

 

Du entscheidest frei! Du trägst die Konsequenzen.

Wir können nicht für dich entscheiden, was du postest und was nicht. Aufgrund der vielen Erfahrungen aus den Beratungsgesprächen, in denen wir Jugendliche vor und auch nach ihren getroffenen Entscheidungen erleben, können wir euch nur raten, nicht einfach unüberlegt drauf los zu posten.

Überleg, was du kommentierst und wie du es machst, welche Sprache du dafür wählst. Denn es ist nicht nur für dich, es ist öffentlich. Lies dir dein Posting oder Kommentar noch einmal durch, bevor du es veröffentlichst.

Schreib nicht, wenn du gerade mega genervt oder wütend bist. Genauso logisch wie etwas für dich ist, ist die Meinung eines anderen, der es anders sieht, für ihn. Hinter dem Bildschirm sitzt nicht nur du, sondern auch andere Menschen mit Gefühlen. Und auch, wenn es für dich vielleicht in dem Moment nur ein Hinausschreien deiner Wut war, so gilt das, was du getippt hast, wenn es von anderen gemeldet oder angezeigt wird.
 
 

Nicht einfach!

Es passiert sehr viel, was uns alle nicht kalt lässt - Terroranschläge, sexuelle Belästigungen oder Verunglimpfungen von Homosexuellen. Gerade einfach erscheinende Erklärungen wie "die" oder "das" ist Schuld, sind manchmal verlockend. Man sehnt sich nach einfachen Antworten oder eben auch Erklärungen. Doch das was passiert, lässt sich nicht so leicht erklären, weil die Zusammenhänge und wohl auch die Lösungen kompliziert und komplex sind.
Komplexe Erklärungen eignen sich aber wiederum nicht so gut, um uns die Angst zu nehmen. Vielleicht kennt ihr das, man sitzt mit FreundInnen zusammen und es werden Aussagen getätigt, denen man gar nicht zustimmt. Oft ist es aber trotzdem schwierig, etwas dagegen zu sagen. Manchmal wird man dadurch vielleicht sogar zum Zweifeln gebracht, ob das, was man selbst denkt, wirklich so passt. Und man weiß irgendwie gar nicht mehr, was man denken soll. Die Eltern meinen das eine, FreundInnen wieder etwas anderes und selbst ist man nur verunsichert.

Es ist auch alles andere als einfach. Aber gerade wenn du nicht aufhörst, nachzudenken, zu hinterfragen, zu diskutieren und auch zu recherchieren, dann ist das schon einmal ein Zeichen, dass du Interesse hast, herauszufinden, was wirklich Sache ist. Und gerade das ist im Moment unglaublich wichtig. Immer mehr haben das Gefühl, gar nichts mehr machen zu können. So als würde eine Masse sie überrollen, wenn sie z. B. durch soziale Netzwerke surfen. Doch jeder und jede von uns kann einen kleinen Beitrag leisten.

Z. B. in dem man Postings, die eine Person oder auch eine ganze Gruppen diffamieren, nicht einfach so stehen lässt.

 

Du kannst etwas tun!

*Melde Hasspostings! Das ist in fast allen sozialen Medien möglich. Wenn du merkst, dass ein Posting oder auch ein Kommentar zu weit geht, dann melde es. Nicht jede Meldung führt auch wirklich dazu, dass das Posting oder der Kommentar gelöscht wird. Aber trotzdem machst du die Seitenbetreiber zumindest darauf aufmerksam. Manchmal hat es auch erst dann einen Effekt, wenn möglichst viele melden. Es wird übrigens NICHT bekannt gegeben, wer gemeldet hat!

*Kritisch sein, rocks! Werden Fotos gepostet, die "das" Verhalten von Homosexuellen oder "der Ausländer" zeigen, dann nütze die verkehrte Google Suche! Zieh' das Foto einfach in die Google Suchmaske und schau, ob das Foto überhaupt in dem geposteten Kontext steht. Sehr oft kann man so herausfinden, dass die Fotos gänzlich andere Situationen zeigen und gar nichts mit dem geposteten Inhalt zu tun haben. So kannst du für dich herausfinden, was der Wahrheit entspricht und was nicht.
Genauso, wenn jemand von einer Erfahrung der Cousine, des Onkels etc. berichtet. Kopiere den Text und gib ihn in einer Suchmaschine ein. So bekommst du einen Hinweis, ob der Text einfach kopiert ist oder ob es sich tatsächlich, um ein persönliches Erlebnis handeln kann. Setze den Text dabei unter "Anführungszeichen".

*Sachinfos posten! Personen, die Hasskommentare formulieren, kann man oft nicht überzeugen. Allerdings lesen viele Personen mit, die nicht genau wissen, was sie davon halten sollen. Es macht Sinn, Informationen zu posten, die du an vertrauenswürdigen Quellen gefunden hast und die zeigen, dass ein Posting z. B. klar falsche Informationen verbreitet. Durch das Posten der Originalquelle des Fotos unter dem Posting kannst du dazu beitragen, dass vielleicht auch andere der MitleserInnen dort ins Grübeln kommen.

*Schütze dich! Bist du selbst von Hasskommentaren betroffen, dann melde und blockiere die Personen, die gegen dich hetzen.

*Anzeige erstatten. Was offline strafbar ist, ist auch online verboten. So können auch Drohungen, Nationalsozialistisches und Ähnliches angzeigt werden. Wichtig: zuvor Screenshots machen!
 

Kann eh nix passieren, oder!?!

Das Internet ist voll mit Beschimpfungen, Hass und Verurteilungen. Dann kann einem da ja auch nichts passieren, oder!?! So ist das allerdings nicht. Es gibt in Österreich mittlerweile viele Verurteilungen wegen Hasspostings mit Strafen bis zu mehreren tausend Euro. Verhetzung (§ 283 StGB), Verstoß gegen das Verbotsgesetz (hier wird im zweiten Teil des § 3g direkt auf Postings im Internet Bezug genommen), Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems (§ 107c StGB), Üble Nachrede (§ 111 StGB), Beileidigung (§ 115 StGB), Verleumdung (§ 297 StGB) oder auch Gefährliche Drohung (§ 107 StGB) sind nur eineinige Straftatbestände, die durch ein Hassposting erfüllt sein können.

Es gibt auch viele Meldestellen, an denen du Postings anonym melden kannst.
 
 
 
 
 

Wer hilft?

Wenn du selbst betroffen bist, können wir dir gemeinsam mit dem Internet Ombudsmann beim Löschen-Lassen von Inhalten helfen.
 
 
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