Mädchen telefoniert besorgt.
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Beratung für Ihren Nachwuchs

Professionelle Beratungsangebote stehen nicht nur Erwachsenen zur Verfügung, sondern auch Kindern und Jugendlichen. In manchen Situationen ist es sinnvoll, sich Unterstützung von Aussen zu suchen.
 

Der Gedanke, dass sich die eigenen Kinder an eine fremde Beratungseinrichtung wenden, kann Eltern verunsichern und Sorgen bereiten. Fragen, ob das eigene Kind einem nicht genug vertraut, man etwas falsch gemacht oder übersehen hat, können auftauchen. Um solchen Ängsten vorzubeugen, wollen wir uns mit dem Thema auseinander setzen.

 

Beratung kennt eigentlich jeder

In eine Beratung zu gehen, klingt etwas fremdartig, aber eigentlich ist das "sich einen Rat holen" eine alltägliche Handlung, die auch eine große zwischenmenschliche Bedeutung hat. Bereits kleine Kinder nutzen die Ideen von Freunden und tauschen sich untereinander aus oder fragen ihre Eltern um Rat.

 

Je älter die Kinder werden, desto mehr Menschen können sie um Rat fragen, weil sie sich von ihrer Herkunftsfamilie zu lösen beginnen und ihr eigenes soziales Netzwerk mit Freunden und Bezugspersonen außerhalb der Familie aufbauen. Dennoch bleiben die Eltern aber selbst im Jugendalter ein wichtiger Ansprechpartner.

 

Beratung speziell für Jugendliche

Beratung ist in den letzten Jahren immer mehr in Mode gekommen und auch Jugendliche werden zunehmend als eigene, spezielle Zielgruppe für Beratungseinrichtungen erkannt. Die Beratungsformen, die angeboten werden, sind vielfältig und reichen vom persönlichen Aufsuchen einer Beratungsstelle über Telefonberatung bis hin zur Onlineberatung.

 

Jugendliche suchen aber im Vergleich zu anderen Altersgruppen viel seltener etablierte Beratungseinrichtungen auf. Die Gründe dafür sind zahlreich: Schwellenangst, Unsicherheit oder mangelndes Vertrauen.
Überdies befinden sich die Jugendlichen gerade in einer Phase der Ablösung und müssen sich im Fall von Beratung wieder einer Abhängigkeit aussetzen, was entgegen ihrer Selbstständigkeitsstrebungen ist.

Darüber hinaus sind viele Einrichtungen nicht kostenfrei oder nicht in erreichbarer Nähe der Jugendlichen.

 

Das Jugendalter

Die Jugendphase ist generell ein Lebensabschnitt, dem in der Psychologie ein hoher Orientierungs- und Informationsbedarf zugeschrieben wird, da viele Veränderungen innerhalb kurzer Zeit auf die Jugendlichen einwirken.

 

Die Themen, zu denen Jugendliche nach Beratung suchen, sind vielfältig: Schule, Familie, Freunde, Freizeit, Beruf, etc. Hier überall kann es zu Überforderung, Verunsicherung oder Konflikten kommen. Bedeutet dies nun, dass eigentlich alle Jugendlichen Beratung brauchen würden? Nein, die meisten Jugendlichen bewältigen die Pubertät mit Hilfe ihres gewohnten Umfeldes.

 

Wann brauchen Jugendliche Beratung?

Wenn bestimmte Probleme aber über längere Zeit bestehen und die Jugendlichen ein starkes Bedürfnis haben, die unbefriedigende Situation zu klären, alleine nicht weiterkommen und auch das Umfeld nicht helfen kann, wäre es sinnvoll, sich um fachliche Hilfe umzusehen.

 

Schließlich kann sich der Jugendliche auch trotz eines funktionierenden, sozialen Umfeldes an eine Beratungseinrichtung wenden. Denn manche Themen (speziell im Zusammenhang mit der sexuellen Entwicklung) können leichter mit fremden Personen besprochen werden, bzw. müssen negative Reaktionen oder Konsequenzen dann weniger gefürchtet werden.

 

Rahmenbedingungen der Beratung

Jetzt wenden wir uns der Frage zu, was genau in einer Beratung passiert, damit Sie eine konkretere Vorstellung davon bekommen. Die genaue Vorgehensweise eines Beraters ist natürlich von dessen Ausbildung, den Problemen des Jugendlichen und von der Beratungsform (ob per Telefon, Internet oder persönlichem Kontakt) abhängig.

 

Generell ist es das Anliegen einer Beratung, dem Jugendlichen Kompetenzen zu vermitteln, damit er seine gegenwärtigen Probleme lösen kann und in Zukunft mehr Ressourcen bei der Problembewältigung zur Verfügung hat. Ziel einer Beratung ist es also, Lernprozesse zu starten.

 

Professionelle Beratung geschieht immer in einem bestimmten Rahmen, mit einer speziellen Institution im Hintergrund und anhand von methodischen Konzepten, die jeder Berater gelernt hat.

 

Beratung Schritt für Schritt

Der erste Schritt wird vom Jugendlichen getan, der sich ganz bewusst an eine Beratungseinrichtung wendet. Zunächst stehen der Aufbau einer guten Beziehung und eine genaue Darstellung der Probleme im Vordergrund.

 

In der zweiten Phase versucht der Berater dem Jugendlichen zu einer neuen Sicht seiner Probleme zu verhelfen und sie zu ordnen. Sobald die Probleme aufgearbeitet worden sind, kann mit der Erarbeitung neuer Strategien begonnen werden, um die Veränderung auch aktiv umsetzen zu können. Gelingt dies dem Jugendlichen ohne Hilfe des Beraters, kann die Verabschiedung beginnen.

 

Wie lange die Beratung schließlich dauert, hängt vom Jugendlichen und seiner Problemlage ab.

 

Kinder bestärken

Falls Sie mitbekommen, dass ihr Kind eine Beratungsstelle kontaktiert, dann versuchen Sie, das Thema anzusprechen und Unterstützung anzubieten. Es ist einfach ein Zeichen dafür, dass Ihr Kind irgendwo "der Schuh drückt".

 

Viele Jugendliche verheimlichen die Beratung aus Scham und können es sehr entlastend empfinden, wenn die Eltern ruhig und mit Verständnis darauf reagieren. Sich Gedanken darüber zu machen, weshalb Ihr Kind sich beraten lässt, ist ganz normal.

 

Beratung als zusätzliche Unterstützung

Versuchen Sie, sich keine allzu großen Sorgen zu machen, ob etwas Wichtiges an Ihnen vorbeigeht. Sollte es auch für Sie als Elternteil relevant sein, wird der Jugendliche es erzählen. Den genauen Zeitpunkt sollte aber er bestimmen dürfen. Ansonsten sehen Sie es, wie es ist: Ihr Kind hat neben Ihnen eine weitere Vertrauensperson. Solange sich Ihr Kind in der Beratung wohl fühlt und es eine gute Beziehung zum Berater hat, ist das für Ihr Kind etwas Gutes.

 

Sehen Sie die Einrichtung als einen weiteren Partner, der ihrem Kind helfen möchte. Versuchen Sie, es wert zu schätzen, dass es Ihr Kind schafft, bei Problemen selbst tätig zu werden und Hilfe zu organisieren. Das bedeutet nämlich, dass ihr Kind Verantwortung für sich selbst übernehmen kann und aktiv wird.

 

Keine Scham

Versuchen Sie, bei eventuellen Vorwürfen an sich selbst, realistisch zu bleiben und seien Sie auch nicht zu streng mit sich. Es geht bei den Kids nicht immer um die Eltern und deren Fehler. Außerdem: Fehler passieren - auch in der Kindererziehung und das wissen selbst die Kinder.

 

Sollte das Gesprächsklima in Ihrer Familie sehr schlecht sein, wäre das vielleicht ein guter Zeitpunkt, um gemeinsam daran zu arbeiten - und dabei kann eine professionelle Beratungseinrichtung hilfreich sein.

 
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