Grüner Stuhl vor weißem Tisch in Klassenzimmer
CC0 / Pixabay geralt & Taken (bearbeitet)

Schule - was ist erlaubt, was nicht?

Lies nach, was LehrerInnen dürfen und was zu weit geht bzw. welche Rechte du hast!
 

Viele LehrerInnen sind ohnehin top und versuchen das Optimum für euch herauszuholen. Es kann trotz alledem zu Situationen kommen, in denen es gut ist, zu wissen, welchen rechtlichen Rahmen es gibt.

 

Strafen - was ist erlaubt?

Im Schulunterrichtsgesetz ist klar geregelt, welche "Strafen" Lehrerinnen verteilen dürfen. Verboten sind jede Art von körperlicher Züchtigung, also Gewalt, Handgreiflichkeiten, weiters Beleidigungen und Strafen an der ganzen Klasse. Es darf also z.B. nicht die ganze Klasse bestraft werden, wenn "der Schuldige" nicht gefunden wurde.
Erlaubt sind nach Paragraf 47 Absatz 1 Schulunterrichtsgesetz angemessene "persönlichkeits- und gemeinschaftsbildende" Erziehungsmittel. Im Klartext heißt das, dass LehrerInnen Schüler ermutigen und loben dürfen und bei Fehlverhalten sind Zurechtweisung, das nachträgliche Erfüllen von versäumten Pflichten, Verwarnungen, Gespräche mit der Lehrkraft (eventuell auch mit deinen Eltern) möglich.

Bei besonders heftigen Fällen sind auch folgende Konsequenzen durch die Direktion möglich:

  • Versetzung in eine Parallelklasse
  • Wenn ein/e SchülerIn in massiver Form seine Pflichten an der Schule nicht erfüllt und sogar eine Gefahr für LehrerInnen und/oder SchülerInnen darstellt, kann auch eine Suspendierung von der Schule angeordnet werden.
    Allerdings muss dazu eine Konferenz innerhalb der Schulbehörde einberufen werden. Dort wird dann besprochen, wie vorgegangen werden soll und möglicherweise in der Folge dann ein Antrag auf Suspendierung an den Bezirksschulinspektor in der Bezirkshauptmannschaft gestellt. Als SchülerIn hat man vor der Entscheidung über die Suspendierung, das Recht auf Anhörung, um sein eigenes Verhalten rechtfertigen zu können. Die Suspendierung darf höchstens vier Wochen dauern.
  • Im schlimmsten Fall kann es zu einem endgültigen Ausschluss von der Schule kommen.

 

 

Wann kann man von der Schule "fliegen"?

Einfach ausgedrückt, kann ein/e SchülerIn dann von der Schule fliegen, wenn er/sie seine/ihre schulischen Pflichten in schwer wiegender Weise verletzt und alle möglichen Erziehungsmittel keine Veränderung bringen und der/die SchülerIn eine Gefährdung darstellt. Allerdings geht einem tatsächlichen Ausschluss ein Prozess voraus. Es muss ein offizieller Antrag gestellt werden, der/die SchülerIn muss sich rechtfertigen können, man hat die Möglichkeit Einspruch zu erheben, etc. Solltest du von einem Ausschluss bedroht sein, kannst du dir jederzeit Hilfe holen, z.B. bei den Kinder- und Jugendanwaltschaften in ganz Österreich.

 
 

Nachsitzen

Nachsitzen als Strafe ist nicht zulässig. Erlaubt ist das Nachsitzen, um versäumte Pflichten nachzuholen. Das wäre z.B. möglich, wenn du unentschuldigt im Unterricht gefehlt hast, dann kann dich die Lehrkraft nachsitzen lassen, damit du die verpassten Aufgaben, Übungen etc. nachholen kannst. In dieser Zeit muss der/die SchülerIn dann aber auch beaufsichtigt werden.
 

Leere Schulklasse.


Hausübungen

Lt. Schulunterrichtsgesetz müssen die Hausaufgaben ohne Hilfe erledigt werden können. Es darf also kein neuer Stoff als Hausübung erarbeitet werden. Zusätzlich sind die LehrerInnen verpflichtet, beim Ausmaß auch auf die Unterrichtsstunden am betreffenden Tag zu achten und auch auf die Hausübungen in den anderen Fächern. Für die Praxis bedeutet das, dass wenn ein/e LehrerIn wiederholt sehr viel Hausübung gibt, sodass sie wirklich kaum zu schaffen ist, dann ist es eine Möglichkeit, dass ihr euch als Klasse zusammen schließt und als erstes z.B. mit dem Klassenvorstand sprecht.

 

Hausübungen übers Wochenende erlaubt?

Hausübungen, die ausschließlich an Samstagen, Sonntagen oder Feiertagen bzw. während der Ferien erledigt werden müssten, dürfen nicht aufgegeben werden. Außer in lehrgangsmäßigen Berufsschulen, dort wäre das möglich.
Das bedeutet, dass eine Hausaufgabe, von Freitag auf Montag aufgegeben werden kann. Allerdings muss sie mit allen anderen gestellten Hausaufgaben, inklusive auch Vorbereitungszeiten für Schularbeiten und Tests, alleine am Freitag zu erledigen sein.

 

Selbst entschuldigen

Ab der 9. Schulstufe können sich SchülerInnen selbst für das Fehlen in der Schule entschuldigen. Allerdings müssen sich die Eltern davor schriftliche damit einverstanden erklären, dass sich ihr Kind ab sofort alleine entschuldigen darf.

 

Handy

Während des Unterrichts darfst du weder Telefonieren, noch SMS schreiben. Ob das Handy für den Unterricht verwendet werden darf (z.B. zum Notieren der Hausübung), entscheidet die jeweilige Schule bzw. eventuell auch die Lehrkraft.

In Puncto Handy Abnehmen gilt: LehrerInnen dürfen Gegenstände dann abnehmen, wenn sie die Sicherheit gefährden oder den Unterricht stören. Das bedeutet, dass der/die LehrerIn das Handy wegnehmen darf, wenn du damit störst, allerdings muss er/sie das Handy zu Unterrichtsende zurückgeben! Außer es wäre die Sicherheit gefährdet bzw. es besteht der Verdacht einer Straftat.

LehrerInnen dürfen auch keine SMS auf deinem Handy lesen, außer es besteht der Verdacht einer Straftat. Gibt es z.B. den Verdacht, dass du Gewaltvideos auf deinem Handy hast, darf die Lehrkraft dein Handy durchsehen.

 

Videos von LehrerInnen auf YouTube

Wenn es keine ausdrückliche Zustimmung der Lehrkraft für das Filmen gibt, darf eine Videoaufnahme vom Unterricht nicht veröffentlicht werden.
Egal ob das Video ganz "normalen" Unterricht zeigt oder eine Lehrkraft herabsetzend oder bloßstellend dargestellt wird. Also z.B. ein Wutanfall eines Lehrers. Auch ein "normales" Video mit beleidigendem Text, ist bloßstellend!

Wenn ihr etwas im Internet hochladen wollt, zum Beispiel zu Lernzwecken in einer geschlossenen Lerngruppe auf Facebook, dann sicherheitshalber immer vorher Lehrkraft und Direktion fragen.

 

Beurteilung einer Lehrkraft im www

Darf man LehrerInnen auf einschlägigen Seiten im Internet beurteilen? In Deutschland ist diese Frage bereits ausjudiziert, dort ist seither klar, dass LehrerInnen im Internet beurteilt werden dürfen. In Österreich kann dazu noch keine Aussage getroffen werden. Also wer auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet darauf!
Klar verboten sind Gruppen in sozialen Netzwerken, in denen über einzelne LehrerInnen hergezogen wird. Denn niemand darf im Netz bloßgestellt werden.

 

Recht auf Prüfung

Einmal pro Semester kann sich jede/r SchülerIn, in jedem Fach (außer Leibesübungen), auf seinen/ihren Wunsch, mündlich prüfen lassen! Das macht vor allem dann Sinn, wenn man sich z.B. in der Note verbessern möchte oder eine verpatzte Schularbeit ausbessern möchte. Die Anmeldung muss allerdings rechtzeitig erfolgen, damit die Prüfung auch noch realistisch gemacht werden kann. Die Äußerung des Wunsches etwa zwei Tage vor der Notenkonferenz ist sicher zu spät.

 

Schularbeit wann wiederholen, welche Note?

Wenn mehr als die Hälfte der SchülerInnen bei einer schriflichen Prüfung oder Schularbeit ein "Nicht Genügend" bekommen, muss die Prüfung wiederholt werden. Was viele nicht wissen: Die bessere Note muss dann als Leistungsfeststellung herangezogen werden!

 

Schularbeitsstoff, wann bekannt geben?

Der Stoff für eine schriftliche Prüfung oder Schularbeit muss spätestens eine Woche davor bekannt gegeben werden! LehrerInnen haben dann auch eine Woche Zeit, diese zurückzugeben. Nur bei z.B. Krankheit der Lehrkraft kann diese Frist um bis zu einer Woche verlängert werden.

 

Kleidung Schule

Lt. Gesetz müssen SchülerInnen "angemessene Kleidung" tragen. Die Direktion könnte z.B. T-Shirts mit gewalttätigen Darstellungen oder sexuell anstößige Kleidung prinzipiell untersagen. Es können diesbezüglich auch Regeln in der Schulordnung festgehalten werden.

 

Anordnung zum Drogentest

Immer wieder werden wir gefragt, ob in der Schule "Drogentests" angeordnet werden dürfen. Das ist dann möglich, wenn es einen dringenden Verdacht gibt. Also wenn z.B. unerlaubte Substanzen bei einem/einer SchülerIn gefunden werden oder das Verhalten einen Drogenkonsum nahe legt. Generelle Drogentests wären nicht gesetzmäßig!

 

"Nicht Genügend" durch Schummeln?

Wenn man beim Schummeln erwischt wird, darf der/die LehrerIn die Arbeit nicht mit "Nicht-Genügend" bewerten! Die Arbeit ist dann wie eine nicht erbrachte Arbeit zu werten, also so, wie wenn du gar keine Arbeit geschrieben hättest. Du musst die Schularbeit oder den schriftlichen Test nachholen.

 

Abmelden vom Religionsunterricht

Ab deinem 14. Geburtstag kannst du dich selbst vom Religionsunterricht abmelden. Du brauchst dann nicht mehr die schriftliche Einverständniserklärung deiner Eltern. In den meisten Fällen findet dann ein anderer Unterricht statt, z.B. Ethik.

Quelle: https://www.bmb.gv.at/schulen/recht/index.html

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