Nacktfoto auf einem Handybildschirm.
Pro Juventute (bearb.) via Compfight cc

Freizügige Fotos

Jugendliche posten sexy Fotos in Instagram, Wochenend-Rausch-Bilder in WhatsApp oder verschicken Nacktfotos an den Schwarm. Wie kann man Jugendliche an einen achtsamen Umgang mit derartigen Fotos heranführen?
Erwachsene urteilen schnell, sie hätten das niemals getan. Das stimmt, denn früher hätte es so ausgesehen:

Familienfotoapparat borgen, Fotos machen, Film selbst zum Entwickeln bringen, abholen, Bilder per Post dem Schwarm schicken, nicht-wissend, wer das Kuvert öffnet. Klar, haben wir das nicht gemacht! Nicht weil wir die „braveren“ Jugendlichen waren, sondern weil die Möglichkeiten gänzlich anders waren.

 

Anstatt Teenager zu verurteilen, gilt es, Handwerkszeug zur Verfügung zu stellen, um den Umgang mit persönlichen Fotos möglichst risikoarm zu gestalten.


Was ein persönliches Bild ist, verändert sich im Laufe der Entwicklung stark. Je früher Kinder an das Thema herangeführt werden, umso selbstverständlicher wird ihr Umgang damit. Volksschulkinder bezeichnen häufig Abbildungen ihrer Haustiere, als Fotos die jeder sehen darf, Fotos vom Strand sind für sie sehr intim.
 
Die Erziehung rund um freizügige Bilder beginnt mit dem Umgang der Eltern mit Kinderfotos. Müssen sich Kinder in jeglichen Situationen ablichten lassen und werden deren Bilder dann ungefragt in sozialen Netzwerken veröffentlicht, wie sollen sie dann im Jugendalter kritisch beim Hochladen eigener Fotos sein?

 

Akzeptieren Sie, wenn Ihr Kind nicht fotografiert werden möchte. Es lernt, dass man Fotos ablehnen darf. Fragen Sie vor dem Hochladen einer Abbildung Ihres Kindes nach dessen Einverständnis.
 

 

Informieren Sie, dass einmal im Internet veröffentlichte Fotos, auch mit geschützten Privatsphäre Einstellungen, nicht mehr kontrolliert werden können. Leiten Sie an, zu überlegen, welche Fotos zum eigenen Nachteil werden können. Etwa „Sauf-Fotos“ bei Bewerbungen. Bleiben Sie dabei in der Lebensrealität der Jugendlichen. Beispiel Strandfotos: Geben Sie den Tipp, nur solche Fotos hochzuladen, bei denen ein Filter über das Bild gelegt wurde und das Gesicht der Person nicht direkt erkennbar ist. So wird das Risiko, dass etwaige Fotos auf anderen Seiten verbreitet werden, stark eingeschränkt.
 


Besitz und Weitergabe freizügiger Fotos

Erwachsene tun es häufig und rund 15 % der 14 - 17 Jährigen machen es. Sie verschicken an Freunde, im Rahmen einer Beziehung oder auch beim Anbahnen einer solchen, sexuell aufreizende Aufnahmen, auch Sexting genannt. Im Rahmen einer selbstbestimmten Sexualität, die auch Jugendlichen zusteht, ist das ein normales Verhalten. Aber selbstverständlich gilt es, auf die Risiken hinzuweisen.

Sexuell aufreizende Fotos von Minderjährigen (unter 18 Jahre) können eventuell als „pornografische Darstellungen Minderjähriger“ gelten, die im StGB § 207a geregelt sind. Das Gesetz besagt u.a., dass es nicht erlaubt ist, pornografische Bilder von Personen unter 18 Jahren zu machen, zu besitzen (z. B. am Handy, in der Hosentasche, am Computer zu haben), im Internet anzuschauen und weiterzuleiten (z. B. per SMS, Mail, Bluetooth zu verschicken). Das ist insbesondere der Fall, wenn bei Minderjährigen Geschlechtsteile im Fokus stehen, geschlechtliche Handlungen gezeigt oder angedeutet werden bzw. der Empfänger damit erregt werden soll.

Eine Ausnahme besteht diesbezüglich seit 1.1.2016 bei mündigen Minderjährigen (ab 14 Jahren), wenn der Besitz und die Weitergabe zwischen ihnen einvernehmlich erfolgt und damit keine Gefahr der Verbreitung (z. B. Weitergabe an andere, Verbreitung im Internet) verbunden ist.

 


Informieren Sie den Nachwuchs über die rechtliche Lage und leiten Sie ihn an, sich bei freizügigen Fotos an Kunst-Aktfotografien zu orientieren, bei denen keine Geschlechtsteile direkt zu sehen sind und die somit strafrechtlich unbedenklich sind.
 
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