Konditor beim Backen, durchgestrichen.
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Eltern verbieten Lehre

Du möchtest eine Lehre machen, doch deine Eltern wollen lieber, dass du weiterhin in die Schule gehst und die Matura machst? In diesem Artikel findest du Tipps und Infos, die dich bei einem Gespräch mit deinen Eltern unterstützen können.
Eine richtig unangenehme Situation: man hat sich für einen Ausbildungsweg entschieden und die Eltern sind total dagegen. Diskussionen und Unzufriedenheit auf beiden Seiten sind dadurch vorprogrammiert. Warum Eltern gegen eine Lehrausbildung sind, kann völlig unterschiedliche Gründe haben. Manche Menschen haben die Meinung, dass eine Ausbildung besser ist als eine andere. Aber kann man das überhaut so generell sagen?

Ist Schule oder Lehre besser?

Generell kann man nicht sagen, dass der eine oder der andere Ausbildungsweg besser ist, man mit Matura fix mehr verdienen wird, als mit einer Lehrausbildung usw. Einige Berufe kann man sowohl nach der Matura als auch über eine Lehre erlernen. Es gibt Berufe, in denen mehr Leute gesucht werden und es somit mitunter einfacher ist, einen Job zu finden und solche, in denen es viele BewerberInnen für die freien Stellen gibt und es daher schwieriger ist, einen Job zu bekommen - und das meist unabhängig vom Ausbildungsweg. Auch bezüglich des Verdienstes kann man schwer verallgemeinern, mit welcher Ausbildung man mehr verdient.

Manchmal weiß man nach Abschluss der Pflichtschuljahre noch nicht, was man später machen mag. Mit einem Schulbesuch bis zur Matura hat man ein paar Jahre mehr Zeit, zu überlegen, worauf man sich danach spezialisieren mag. Es gibt auch immer die Möglichkeit, später als direkt nach dem Abschluss der Pflichtschule von der Schule in eine Lehre zu wechseln, die Matura nachzuholen oder eine Lehre mit Matura zu machen.

 

Bedenken deiner Eltern

Was aber, wenn die Eltern strikt gegen eine Lehre sind? Frag bei deinen Eltern nach, was genau ihre Bedenken sind. Ihre Seite zu kennen ist notwendig, um in einem Gespräch argumentieren zu können. So kannst du dich auch darauf vorbereiten, was du in einer Diskussion zu den einzelnen Punkten deiner Eltern sagen möchtest.

Wie entstehen solche Bedenken und was kann man tun?


Was für Eltern gegen eine Lehre spricht, kann sehr verschieden sein. Sind sie generell gegen eine Lehrausbildung, hat das oft mit Ängsten oder Vorurteilen zu tun. Solche Befürchtungen können z. B. sein, dass man mit einer Lehre später weniger verdient. Brauchst du dazu Infos, lässt sich mit dem Gehaltskompass berechnen, wie viel man in etwa in einem bestimmten Beruf verdient. Allerdings ist Geld lange nicht alles. Noch dazu kann man in vielen Berufen gar nicht genau sagen, wie viel man verdienen wird, weil es einen Unterschied macht, ob man selbständig arbeitet (z. B. einen eigenen Betrieb führt oder ein eigenes Geschäft hat) oder angestellt ist.
 
 
Ängste wie etwa, dass man mit einem Lehrberuf keinen Erfolg haben kann, man mit Matura bessere Jobchancen hat oder dass ein Lehrberuf zu wenig anerkannt ist, können Eltern dazu bringen, dass sie sich eine andere Ausbildung für ihre Kinder wünschen. Manche Eltern hätten selbst gerne eine bestimmte Ausbildung gemacht und dies war ihnen aus irgendwelchen Gründen nicht möglich. Es kann dann passieren, dass sie versuchen, ihre Kinder zu dieser Ausbildung zu überreden, die sie selbst nicht machen konnten. Du bist nicht dazu da, die unerfüllten Wünsche deiner Eltern stellvertretend für sie zu erfüllen. Sag ihnen ehrlich, was du machen möchtest und warum es dir wichtig ist, diese eine bestimmte Ausbildung zu machen.

Sind die Bedenken deiner Eltern neu, oder hattest du die auch schon?

Bei genauerem "Hinschauen" können es manche Bedenken durchaus wert sein, näher betrachtet zu werden. Manche beleuchten möglicherweise auch etwas, an das du bisher noch gar nicht gedacht hast. Andere lassen sich aufgrund deiner Recherchen vielleicht sofort zerstreuen.

  • Deine Eltern haben Bedenken, die du während deiner Überlegungen auch hattest: Während du für dich überlegt hast, welche Ausbildung du machen möchtest, sind dir verschiedene Bedenken durch den Kopf gegangen. Etwa warum genau dieser Beruf derjenige ist, in dem du tätig sein willst oder ob dich ein Bereich wirklich so sehr interessiert, dass du später in diesem arbeiten möchtest. Erzähle deinen Eltern, wie du diese Bedenken für dich zerstreut hast. Das kann dabei helfen, dass sie dich verstehen.
  • Deine Eltern haben Bedenken, die du auch jetzt noch hast: Überlegt gemeinsam, wie man überprüfen kann, ob diese Überlegungen der Wahrheit entsprechen. Recherchen im Internet können dabei helfen. Vielleicht gibt es jemanden in deiner Familie oder deinem Freundeskreis, der auch eine Lehrausbildung gemacht hat bzw. gerade dabei ist und den man fragen kann, ob diese Bedenken tatsächlich gerechtfertigt sind. Vielleicht möchtest du auch in einem Betrieb deiner Wahl schnuppern, um herauszufinden, ob dieser Bereich für dich passend ist.
  • Die Bedenken deiner Eltern sind dir neu: Du hast dich für eine Ausbildung entschieden und durch das Gespräch mit deinen Eltern sind neue Bedenken aufgekommen. Das kann verunsichern und Überlegungen auslösen, etwa ob man die richtige Entscheidung getroffen hat etc. Überlege, ob du ihre Bedenken teilst oder sie für dich nicht wichtig sind. Bedenke, dass das, was deine Eltern für richtig halten, nicht auch zwingend das sein muss, was du für richtig hältst.


Wenn du dir wirklich sicher bist, dass du eine bestimmte Ausbildung machen magst, dann trau dich, für deinen Traum zu kämpfen. Schließlich bist du die-/derjenige, die/der schlussendlich als einzige Person in dich hineinhören kann und somit spürt, was das ist, was du wirklich willst. Manchmal warten Eltern auch ein wenig ab, ob ein Ausbildungswunsch vergeht oder bleibt. In solchen Fällen kann es Eltern überzeugen, wenn sie merken, dass du hinter deiner Entscheidung stehst und bei deinem Wunsch bleibst. Gib nicht auf und komme immer wieder mit Argumenten - sag und zeig ganz klar, wie wichtig dir deine Entscheidung ist!
 

Vor dem Gespräch

Eine wichtige Grundlage für das Gespräch mit deinen Eltern ist, dass du für dich überlegt hast, welche Ausbildung du machen magst und warum du dich genau für diese Ausbildung interessierst.

 

 

Das Gespräch

Wenn eine Lehre in deinem Wunschbereich das ist, was du wirklich willst, dann erkläre das deinen Eltern so authentisch wie möglich. Wenn du deine Überlegungen und Gefühle mit deinen Eltern teilst, sehen sie, dass du dir Gedanken über die Entscheidung gemacht hast. Manchmal spürt man einfach, dass der gewählte Bereich der richtige für einen ist und man genau dorthin will, weil man an diesen Tätigkeiten Spaß hat. Mach deinen Eltern klar, dass es genau das ist, was du möchtest und warum dir das so wichtig ist.

Überlege dir vorab Eigenschaften des Berufes, die dir besonders gefallen oder welche deiner Fähigkeiten genau zu diesem Beruf passt. Wenn du dich beispielsweise für eine Lehre zum/zur KonditorIn interessierst und etwa immer schon die/derjenige in der Familie warst, die/der Torten bäckt und verziert, neue Ideen für Nachspeisen kreiert usw. Das kann helfen, deine Eltern auf deine Seite zu holen.

 

Konkrete Überlegungen und Tipps für das Gespräch


  • Überlege dir, ob du gleich mit beiden Eltern zusammen oder zuerst einmal mit einem Elternteil alleine reden magst.
  • Entscheide, ob du ein Gespräch führen magst oder du eher der Typ bist aufzuschreiben, was dich beschäftigt und das dann via Brief/E-Mail/WhatsApp übermittelst.
  • Überlege dir einen ruhigen Zeitpunkt, an dem du das Thema ansprechen magst. Du kannst deinen Eltern auch sagen, dass du gern mit ihnen in Ruhe sprechen magst und sie bitten, dir zu sagen, wann es ihnen gut passt.
  • Schreibe dir Zettel mit Stichworten auf. In stressigen Momenten vergisst man leicht einmal etwas, das einem wichtig wäre zu sagen.
  • Nimm dir, wenn du magst eine Vertrauensperson mit, die dich bei dem Gespräch mit deinen Eltern unterstützen kann.
  • Bleib unbedingt ruhig, selbst wenn deine Eltern "ausflippen". Du kannst das Gespräch auch unterbrechen, wenn es völlig aus dem Ruder läuft, z. B. indem du sagst, dass du das Gefühl hast, dass ein Gespräch so nicht möglich ist.
 

Wenn alle Gespräche nichts nützen

Wenn du unter 18 Jahre alt bist, müssen deine gesetzlichen Vertreter (das sind meist die Eltern) den Lehrvertrag unterzeichnen. Es kann passieren, dass alle Gespräche nichts nützen und sich die Eltern weigern, den Lehrvertrag zu unterschreiben. Ist wirklich keine Einigung möglich, kannst du dich an das zuständige Bezirksgericht für deinen Wohnort wenden. Du musst dort einen Antrag stellen. Das Gericht trifft dann eine Entscheidung und kann mit dieser Entscheidung die Unterschrift deiner Eltern ersetzen, wenn dies deinem Wohl entspricht. Hol dir in solchen Fällen Unterstützung und melde dich bei uns. Gemeinsam finden wir heraus, wer dich beim Stellen so eines Antrages bei Gericht unterstützen kann (z. B. eine Vertrauensperson aus dem Umfeld oder SozialarbeiterInnen vom Jugendamt).
 
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