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Sextortion – Erpressung per Video-Chat

Achtung Sex-Falle! In Video-Chats fordern attraktive Damen zu sexuellen Handlungen auf. Das Ziel: Erpressung von Geld

„Lass uns doch auf Skype wechseln.“ Diese Aufforderung kann fatale Folgen haben. Vor allem Burschen und junge Männer, manchmal auch junge Frauen, lassen sich auf einen vermeintlichen Flirt mit attraktiven Frauen im Internet ein. Der Beginn ist häufig in sozialen Netzwerken wie Facebook oder WhatsApp, aber auch in Dating Apps bzw. Spiele-Netzwerken.

Schnell wird vorgeschlagen auf einen Video-Chat wie z. B. Skype zu wechseln. Dort posiert das Gegenüber lasziv und beginnt sich auszuziehen. Die UserInnen werden aufgefordert, mitzumachen, sich ebenfalls auszuziehen bzw. sexuelle Handlungen an sich selbst vorzunehmen. Viele kommen dem nach. Was viele nicht wissen: Hinter der weiblichen Chatpartnerin (manchmal sind es auch nur geschickt zusammengefügte Videosequenzen) steckt eine organisierte Betrügerbande, die den Video-Chat aufzeichnet.

Es wird gedroht, das Video zu veröffentlichen oder auch an alle Online-Kontakte wie z. B. Facebook Freunde zu senden, wenn nicht ein bestimmter Geldbetrag (rund 300 - 500 Euro) bis zu einem gewissen Zeitpunkt überwiesen wird.

 

In die Falle getappt

Diese Art von Erpressung nennt man Sextortion. Viele schämen sich und haben Angst, sich Hilfe zu holen. Dabei handelt es sich um eine klare Straftat, die Betroffene auch bei der Polizei anzeigen können (Erpressung § 144 StGB, eventuell auch Anfertigen/Veröffentlichen von kinderpornografischem Material, wenn der/die Betroffene unter 18 Jahre alt ist (§ 207a StGB), geschlechtliche Nötigung oder auch andere Straftatbestände).

Tipp

Was tun?

  • Sichern Sie Beweise durch Screenshots vom Erpressungschat, Username von ErpresserIn notieren.
  • Brechen Sie den Kontakt ab: Blockieren Sie die Person, nachdem sie die Beweise gesichert haben und melden Sie sie beim Seitenbetreiber. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass es keinen Sinn macht mit den ErpresserInnen zu verhandeln, zu diskutieren oder ihnen zu drohen.
  • Überweisen Sie kein Geld! Das Bezahlen schützt nicht vor einer Veröffentlichung, oft wird danach noch mehr Geld gefordert.
  • Überlegen Sie eine Anzeige bei der Polizei. Nur so können Erpresserbanden verfolgt werden.
  • Legen Sie einen Google Alert an: So werden Sie über Veröffentlichungen von Videos&Fotos informiert, die mit ihrem User-Namen versehen sind.

Tipp

Tipps für Eltern von betroffenen Jugendlichen

Bei den meisten Jugendlichen löst dieser Erpressungsversuch große Scham und Ängste aus. Die Jugendlichen fragen sich auch, was sein könnte, wenn ihre FreundInnen tatsächlich das Erpressungsvideo zugeschickt bekommen oder davon erfahren.

Sie können ihr Kind am besten unterstützen, indem sie ihm/ihr ihre volle Unterstützung zusichern und als GesprächspartnerIn für seine/ihre Befürchtungen und Sorgen zur Verfügung stehen. Sie könnten ihr Kind nach den Befürchtungen fragen und gemeinsam einen Plan erstellen, für den Fall, dass diese Befürchtungen eintreten. Z. B. wie man konkret reagieren könnte, falls Bekannte tatsächlich von der Erpressung erfahren. Solche Handlungspläne können die Ängste reduzieren und dem/der Jugendlichen das Gefühl geben, dass er/sie der Erpressung nicht so ohnmächtig ausgeliefert ist.

Versuchen Sie dem Jugendlichen möglichst keine Vorwürfe zu machen, da er/sie durch den Erpressungsversuch wahrscheinlich sowieso schon stark belastet ist. Hilfreich könnte sein, auf den Jugendlichen eher entlastend und beruhigend einzuwirken.

Ist die Verzweiflung des Jugendlichen sehr groß oder anhaltend, gibt es auch die Möglichkeit professionelle Hilfe bei einer lokalen psychosozialen Einrichtung in Anspruch zu nehmen. Über regionale Anlaufstellen geben wir gerne in den Beratungskanälen von 147 Rat auf Draht Auskunft.