Rote Tropfen rinnen hinunter
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Selbstverletzung - lautloser Hilferuf

Als Elternteil fühlt man sich hilflos, wenn das eigene Kind sich selbst verletzt. Wie soll man dann reagieren? Hier finden Sie Antworten.

Immer mehr Jugendliche wenden sich an "147 Rat auf Draht", weil sie sich selbst verletzen und nicht weiter wissen. Rein statistisch gesehen, meldet sich etwa jeden Tag ein Jugendlicher zu diesem Thema bei der Notrufnummer, um sich Hilfe dazu zu holen.

 

Ursachen

Für viele mag es unvorstellbar sein, doch Betroffene sehen keine andere Möglichkeit mit ihren Gefühlen und ihrer inneren Anspannung umzugehen, als sich selbst Verletzungen zuzufügen. Die Ursachen sind vielfältig. Traumatische Erlebnisse, wie der Tod eines nahen Menschen, Mobbing oder eine Scheidung können Auslöser sein. Sich selbst zu verletzen kann aber auch ein Symptom einer psychischen Erkrankung sein.

 

Verletzungen

Betroffene greifen oft zu spitzen Gegenständen, um sich zu ritzen bzw. zu schneiden. Manche verletzen sich aber auch mit dem Bügeleisen oder schlagen mit dem Kopf gegen die Wand.

 

Lösung der Anspannung

Durch die Selbstverletzung löst sich der erlebte Spannungszustand kurzfristig auf und es kommt zu einem Gefühl der Erleichterung, aber auch des "Sich-Lebendig-Fühlens". Diese Gefühle halten aber nur kurz an und sind meist gefolgt von Schuld und Scham. So entsteht ein Kreislauf aus dem Betroffene ohne fremde Hilfe nur schwer wieder herauskommen. Auch wenn Jugendliche ihre Wunden verstecken, hoffen sie oft insgeheim, dass endlich jemand entdeckt, wie schlecht es ihnen geht. Doch wie soll man reagieren, wenn man bemerkt, dass sich das eigene Kind selbst verletzt?

 

Wie soll man reagieren?

 

  • Wenn Sie Wunden bemerken, dann reagieren Sie nicht direkt. Gehen Sie erst auf den Jugendlichen zu, wenn Sie ein ruhiges Gespräch führen können.
  • Scheuen Sie sich nicht davor, sich bei Beratungsstellen Unterstützung vor dem Gespräch zu holen.
  • Machen Sie keine Vorwürfe, sondern vermitteln Sie das Gefühl, dass Sie den Jugendlichen ernst nehmen und ihm helfen wollen. Vorwürfe und Drohungen können die Situation zusätzlich verschlimmern.
  • Ermutigen Sie, als einen ersten Schritt, zu versuchen, das Verletzen aufzuschieben, zunächst immer um 10 Minuten.
  • Unterstützen Sie den Jugendlichen, zu probieren, ob auch ein ähnlich starker Reiz, der aber keine Verletzung verursacht, eine erste Alternative sein kann. Etwa das Drücken von Eiswürfeln auf den Unterarm oder kaltes Duschen.

 

 
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