Zwei Mädchen küssen sich.
CC0 / Pixabay Nana-ne (bearbeitet)

Mama! Papa! Ich bin homosexuell!

Was, wenn das eigene Kind homosexuell ist? Die sexuelle Orientierung lässt sich nicht beeinflussen, sehr wohl aber, ob sich ein Kind so akzeptieren kann, wie es ist! Wie das gelingen kann, lesen Sie hier.

Durch das Outing von Prominenten wie Thomas Hitzlsperger und Lars Steinhöfel ist das Thema Homosexualität esonders präsent. Wir leben in einer Gesellschaft, in der gleichgeschlechtliche Ehen erlaubt sind, Homosexualität in Filmen und TV-Soaps selbstverständlich Thema ist und öffentlich darüber diskutiert werden kann.

 

Das erweckt den Eindruck, gleichgeschlechtliche Liebe sei längst akzeptiert. Doch in der Realität ist der Umgang damit nach wie vor nicht selbstverständlich. Gerade auch wenn es den eigenen Nachwuchs betrifft. Eltern wirft die Mitteilung, ihr Sohn ist schwul, ihre Tochter lesbisch häufig trotzdem aus der Bahn, auch wenn sie mit Homosexualität an sich kein Problem haben und gleichgeschlechtlich liebenden Bekannten gegenüber aufgeschlossen sind.

 

Sprüche prägen

"Schwule sind keine echten Männer". "Lesben sind Männerhasser."
"Mann und Frau können sich lieben, aber auch Mann und Mann oder Frau und Frau." Mit diesen und anderen Aussagen wachsen unsere Kinder auf. Die Bewertung und Interpretation der eigenen, intimen Gefühle des Nachwuchses wird durch diese Informationen stark beeinflusst.

 

Stellt ein Jugendlicher in einer Umgebung, die nur heterosexuelle Lebenskonzepte akzeptiert, fest, dass er nicht so empfindet, wie er soll, erzeugt das unglaubliche Ängste, Zweifel und Druck. Er erlebt sich selbst als nicht „normal“. Diese nagenden Selbstzweifel können krank machen und bis zum Selbstmord führen.

 

Erziehung macht nicht homosexuell!

Keine Erziehung macht ein Kind homo- oder heterosexuell. Die sexuelle Orientierung kann man sich weder aussuchen, noch anerziehen. Erziehung kann allerdings große Ängste schüren, nicht normal zu sein und nicht akzeptiert zu werden.

 

Abwertende Aussagen betreffen alle Jugendlichen

Angst machende, abwertende Aussagen über Formen der sexuellen Orientierung betreffen nicht nur homosexuelle Jugendliche, sondern alle Jugendliche in ihrer Entwicklung. Denn sie sind unsicher, hinterfragen ihre Gefühle und Wünsche, fragen sich, ob sie „okay“ sind. Wenn Eltern ihren Kindern beibringen, dass sie in Ordnung sind und geliebt werden, so wie sind, so können sie ein solides Selbstwertgefühl entwickeln.

 

Was, wenn das Kind nicht den Erwartungen entspricht?

Gibt es allerdings viele Erwartungen, wie ein Mädchen sein muss, ein Junge sich zu verhalten hat, um akzeptiert und geliebt zu werden, dann werden umso mehr Ängste und Zweifel erzeugt, sobald man merkt, dass man diesen Erwartungen nicht entspricht.
Mädchen sind häufig schon verunsichert, wenn sie mit ihrer besten Freundin Hand in Hand durch die Stadt schlendern, obwohl es alles andere als sexuell motiviert ist. Burschen zweifeln an sich, wenn sie andere männliche Körper attraktiv finden, was jedoch völlig normal ist, und auch nichts mit Homosexualität zu tun hat.


Wichtig ist, Kindern zu vermitteln, dass es verschiedenste Modelle des Zusammenlebens gibt, nicht zuletzt, um unsere Welt ein Stück weit toleranter zu gestalten. Kindliche Rollenspiele etwa können dazu genützt werden, über die verschiedenen Lebenskonzepte mit Kindern zu sprechen.

 

Eltern sind "auch nur" Menschen

Ob und wann ein Jugendlicher sich seinen Eltern anvertraut, hängt unter anderem von der Beziehung ab, die er zu seinen Eltern hat, davon, wie in der Familie über Sexualität im Allgemeinen und über Homosexualität im Besonderen gesprochen wurde und davon, wie er sich in bisherigen Problemsituationen von den Eltern unterstützt gefühlt hat. Bei einem Outing des Nachwuchses sind die Eltern gefragt, ihre Kinder bedingungslos anzunehmen. Doch das ist oft gar nicht einfach, wird man auch mit möglichen eigenen Ängsten und Vorurteilen konfrontiert.

 

In dieser Situation muss man sich als Elternteil entscheiden, ob man sich seinem Kind zuliebe mit diesem Thema auseinandersetzt, das einen vielleicht zunächst überfordert. Doch allein Ihre Bereitschaft dazu wird Ihrem Kind sehr viel bedeuten.
Sprechen Sie ehrlich aus, welche Fragen und Sorgen sie haben.

 

Kind verändert sich nicht

Wenn Kinder sich ihren Eltern anvertrauen, wird es von diesen oft zunächst als Provokation erlebt – "Warum tust du uns das an?". Doch das Coming-Out vor den Eltern ist keine Provokation, sondern das Suchen nach Anerkennung und Akzeptanz. Es geht nicht darum die gleichgeschlechtliche Liebe selbst gut zu finden, sondern darum, das Kind weiterhin als sein eigenes zu akzeptieren und weiterhin Verantwortung zu übernehmen.

 

Die sexuelle Orientierung ist nur ein Aspekt der Persönlichkeit Ihrer Tochter/Ihres Sohnes, vergleichbar mit einer kleinen Schublade eines Kastens mit vielen verschiedenen Läden der Facetten eines Menschen. Der Mensch selbst, verändert sich dadurch nicht. Lediglich der Inhalt der Schublade "sexuelle Orientierung" wurde anders gefüllt, als erwartet. Ihr Kind hat unendlich viele Facetten und ist trotzdem und gerade deshalb immer derselbe Mensch, den Sie kennen und lieben.

Scheuen Sie auch nicht, sich Hilfe zu holen!

 

Buchtipp

In dem Buch "Warum gerade mein Kind" von Heidi Hassenmüller, Udo Rauchfleisch und Hans-Georg Wiedemann (2006) werden Reaktionen und Wege von Eltern zusammengefasst, mit der sexuellen Orientierung ihres Kindes umzugehen.

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