Im Hintergrund mehrere Stoptafeln. Darüber der Schriftzug Cybermobbing.
CC0 / Pixabay geralt (bearbeitet)

Was tun gegen Cyber-Mobbing?

Cyber-Mobbing ist kein Spaß, sondern klar strafbar. Lies nach, was du selbst tun kannst, wenn du betroffen bist bzw. wie du selbst andere unterstützen kannst.

Hat jemand schon mal über dich im Internet Lügen verbreitet oder peinliche Fotos bei einer Community reingestellt? Das Passwort von deinem E-Mail Postfach geknackt und in deinem Namen fiese Mails verschickt? Deine Mobilbox mit gemeinen Anrufen gefüllt oder mit der Handykamera die letzten Partyexzesse gefilmt und online gestellt? Egal ob du selbst betroffen bist oder anderen helfen willst: Hier findest du Tipps, wie du aktiv werden kannst.

 
 

Was ist Cyber-Mobbing?

Mit Cyber-Mobbing ist das absichtliche Beleidigen, Bloßstellen, Bedrohen oder Belästigen im Internet oder über das Handy, über einen längeren Zeitraum hinweg, gemeint.
Mit längerem Zeitraum kann einerseits gemeint sein, dass die Belästigung wirklich über mehrere Wochen oder Monate geht. Allerdings kann auch ein einmal in eine WhatsApp Gruppe gestelltes Foto, das dort für einen längeren Zeitraum bleibt, gemeint sein.

Beim Cyber-Mobbing wird Bloßstellendes in Sozialen Netzwerken oder Messengern (z. B. WhatsApp) geteiltt. Es wird beschimpft, beleidigt, bedroht und aus Spiele-Clans und WhatsApp Gruppen ausgeschlossen. Hass-Gruppen werden eröffnet, Fake-Profile erstellt und intime bzw. peinliche Fotos und Videos veröffentlicht.
 

Ergebnisse der Cyber-Mobbing Umfrage

Wir haben euch auch zum Thema Cyber-Mobbing befragt. Die Umfrage hat folgendes gezeigt:

26% waren selbst schon einmal betroffen.
5 % sind aktuell von Cyber-Mobbing betroffen.
52 % kennen jemanden, der betroffen ist.

Cyber-Mobbing äußerte sich bei den Betroffenen in:

  • Beschimpfungen
  • Sexuellen Belästigungen (z. B. im Chat)
  • Belästigungen in sozialen Netzwerken (z. B. unangenehme Fotos veröffentlicht, falsches Profil im Namen des Betroffenen angemeldet, ...)

 

19 % haben selbst schon einmal etwas Negatives über jemanden im Internet oder übers Handy verbreitet. Die Gründe dafür waren Wut/Ärger bzw. zurückmobben.


74 % wissen, dass Cyber-Mobbing strafbar sein kann, z. B. wenn Fotos veröffentlicht werden, die den anderen negativ darstellen oder wenn es unter das Anti-Stalking-Gesetz fällt.

 

Eigenheiten von Cyber-Mobbing

Mobbing im Offline Leben ist schon schlimm, wenn es auch noch im Internet oder über das Handy weiter geht, ist es für die Betroffenen oft noch heftiger.

Denn:

- Inhalte verbreiten sich rasch und vor einem großen Publikum und sind oft nicht mehr zu entfernen.
- Cyber-Mobbing endet nicht mit dem Verlassen der Schule und macht auch vor den eigenen vier Wänden nicht halt, es sei denn, man nutzt in seiner Freizeit kein Handy oder Internet.
- Personen die andere online mobben, tun dies oft (scheinbar) anonym oder aber auch manchmal unbeabsichtigt, weil sie nicht über die Folgen nachdenken.


    Foto (bearbeitet) Rainer Sturm / PIXELIO
Escape Taste.

Was kann ich dagegen tun?

Mobbing und Cyber-Mobbing im Internet kann strafbar sein!
Was kannst du tun, wenn du selbst von Cyber-Mobbing betroffen bist?

 

 

  • Antworte niemals auf Nachrichten, die dich belästigen oder ärgern. Ansonsten wird das Cyber-Mobbing meist nur noch schlimmer.
  • Bewahre die Nachrichten auf! Du musst die Nachrichten nicht lesen, sie sind aber ein guter Beweis dafür, dass du belästigt wurdest. Solche Beweise helfen dir, wenn du Unterstützung suchst oder die Belästigungen melden möchtest. Mache Screenshots von Fake Profilen oder Hass Gruppen.
  • Melde Probleme. Nimm Belästigung und anstößige Inhalte nicht einfach hin sondern informiere den Betreiber der Webseite. Vorfälle, die illegal sein könnten, solltest du melden.
  • Sperre den Absender. Du kannst in fast jedem sozialen Netzwerk unerwünschte Personen blockieren.
  • Wende dich an jemanden, dem du vertraust. Meistens ist es eine große Erleichterung, Probleme mit einer anderen Person zu teilen. AnsprechpartnerInnen können deine Eltern, FreundInnen, LehrerInnen, JugendbetreuerInnen oder Beratungsstellen sein.
     

§107c - Cyber-Mobbing als Straftat

Cyber-Mobbing ist kein Kavaliersdelikt. Bestärkt wird das auch durch ein eigenes Gesetz, den Paragraph 107c "Fortgesetzte Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems". Umgangssprachlich wird das Gesetz auch "Cyber-Mobbing Paragraph" genannt.

§107c im Originalwortlaut

§ 107c. (1) Wer im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines Computersystems in einer Weise, die geeignet ist, eine Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen, eine längere Zeit hindurch fortgesetzt

1. eine Person für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar an der Ehre verletzt

oder

2. Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereiches einer Person ohne deren Zustimmung eine für eine größere Zahl von Menschen wahrnehmbar macht,

ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.

(2) Hat die Tat den Selbstmord oder einen Selbstmordversuch der im Sinn des Abs. 1 verletzten Person zu Folge, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.
 

Was bedeutet das Gesetz?

Gesetze sind nicht einfach zu verstehen, wir versuchen für euch ein wenig zu übersetzen, was der Paragraph in der Praxis bedeutet.

Wird jemand z. B. über Mails, SMS, Anrufe oder auch WhatsApp Nachrichten über einen längeren Zeitraum belästigt, kann das strafbar sein. Auch wenn durch eine einmalige Handlung etwas Bloßstellendes über einen längeren Zeitraum im Internet verfügbar ist, kann das eine Straftat sein. Wird beispielsweise ein Nacktfoto in eine WhatsApp Gruppe mit 15 Personen geladen und ist dort für 1 Monat verfügbar, so kann das bereits strafbar sein. Man kann eine Person, die so etwas macht, dann anzeigen bzw. selbst angezeigt werden, wenn man selbst so ein Foto veröffentlicht.

Letztendlich wird vor Gericht entschieden, was zu einer Strafe führt. Um einschätzen zu können, was bereits strafbar ist, hilft es, wenn man in etwa weiß, was die Formulierungen im Gesetz bedeuten:

Im Gesetz sind Handlungen festgehalten, die im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines Computersystems geschehen, gemeint sind damit Handlungen über SMS, Mails, Anrufe oder Nachrichten über Messenger bzw. soziale Netzwerke wie z. B. WhatsApp.

Es geht um Handlungen, die geeignet sind, eine Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen. Mit dieser Formulierung wird festgehalten, dass eine Person durch das Cyber-Mobbing nicht unbedingt beeinträchtigt sein muss (also z. B. sich das Handy gar nicht mehr verwenden traut), es reicht vereinfacht gesagt aus, dass Handlungen passiert sind, von denen man annimmt, dass sie die Lebensführung  der betroffenen Person in unzumutbarer Art und Weise beeinträchtigen könnte.

Strafbar ist, wenn die Cyber-Mobbing Handlungen über längere Zeit hindurch erfolgen. Strafbar ist aber auch, wenn durch eine einzige Handlung etwas Bloßstellendes über einen längeren Zeitraum im Internet verfügbar ist. Beispielsweise eben, wie bereits beschrieben, ein Nacktfoto, das ohne Zustimmung der abgebildeten Person im Internet veröffentlicht wird.

Um eine größere Anzahl von Menschen handelt es sich in etwa ab 10 Personen und mehr.

Was ist mit Verletzung der Ehre gemeint? Cyber-Mobbing Handlungen können das Ansehen einer Person in ihrem sozialen Umfeld verringern, z. B. wenn bloßstellende Fotos von ihr veröffentlicht werden. Hier gilt allerdings nicht alleine das persönliche Empfinden des Betroffenen. Eine Verletzung der Ehre muss auch objektiv nachvollziehbar sein. Gerade Abbildungen in Zusammenhang mit Alkohol, Gewalt oder Nacktheit gelten beispielsweise als ehrverletzend.

Im Gesetz geht es auch um Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereiches. Unter den höchstpersönlichen Lebensbereich fallen unter anderem das Intim- und Sexualleben, religiöse Ansichten, Krankheiten oder auch der Wohnbereich einer Person.

Dass es jetzt ein eigenes Gesetz für Cyber-Mobbing gibt, zeigt, dass es eben nicht "normal" oder "okay" ist, sondern in vielen Fällen eine Straftat. Trotzdem ist eine Anzeige nicht immer die beste Lösung. Wir sind gerne für dich da, um mit dir einzuschätzen, ob eine Anzeige bereits möglich ist bzw. auch um weitere Alternativen zu besprechen.
 

Wir unterstützen dich!

Wir können mit dir jederzeit gemeinsam überlegen, was du in deinem speziellen Fall tun kannst. Wenn du Unterstützung bei Mobbing in Facebook benötigst, können wir dir durch unseren direkten Draht zu Facebook schnell und effizient weiter helfen.

 

Aber auch, wenn du selbst etwas gemacht hast, von dem du jetzt weißt, dass es nicht in Ordnung war, kannst du dich melden. Es gibt immer die Möglichkeit, sich zu verändern. Auch sich zu entschuldigen oder zu versuchen, das Geschehene wieder gut zu machen.

Hilf anderen

Wenn du mitbekommst, dass jemand schikaniert wird, mach nicht mit und schreite ein, am besten gemeinsam mit anderen. Wenn der Täter oder die Täterin merkt, dass das Opfer nicht allein gelassen wird, hören die Beleidigungen oft schnell auf. Im Notfall holt Hilfe bei Erwachsenen, denen ihr vertraut.

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