Junge mit Sonnenbrille. In der Sonnenbrille spiegelt sich das Facebook Profil.
Paul Walsh (bearb.) unter cc Lizenz

Kinder in Facebook

Mama/Papa ich will auch ein Facebook Profil!!! Erlauben oder verbieten? Wie Ihr Nachwuchs Facebook sicher nützen kann, erfahren Sie hier!
 

Erlauben oder verbieten lautet die Frage, die sich viele Eltern stellen. Studien zeigen, dass das Einstiegsalter in soziale Netzwerke immer niedriger wird. Mittlerweile bewegen sich etwa 24 % der 10 Jährigen in sozialen Netzwerken, bei den 11-12 Jährigen ist es bereits die Hälfte und bei den 13-14 Jährigen sind es 72 %. Facebook ist für Kinder und Jugendliche eine Form, sich miteinander zu unterhalten und das vorwiegend mit Personen, die sie auch aus dem realen Leben kennen.

 

Wie soll man als Elternteil damit umgehen? Das Gefühl keine Kontrolle zu haben, macht vielen Angst. Oft fehlt auch der eigene Zugang und das Verständnis. "Redet lieber richtig miteinander" - Ein Satz, den Kinder und Jugendliche häufig hören. Ratschläge werden nur dann angenommen, wenn Kinder das Gefühl haben, dass man sich damit wirklich auskennt. Wenn Sie merken, dass etwas generell abgelehnt wird, was von vielen genützt wird, dann werden Erwachsene nicht nur nicht ernst genommen, sondern fallen auch als Ansprechperson bei Problemen weg.

 

Facebook gehört dazu

Facebook gehört zu unserer Welt mittlerweile dazu, egal ob man es mag oder nicht. Wichtig ist, den Kindern einen möglichst risikoarmen Umgang damit zu lernen. Denn genauso wie mit Schokolade verhält es sich auch mit Facebook. Es ist nicht generell schlecht, man muss nur wissen, wie man vernünftig damit umgeht:

 

Zeigen Sie Interesse

Schauen Sie sich Facebook selbst an, um zu verstehen, was Ihr Kind daran fasziniert. Wichtig ist auch, dass Sie sich mit der sicheren Nutzung von Facebook auseinandersetzen. Oft ist der Nachwuchs besser informiert, wie wir Erwachsenen. Lassen Sie sich zeigen, wie Facebook funktioniert.

 
 

Klären Sie auf!

Informieren Sie Ihr Kind über Risiken und zeigen Sie Lösungsmöglichkeiten auf. Orientieren Sie sich dabei an allgemeinen Empfehlungen.

 
 

Privatsphäre schützen!

Alles was einmal in Facebook ist, kann man nicht mehr wirklich löschen. Man kann zwar Inhalte "löschen", sie sind dann für andere nicht mehr so einfach zu sehen, sie bleiben aber weiterhin bei Facebook gespeichert. Deshalb sollte man niemals seine Handynummer und seine Adresse angeben. Also nichts, was einen mit dem realen Leben verknüpft. Kinder und Jugendliche können das oft nicht annehmen. Oft hilft hierbei die Information, dass viele Firmen Interesse an den Daten haben und z.B. bei jedem Facebook Spiel eine Firma Zugang zu den privaten Daten erhält.

 
 
Bursch schaut ängstlich nach links und wird von einem gefräßigem Facebook Logo attackiert.
Foto (c) "Facebook Wants a New Face" von Rishi Bandopadhay (bearbeitet) unter creative commons Lizenz
 

Nur hochladen, was wirklich jeder sehen kann:

Hinsichtlich Fotos lautet der Rat, nur Fotos und Videos hochzuladen, die wirklich jeder sehen kann. Also auch Lehrer, Verwandte oder spätere Arbeitgeber. Beim Hochladen kann man auswählen, wer aller die Fotos sehen kann. Auch hier ist es wichtig, diese Einstellungen zu nützen.

 

Privatsphäre Einstellungen nützen:

Im Facebook gibt es die Möglichkeit über Profileinstellungen, festzulegen, wer aller, wie viel vom eigenen Profil sehen kann. Gehen Sie mit Ihrem Kind diese Einstellungen im Detail durch! Wichtig ist auch, diese Einstellungen etwa einmal im Monat zu überprüfen, da Facebook immer wieder die Einstellungen verändert.

 
 

Was darf ich hochladen?

Besprechen Sie mit Ihrem Kind, welche Bilder man in Facebook hochladen darf und welche nicht.

 
 

Was tun bei unangenehmen Situationen?

Besprechen Sie schon vorab, was man tun kann, wenn im Facebook etwas passiert, was man nicht möchte. Z.B. wenn man eine Gruppe findet, die dafür genützt wird, einen selbst zu beschimpfen, oder jemand ein Profil von einem selbst erstellt hat oder man anzügliche Nachrichten bekommt. Wichtig ist, mit dem Kind zu besprechen, an wen es sich wenden kann und wie man unangenehme Personen und Gruppen melden kann.

 
 

Anwendungen sparsam nützen:

Um eine Facebook Anwendung (Spiele wie z.B. Farmville, Quizzes wie z.B. Welcher Burger bist du?, etc.) verwenden zu können, muss man zustimmen, dass die dahinter stehende Firma auf alle Daten zugreifen darf. Wichtig ist, dass Sie Ihren Nachwuchs darüber informieren.

Ein generelles Verbot für etwaige Anwendungen auszusprechen, macht in der Regel keinen Sinn. Viel eher sollte man raten, damit sparsam umzugehen und Anwendungen, die man nicht mehr verwendet, zu löschen. Vereinbaren Sie z.B. dass nie mehr als 10 Anwendungen gleichzeitig verwendet werden sollen. Jugendliche haben oft bis zu 100 und mehr Anwendungen.

Welche Anwendungen man gerade verwendet, kann man hier nachlesen und auch wieder deaktivieren:

Konto - Privatsphäre-Einstellungen - Anwendungen und Webseiten

Dann öffnet sich folgendes Fenster:

 
 

Vereinbaren Sie klare Regeln:

Basierend auf den allgemeinen Empfehlungen zur sicheren Nutzung von Facebook sollten Sie mit Ihrem Kind, Regeln vereinbaren. Sinnvoll ist z.B.:

Keine privaten Daten (Tel.Nr., Adresse, etc.) veröffentlichen
Nur Fotos hochladen, die wirklich jeder sehen darf (auch Eltern, Lehrer &Co)
Nur Fotos hochladen, die man auch wirklich veröffentlichen darf
Nicht mehr, wie 10 Facebook Anwendungen gleichzeitig verwenden
Auf all das verzichten, was man auch im realen Leben nicht tun würde

 

Passwörter

Seien Sie ein Vorbild! Passwörter gehen wirklich nur den etwas an, der sie selbst verwendet. Das ist ähnlich wie mit einer Zahnbürste. Die teilt man ja auch mit niemandem, auch nicht mit dem eigenen Kind. Kinder und Jugendliche denken oft, dass man als Vertrauensbeweis der besten Freundin/dem besten Freund seine Passwörter sagen muss. Sprechen Sie mit ihrem Kind darüber, dass es wichtig ist, Passwörter wirklich nur für sich zu behalten. Wichtig ist auch, dass Sie dabei ein Vorbild sind und NICHT nach dem Passwort Ihres Nachwuchses fragen oder es sogar verlangen! Besprechen Sie ganz generell, welche Passwörter sicher sind.

 
 

Verzichten Sie auf Verbote

Verbote sind nicht sinnvoll, da sie den Wunsch nur noch verstärken. Besonders problematisch ist, dass Kinder sich bei Problemen, aus Angst vor Strafe, dann nicht an ihre Eltern wenden. Kinder und Jugendliche berichten uns immer wieder, dass es ihnen durch ein attraktives Profil im Facebook gelungen ist, in der eigenen Klasse besser integriert zu sein. Vor allem zeigen Studien, dass Facebook von Jugendlichen dazu verwendet wird, hauptsächlich auch mit ihrem "realen" Freundeskreis zu kommunizieren. Und es ist somit nur eine Kommunikationsform unter vielen und bedeutet nicht, dass Ihr Kind dann plötzlich ausschließlich über Facebook Unterhaltungen führt.

 

Seien Sie ein Ansprechpartner

Wichtig ist, im Ernstfall nicht mit Vorwürfen zu reagieren ("Ich habe dir ja gesagt, dass das gefährlich ist."), sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Oft wird bei Cybermobbing das betroffene Kind mit einem Verbot bestraft, obwohl der Täter schuld ist. Erarbeiten Sie stattdessen Lösungsmöglichkeiten. Melden Sie mit Ihrem Kind gemeinsam die Person. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie es einen derartigen Vorfall am ehesten verhindern kann und vor allem loben Sie es, dass es sich an Sie gewandt hat. So stellen Sie sicher, dass sich Ihr Kind auch beim nächsten Problem an Sie wendet!

 
 

 

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