Kind schaut unzufrieden.
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Was, wenn Kinder schimpfen?

Gerade wenn Kinder vor allen anderen derbe Wörter benutzen, ist es uns peinlich. Wird man als Elternteil vom Kind beschimpft, fühlt man sich schnell angegriffen. Aber was steckt eigentlich hinter dem Schimpfen bei Kindern?
 

Erstes Schimpfen ist etwas Positives

So komisch es vielleicht klingen mag, ist das Verwenden von Schimpfwörtern in Situationen, in denen sich Kinder ärgern, etwas durchaus Positives. Denn es bedeutet, dass der Nachwuchs gelernt hat, seine Gefühle durch Worte auszudrücken. Wurde vorher schnell einmal gestoßen und hingehaut, gelingt es jetzt die Wut über die Sprache rauszulassen. Jetzt fehlt noch der Schritt, sich „angemessen“ auszudrücken. Und dazu braucht es die Hilfe von uns Erwachsenen.

Sprache wird übrigens überall auf der Welt als Ventil benützt. Wer von uns flucht nicht einmal, wenn das Kaffeehäferl mitsamt Inhalt auf dem Boden zerschellt?


Oft wird man im Supermarkt gleich einmal schief angesehen, wenn das eigene Kind ein Schimpfwort zum Besten gibt. Doch alle Kinder entdecken irgendwann das Schimpfen mehr oder weniger intensiv für sich, denn sie sind Wortakrobaten und spielen mit der Sprache. Dann wird auch gleich die Reaktion ihrer Umwelt auf die neuen Wörter getestet.

Mit 2-3 Jahren stellen Kinder fest, dass man uns Erwachsene herrlich schockieren kann und das wird natürlich auch ausgekostet. Erst die Reaktion der Umwelt zeigt den Kindern Schritt für Schritt welche Wortwahl in welcher Situation passend ist und welche Konsequenzen unterschiedliche Wörter haben. Wie soll man sich verhalten?

 

Ignorieren bei Kleinkindern

Wenn Kleinkinder erstmals Schimpfwörter nachplappern, dann reagieren Sie am besten überhaupt gar nicht darauf. Oft wird gelacht oder auch mit Schimpfen reagiert. So lernt, der Nachwuchs, dass dieses Wort wohl super geeignet ist, um Aufmerksamkeit zu bekommen.

 

Schimpfwörter aus Wut

Wenn Ihr Nachwuchs in einer Situation, in der er sich ärgert, flucht oder Sie beschimpft, dann reagieren Sie nicht auf das Fluchen, sondern auf die Wut dahinter. Wichtig ist, nicht in derselben Art zu reagieren und zurück zu schimpfen. Fragen Sie nach, was Ihr Kind gerade so ärgert. Sagen Sie Ihrem Kind, dass es okay ist, zu sagen, was es gerade so wütend macht, aber mit anderen Worten. Machen Sie deutlich, was das bestimmte Wort mit Ihnen macht, z. B. sie verletzt, traurig macht. Kinder reagieren meist im Affekt und wissen gar nicht, was sie mit den Wörtern anrichten. Denn gerade von Gleichaltrigen sind sie gewohnt, dass sie dadurch oft Anerkennung bekommen oder die Lacher auf ihrer Seite haben.


Schimpfminuten

Gerade in Phasen, in denen Kinder das Schimpfen entdecken, kann es Wunder wirken, wenn das Auseinandersetzen damit, einen erlaubten Platz in der Familie hat. Das man z. B. 5 Minuten am Tag festsetzt, in dem das Kind alle Schimpfwörter aufzählen soll, die es kennt. Oder man sich Schimpfwortalternativen überlegt, die man in einer ärgerlichen Situation mal von sich geben kann, die andere aber nicht verletzen.

 

Schimpfkiste

Eine Möglichkeit ist es auch, eine Schimpfkiste einzurichten, in die Schimpfwörter gesteckt werden, die absolut nicht verwendet werden dürfen, weil Sie andere verletzen.

 

Schimpfzone eigenes Zimmer

Auch dem Kind zu erlauben, im eignen Zimmer zu schimpfen, sich sonst aber angemessen zu verhalten, kann ein Kompromiss sein.

 

Vorbild

Es ist menschlich, sich so zu ärgern, dass einem auch selbst ein Schimpfwort rausrutscht. Achten Sie vor allem darauf, welche Wörter Sie verwenden und nützen Sie es auch im Gespräch mit Ihren Kindern. Geben Sie ehrlich zu: Ja mir passiert das auch manchmal und erzählen Sie, wen Sie vielleicht damit schon einmal getroffen haben und wie andere darauf reagiert haben. Das macht Sie glaubwürdig!

 
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