Mann trinkt von einer Flasche Bier.
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Alkoholabhängigkeit – betroffenes Umfeld

Alkoholismus in der Familie hat Auswirkungen auf die Kinder. Sie brauchen in betroffenen Familien besonderen Schutz.
Alkoholismus betrifft das gesamte Umfeld, nicht nur die Erkrankten selbst. In Familien mit alkoholkranken Angehörigen verändert sich die gesamte Familiendynamik. Jedes einzelne Mitglied entwickelt eigene Strategien, um mit den veränderten Gegebenheiten umzugehen. Es ist eine unglaubliche Herausforderung in jeder Familie.

Der Umgang mit Alkohol wird zunächst häufig bagatellisiert. Groß sind Schuld- und Schamgefühle, obwohl es sich bei der Alkoholsucht, um eine klar definierte Krankheit handelt. Angehörige bleiben mit ihren Problemen oftmals mit sich alleine.

Es gibt einen Weg aus der Alkoholabhängigkeit mithilfe von professioneller Unterstützung. Allerdings erst dann, wenn Betroffene selbst ihr Verhalten ändern wollen. Gerade die Zeit bis dahin ist für Angehörige sehr belastend und herausfordernd. Nach bestem Wissen und Gewissen versuchen sie den Betroffenen zu helfen. Doch nicht alles, was vermeintlich schützt, ist auch tatsächlich hilfreich. Verschiedenste Verhaltensweisen können eine Suchterkrankung stützen bzw. Angehörige auch selbst gefährden.

Vermeiden Sie es, das Verhalten des Alkoholkranken zu vertuschen und entschuldigen Sie ihn nicht in Schule/Arbeit oder Familienkreis. Wenn die Alkoholabhängigkeit keine negativen Konsequenzen hat, sehen Betroffene keinen Grund, etwas zu verändern. Kündigen Sie ausschließlich Konsequenzen an, die Sie dann auch tatsächlich durchziehen. Denn leere Drohungen sind kontraproduktiv.

Machen Sie deutlich, dass Sie die Person weiterhin lieben, die Krankheit allerdings ablehnen. Sie sind da, wenn sich die Person Hilfe holen möchte, aber nicht, wenn sie betrunken ist. Sagen Sie ehrlich, wie sehr sie unter der Situation leiden. Allerdings dann, wenn die Person nüchtern ist.

Verzichten Sie auf Kontrolle und Vorwürfe, sie können das Verhalten zusätzlich verstärken.

Grenzen Sie sich ab und achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und auch auf die der nicht erkrankten Familienmitglieder. Vernachlässigen Sie nicht ihre Freunde und trauen Sie sich über die Alkoholkrankheit zu sprechen. Das ist keinesfalls einfach, aber wichtig, um sich selbst zu stärken und zu schützen.

Holen Sie sich, so früh als möglich, Unterstützung! Es gibt spezielle Beratungsangebote für Angehörige von alkoholabhängigen Personen. Diese können jederzeit in Anspruch genommen werden, auch dann, wenn der Betroffene noch nicht bereit ist, selbst Hilfe anzunehmen.
Gerade im Bereich der Angehörigenberatung können Gruppenangebote besonders hilfreich sein, da Schuld und Scham abgebaut werden können und die Chance besteht, sich gegenseitig zu stützen.

Kinder und Jugendliche brauchen besonderen Schutz!

Alkoholabhängigkeit in der Familie birgt im Besonderen auch Risiken für die Kinder. Viele suchen die Schuld bei sich und fühlen sich verantwortlich für die Erkrankung des Familienmitgliedes. Kinder sind oft gezwungen, sich sehr früh um sich und auch die Familie zu kümmern. Nicht selten geraten Sie auch in der Gruppe der Gleichaltrigen in eine Außenseiterposition, weil sie sich beispielsweise nicht trauen, Freunde mit nach Hause zu nehmen bzw. den kranken Elternteil alleine zu lassen.

Für Kinder sind folgende Botschaften besonders wichtig:

Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit! Du bist nicht schuld. Du kannst deine Mama/deinen Papa nicht heilen, dazu muss er/sie sich selbst entscheiden. Aber, du kannst und darfst etwas tun, damit es dir besser geht.

Kinder und Jugendliche brauchen professionelle Unterstützung. Sie müssen über Ihre Situation sprechen dürfen! Immer mehr Beratungsstellen bieten Gruppen für ihre speziellen Bedürfnisse an.
Angebote für Angehörige finden Sie beispielsweise unter

https://suchthilfekompass.goeg.at/presentation
https://www.familienberatung.gv.at/beratungsstellen/
http://www.psyonline.at
https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/Selbsthilfegruppen.html
https://www.gesundheit.gv.at/Portal.Node/ghp/public/content/kids-teens-adressen-suchtkoordination-suchtpraevention.html

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