Ein Chatverlauf zu lesen:
Foto © SOS-Kinderdorf

Sexuelle Belästigung im Internet

Jede dritte Beratung zu digitalen Medien bei Rat auf Draht, handelt von sexueller Gewalt online. Rat auf Draht und SOS-Kinderdorf haben daher erstmals österreichweit Daten dazu zu erheben lassen. Die repräsentative Befragung unter 400 11-18 Jährigen zeigt dringenden Handlungsbedarf.
27 % der 11-18 Jährigen wurden bereits mindestens einmal online sexuell belästigt.

Die Bandbreite reicht hier von unangenehmen sexuellen Fragen bis hin zu sexuellem Missbrauch über das Internet. Sehr häufig bekommen Kinder und Jugendliche etwa ungefragt Nacktfotos oder –videos zugeschickt und werden aufgefordert, auch selbst welche von sich zu senden.

Besonders bedenklich: Sie erleben, die sexuelle Belästigung als „normal“, denken sogar, an der sexuellen Belästigung selbst Schuld zu sein. Denn „wenn man ein sexy Foto postet, dann muss man halt damit rechnen.“
 
Hier kommt es zu einer klaren Täter-Opfer Umkehr bei den Betroffenen. Denn das, was die Befragten berichten, sind meist ganz klar Straftaten. Sie holen sich allerdings kaum Unterstützung, sondern versuchen, das Problem alleine zu lösen. Nicht verwunderlich, wenn es gar kein Bewusstsein dafür gibt, dass das, was sie erlebt haben, klar verboten ist. Und wenn es kein Bewusstsein dafür gibt, dass egal, wie man sich präsentiert, niemals eine sexuelle Belästigung gerechtfertigt ist.
 

Wir haben eine Verantwortung


Genau dieses Bewusstsein müssen wir Kindern und Jugendlichen vermitteln. Es ist unsere Verantwortung.
 
Es ist verständlich, dass derartige Ergebnisse bei Eltern große Sorgen auslösen. Die Idee ist dann oft, Kinder durch Verbote zu schützen. Leider ist dies nicht zielführend. Die Kinder begeben sich auch nicht an Orte, an denen es besonders gefährlich ist. Ganz im Gegenteil suchen kriminelle Personen ganz gezielt online Orte auf, an denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten.

 

Wie kann man Kinder schützen?


Von den befragten 11-18-Jährigen wurden nur 32 % über die Gefahren von sexuellen Übergriffen online informiert. Sie wünschen sich, dass Jüngere besser informiert werden. Denn sie selbst mussten nach ihren ersten Erfahrungen, selbst Strategien finden.
 
Als Elternteil hat man die Chance, seine Kinder Schritt für Schritt beim Weg ins Internet zu begleiten. So wie man mit Kleinkindern an der Hand bei der Ampel erklärt, dass man bei Rot stehen bleibt und klar festlegt, wer das Kind vom Kindergarten abholen darf. Genauso müssen wir auch die Chance nützen, Kindern Informationen und Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, wenn es um Gefahren im Internet geht.
 
Es ist nur allzu verständlich, dass Eltern sich Filter wünschen, die vor allen Gefahren schützen. So wie es diese für das offline Leben nicht gibt, gibt es sie auch online nicht. Sie können nie eine Gefahrenerziehung fürs Internet ersetzen.
„Ich muss nicht aufpassen, weil mein Papa hat mir einen Filter aufs Handy gemacht.“ So lernen Kinder, dass sie im Internet nichts hinterfragen müssen. Dabei wäre es so wichtig, dass sie dies Schritt für Schritt lernen und üben können. Spielen sie ein Spiel, bei dem man auch miteinander chattet, gilt es klar zu machen, was man mit Personen, die man nur aus dem Internet kennt, besprechen kann (wie sehr man das Spiel mag, wie man ein Level lösen kann) und was nicht (wo man wohnt, in welchen Verein man geht).
 
Machen Sie klar, dass niemand einem einfach etwas schicken darf, was einem unangenehm ist und dass ihr Kind direkt zu Ihnen kommen kann, wenn jemand etwas Unangenehmes schreibt oder schickt. So werden Sie von Beginn an ein vertrauensvoller Ansprechpartner. Wenn Eltern alles verbieten, trauen sich Kinder kaum zu ihren Eltern, wenn etwas passiert ist. Obwohl sie an dem, was passiert ist, gar keine Schuld haben. Z.B. weil ihnen ein Erwachsener verbotenerweise ein Nacktbild geschickt hat.
 

Sexualerziehung schützt!


Gerade wenn es um sexuelle Gewalt geht, braucht es Sexualerziehung von Beginn an. Diese hat nichts damit zu tun, Kindern von erwachsener Sexualität zu erzählen. Es geht darum, sie z.B. zu begleiten positive und negative Gefühle unterscheiden zu können. Geschlechtsteile zu benennen und das Kind klar Grenzen setzen zu lassen. Den nur wenn in der Familie über Sexualität gesprochen wird, kann auch sexuelle Gewalt im Internet präventiv besprochen werden. Zu dem braucht es viele der Fertigkeiten, um zu merken, wann jemand zu weit geht.
 
„So lange in echt nichts passiert ist, kann man auch nichts machen.“ Diesen Satz hören Kinder durchaus. Dabei stimmt er ganz und gar nicht. Vieles was an sexueller Gewalt im Internet geschieht, ist klar durch Gesetze erfasst und strafbar:
 
Ein Beispiel: Ihr Kind ist unter 14 und jemand will es, um es sexuell zu belästigen, zu einem Treffen überreden oder dazu, pornographische Aufnahmen von sich zu schicken. Das ist Cyber-Grooming und nach § 208a StGB strafbar. Die alleinige Aufforderung ist bereits strafbar!
 
Viele weitere Tipps, wie Sie Ihre Kinder schützen können und alle Ergebnisse der Studie im Detail finden sie auf www.rataufdraht.at/sicheronline
 

  • 147 Rat auf Draht berät auch Eltern!


    PsychologInnen beantworten Ihre Fragen und beraten Sie bei Problemen. Rund um die Uhr, anonym und ohne Vorwahl zum Nulltarif aus ganz Österreich.