Silhouetten einer Gruppe vor einem Backsteingebäude.
CC0 / Pixabay PeteLinforth (bearbeitet)

Probleme in der Lehre

Die Umstellung auf die Arbeitswelt nach der Schule ist eine große. Wie du mit Schwierigkeiten umgehen kannst, erfährst du hier.
Generell ist vieles anders, wenn man zu arbeiten beginnt. Im Gegensatz zur Schule wird man in der praktischen Lehrausbildung und auch später im Beruf finanziell entlohnt, weshalb sich die Verantwortung für sein Tun anders anfühlen kann. Außerdem hat man je nach Lehrberuf auch Kontakt mit KundInnen, was ebenso einen Unterschied zur bisherigen Schulausbildung darstellt. Zudem arbeitet man mit Menschen aus ganz verschiedenen Erfahrungs- und Altersbereichen zusammen.  Durch alle diese Unterschiede, kann es einige Zeit brauchen, um sich an all das Neue zu gewöhnen.

Problemfelder

Genauso wie in der Schule oder in anderen Gruppen von Menschen, gibt es auch im Berufsleben Personen, mit denen man besser bzw. solche mit denen man weniger gut klarkommt oder Situationen, die echte Herausforderungen darstellen. Wir haben einige mögliche Problemfelder genauer unter die Lupe genommen.

Neue Verantwortung - andere Konsequenzen

Natürlich hat man auch in der Schule eine Verantwortung inne und es gibt Konsequenzen, z. B. wenn man unentschuldigt fehlt, andere ärgert oder eine Wiederholung der Klasse ansteht, weil man Schwierigkeiten in verschiedenen Fächern hat. Dennoch sind die Verantwortung und die Konsequenzen in der Arbeitswelt und auch durch das Angestelltenverhältnis andere. Es kann als Konsequenz die Auflösung des Lehrverhältnisses drohen, was bedeutet, dass man die Lehrlingsentschädigung verliert und sich um einen neuen Lehrplatz bemühen muss.
Außerdem übernimmt man im Betrieb durch seine Arbeit nicht nur Verantwortung für sich selbst (wie meistens in der Schule) sondern beispielsweise auch für KundInnen. Wenn man etwa als Friseurlehrling KundInnen die Haare schneidet, kann natürlich auch mal etwas schief gehen, z. B. die Farbe oder Frisur ganz anders aussehen als gewünscht. Dann geht es nicht nur darum, wie man für sich selbst mit dieser Situation umgeht, sondern auch, wie man den/die KundIn besänftigt bzw. mit dem/der AusbilderIn spricht.
 


Jedem/r passieren mal Fehler und für jedem/r sind der Umstieg und die andere Verantwortung neu. Hol' dir Tipps bei deinen KollegInnen aus der Berufsschule oder sprich mit anderen Vertrauenspersonen. Sich auszusprechen und zu merken, dass es anderen genauso geht bzw. zu Beginn ihrer Ausbildung ging, kann schon in einem ersten Schritt weiterhelfen. Vor allem können sie dir auch erzählen, was ihnen geholfen hat.
 

 

Generelle Überforderung

Der Umstieg von Schule auf Lehre kann ganz schön heftig sein. Schließlich gilt es jetzt Arbeit und Berufsschule zu bewältigen. Das kann durchaus weniger Freizeit als früher bedeuten. Die Ferien fallen weg und je nach Beruf kann es auch sein, dass du mal am Wochenende arbeiten musst und nicht mehr jede Woche zwei Tage am Stück frei hast. Es ist ganz normal, dass diese Umstellung schwierig ist. Gib' dir selbst Zeit, dich daran zu gewöhnen. Wichtig ist, dass du auf dich besonders schaust. Überlege, wie du dich in deiner Freizeit am besten entspannen kannst, um wieder Energie zu tanken.

Klima im Betrieb

Beginnt man die Lehre in einem Betrieb, ist es meist schon so, dass sich die Leute dort untereinander kennen, weil sie schon länger zusammenarbeiten. In vielen Firmen gibt es ein bestimmtes "Klima", also eine gewisse Umgangsart miteinander, mitunter auch mit Scherzen. Es kann passieren, dass dieser Umgang untereinander nach außen vielleicht ärger wirkt als er intern gemeint ist. Anfangs muss man daher erst mal diese Klima kennen- und verstehen lernen. Das bedeutet, herauszufinden, welche Aussagen z. B. "spaßig" gemeint sind und welche nicht. Das kann natürlich auch verunsichern, bzw. muss man sich erst herantasten, wie man reagieren mag. Hierbei kann helfen, mit seinem/seiner AusbilderIn zu sprechen oder eine/n KollegIn, mit dem/der man schon einen Draht hat, zu fragen, wie gewisse KollegInnen so drauf sind.


Hör darauf, wie es dir geht und sag klar, wo eine Grenze ist und du z. B. keinen Spaß mehr verstehst. Oft kann es auch helfen, auf Späße selbst mit Humor zu reagieren. So zeigst du einerseits, dass du jemand bist, der/die sich kontern traut und zusätzlich auch Spaß versteht.
 

Jüngste/r im Betrieb

Als eine der jüngsten Personen mit weniger Berufserfahrung als die anderen KollegInnen in einem Team zu arbeiten, ist manchmal nicht so einfach. Man ist anfangs vielleicht unsicherer und hat mehr Fragen, als wenn man schon viele Jahre Arbeitserfahrung hat. Natürlich es kann auch vorkommen, dass einem gerade anfangs ein Fehler passiert. Schließlich ist man ja eingestellt, um etwas zu lernen und das ist im Normalfall auch den Ausbildungsstellen klar.
Es kann sein, dass man diese "Nesthäkchenposition" von den anderen KollegInnen zu spüren bekommt. Aber genauso, wie die anfangs fehlende Routine Herausforderungen mit sich bringt, ermöglicht sie auch etwas. Du bringst "frischen Wind" in den Betrieb und siehst Vorgänge mit objektiveren Augen. Wenn dies in deinem Betrieb gewünscht ist, kannst du so auch zu Veränderungen und Verbesserungen beitragen.
 


Tausche dich mit anderen MitschülerInnen in deiner Berufsschule aus, wie es ihnen dabei geht oder wie sie damit umgehen. In der Berufsschule hast du als Ressource Leute um dich, die in vielen Punkten ähnliche Erfahrungen machen wie du und mit denen du eine gemeinsame Ausgangssituation hast. Gespräche mit "Gleichgesinnten" helfen, gemeinsam kann man Strategien erarbeiten und sich unterstützen. Ihr könnt euch auch gern bei uns melden und wir überlegen gemeinsam, was hilfreich sein könnte.
 

Mobbing

Jede "Spaßkultur" hat auch ihre Grenzen. Wird jemand bloßgestellt, ausgegrenzt, beschimpft, heruntergemacht etc., dann besteht Handlungsbedarf. Mobbing findet per Definition dann statt, wenn diese Ausgrenzungen bzw. Beschimpfungen längerfristig stattfinden, Mobbing ist verboten und strafbar.


Bist du von Mobbing betroffen oder gibt es jemandem in deinem Betrieb oder deiner Berufsschule, der/die betroffen ist? Dann ist Unterstützung sehr wichtig. Bleib damit nicht allein, informiere Vertrauenspersonen und bitte z. B. deine/n AusbilderIn um ein Gespräch. Du kannst dir zu diesem Gespräch auch jemand Vertrauten mitnehmen, wenn du dich damit wohler fühlst. Beim Erzählen kann auch ein Protokoll helfen, dass du dir aufgeschrieben hast. Notiere darauf so genau wie möglich, wann was gesagt/getan wurde. Betriebe bzw. Vorgesetzte sind verpflichtet, etwas gegen das Mobbing zu unternehmen!
 

Sexuelle Belästigung

In der Beratung bekommen wir immer wieder mit, dass unangenehme und sexuell anzügliche Blicke, Äußerungen etc. auch in Lehrbetrieben vorkommen können. Fühlst du dich in der Nähe einer/s Kollegen/in total unwohl, hält er/sie sich unangenehm oft in deiner Nähe auf oder sagt er/sie anzügliche Kommentare z. B. zu deiner Kleidung? Hör auf dein Bauchgefühl und hol dir Unterstützung. Dass was dir dein Gefühl hier sagt, ist richtig. Lass dich nicht beirren. Mädchen aber genauso Burschen können davon betroffen sein.


Es ist ganz klar, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nichts verloren hat, strafbar ist und du das nicht aushalten musst. Oft ist es schon hilfreich, dass du von Beginn an klar zeigst, dass du dir das nicht gefallen lassen wirst. Wenn z. B. jemand so in der Türe steht, dass man sich nur vorbeidrängen kann, indem man sich berührt, dann sage klar: "Treten Sie bitte zur Seite". Durch solche Aussagen zeigst du klar die Grenzen und kannst dir Freiraum verschaffen.

Sprich mit Vertrauenspersonen in der Firma oder mit deinem/r AusbilderIn und bitte um Unterstützung. Wenn Leute informiert sind und die Situation im Auge behalten, kann das ein erster Schritt sein. Halte dich in Pausen bei Vertrauenspersonen auf. Manchmal kann es auch eine Möglichkeit sein, um einen Arbeitsplatz zu bitten, der weit entfernt von dem/der unangenehmen KollegIn ist, oder die Lehre in einer anderen Filiale deines Betriebes fortzusetzen.

Du kannst auch deine Eltern bitten, dich bei einem Gespräch mit der/dem AusbilderIn zu begleiten oder den Betriebsrat/die Betriebsrätin der Firma informieren, wenn du keine Ruhe bekommst. Es ist ganz klar, dass die sexuelle Belästigung beendet werden muss! Wir sind jederzeit für dich da, um mit dir zu überlegen, was du in deiner speziellen Situation am besten tun kannst.
 

Arbeitstätigkeit

Im Berufsprofil bzw. Berufsbild deines Lehrberufes ist ganz genau festgehalten, welche Kenntnisse du während deiner Lehrausbildung erlernen sollst. Im Berufsbild findest du sogar genau aufgeschlüsselt, in welchem Lehrjahr welche Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt werden sollen.
Du hast das Recht auf eine ordentliche Ausbildung. Das bedeutet, dass du Gelegenheit haben musst, sowohl in der Berufsschule als auch im Lehrbetrieb das zu erlernen, was du später in deinem Job brauchst. Wenn dir auffällt, dass du immer wieder Tätigkeiten machen musst, die nichts mit deinem Berufsprofil zu tun haben oder du laut Berufsbild etwas schon können solltest, es aber noch gar nicht gelernt hast, ist es wichtig, aktiv zu werden. Bitte die Person, die für deine Ausbildung verantwortlich ist, um ein Gespräch.


Tipps für ein Gespräch


  • Vorbereitung: Schau dir das Berufsprofil bzw. das Berufsbild an, drucke es dir eventuell auch aus, um Notizen darauf zu machen und es zu dem Gespräch mitzunehmen. Überlege dir, welche Tätigkeiten du gern erlernen würdest oder was du laut Berufsbild schon können solltest.
  • Sage der Person, die für deine Ausbildung zuständig ist, dass du gern mit ihm/ihr sprechen würdest und frage, wann er/sie Zeit dafür hätte.
  • Versuche in diesem Gespräch ruhig zu bleiben, auch wenn du dich ärgerst. Mit Ruhe und Klarheit erreichst du meist mehr, als wenn du Vorwürfe machst und deiner Wut in dem Gespräch Platz gibst.
  • Sage klar, was du gern tun würdest bzw. was für dich wichtig wäre zu erlernen. Du kannst auch Kompromisse vorschlagen.
  • Melde dich gern vorab bei uns, gemeinsam können wir besprechen, wie du das Gespräch gestalten kannst.
     
 
 
 
 

Wo kannst du dir Unterstützung holen?

Viele Firmen haben einen Betriebsrat/eine Betriebsrätin. Diese/r ist dafür zuständig, die Interessen der ArbeitnehmerInnen im Betrieb zu vertreten. Je nach Betriebsgröße werden eine oder mehrere Personen zum Betriebsrat/zur Betriebsrätin gewählt. An diese Person(en) kannst du dich wenden und ihn/sie um Unterstützung bitten.

Die Initiative "Lehre statt Leere" bietet österreichweit kostenlos Beratung an. Wenn du Probleme rund um deine Lehrausbildung hast (egal ob in der Berufsschule, im Lehrbetrieb oder privat), kannst du dir ein Erstgespräch bei einem Coach ausmachen. Gemeinsam besprecht ihr dann, ob du weiterhin zu ihm/ihr kommst oder ob ein anderes Angebot passender wäre. Das Angebot nützt du vertraulich, es werden also keine Informationen ohne deine Einverständnis nach Außen weitergegeben. Ebenso erfährt dein/e AusbilderIn nichts davon, dass du das Coaching nützt.

Die Arbeiterkammer bietet ebenso Lehrlingsberatung an, frage bei der Arbeiterkammer deines Bundeslandes nach, welche Person dafür zuständig ist.
 
Auch 147 Rat auf Draht steht dir zur Seite. Wir sind da für dich, melde dich telefonisch oder über die Online bzw. Chatberatung bei uns.
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