Schlafendes Mädchen mit Goldsternchen bedeckt.

Wenn das Schlafen nicht mehr klappt

Wie können Eltern ihre Kinder und Jugendlichen beim Einschlafen unterstützen? Hier gibt es Info zu Einschlafhilfen ...

 

Die Auswirkungen des Lockdowns zeigen sich auch bei Rat auf Draht immer deutlicher. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Beratungen im Bereich der psychischen Erkrankungen um 150% angestiegen. Besonders viele Kinder und Jugendliche melden sich im Moment, weil sie Probleme beim Schlafen haben. Hier gab es im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sogar um 240% mehr Beratungen. Umso wichtiger ist es, jetzt unterstützend da zu sein und sensibel hinzuschauen, wie es dem Nachwuchs geht.

Viele unverarbeitete Gedanken kreisen gerade beim Schlafen gehen durch den Kopf, der Schlaf-Rhythmus ist völlig durcheinander und auch das Bett wird möglicherweise für viele Dinge gleichzeitig genützt. All das ist für einen erholsamen Schlaf alles andere als förderlich.

 

Was kann Kinder und Jugendliche beim Einschlafen unterstützen?

 

  • Der Tages- und somit auch der Schlafrhythmus sind in der Zeit der Schulschließungen bei vielen Kindern und Jugendlichen stark durcheinander geraten. Auch jetzt, wenn die Schulen wieder geöffnet sind, wechseln sich Schul- und Hausaufgabentage zum Teil unregelmäßig ab. Umso wichtiger ist es, bei Schlafproblemen möglichst jeden Tag unter der Woche zu ähnlichen Zeiten ins Bett zu gehen.

 

  • Kurz noch Nachrichten am Handy lesen und danach einschlafen, gelingt nicht wirklich. Einerseits weil das Licht am schnellen Einschlafen hindern kann, aber auch weil das Gelesene aufwühlen kann. Manche Jugendliche hält FOMO, die Angst davor etwas zu verpassen (Fear of missing out), wach. Gerade bei den besten Freund*innen kann es möglich sein, auch klar auszusprechen, dass man ab einer gewissen Zeit keine Nachrichten mehr liest. Sich hier auf Eltern ausreden zu können, nimmt vielen Jugendlichen auch den Druck. Auch der Status, etwa in WhatsApp, könnte auf „Ich schlafe“ gestellt werden, um klar zu machen, warum man jetzt Nachrichten nicht mehr ansehen wird.

 

  • Sich bewusst zu entspannen und abzuschalten, gelingt vielen nicht. Hier können Sie als Elternteil Ideen beisteuern. Bei Kindern können frühere Rituale, wie das Vorlesen vor dem Einschlafen reaktiviert werden.

 

  • Gerade Kinder und jüngere Jugendliche mögen oft Fantasiereisen. Diese gibt es zum Vorlesen oder auch als Podcasts und YouTube Videos.

 

  • Immer mehr Influencer*innen greifen das Thema der Entspannung auf. So gibt es z.B. von DariaDaria eine kostenlose Meditationsreihe auf Spotify unter dem Kanal „A Mindful Mess“. Für Jugendliche können Vorschläge von Influencer*innen den Einstieg ins bewusste Atmen zum Gedankenberuhigen ebnen. Auch Hörbücher oder ruhige Musik sind für viele eine gute Möglichkeit, leichter in den Schlaf zu finden. Es gibt auch eigene Apps, die durch Entspannungs-Übungen führen. Besonders bei Jugendlichen ist es wichtig, eine Möglichkeit zu finden, die in ihre Lebenswelt passt, damit sie die Unterstützung auch annehmen können.

 

  • Auch die äußeren Umstände machen das Schlafen oft schwierig. Zu hell, zu viel Lärm, keine Gemütlichkeit am Schlafplatz. Manchmal kann durch das Umstellen im Zimmer eine Trennung zwischen Lern-/Freizeitplatz und Schlafplatz gelingen. Das Bett kann etwa auch an der Rückseite eines Kastens stehen und so eine dunkle, kuschelige Ecke bieten. Fotos von kleinen Jugendzimmern im Internet können eine Anregung sein, wie man auch ohne Zusatzkosten und in kleinen Räumen bessere Schlafbedingungen schaffen kann.

 

  • Wacht der Nachwuchs oft in der Nacht auf, können Sie anregen, sich schöne Situationen in all ihren Details vorzustellen. Wie es an dem Ort riecht, wie es sich anfühlt dort zu sein. Denn man kann den Geist nicht dazu bringen, an nichts zu denken. Allerdings ist es möglich, sich auf eine Sache zu konzentrieren. So lassen sich Gedanken und auch der Körper, durch eine gleichmäßige Atmung beruhigen. Sind Ängste vorhanden, können sie sich gemeinsam auf den Boden setzen und gemeinsam ruhig atmen, dabei die Hand auf den Bauch legen, um zu spüren, wie er sich hebt und senkt.

 

  • Achten Sie darauf, dass in den drei Stunden vor dem Zu-Bett-Gehen keine schweren Mahlzeiten mehr gegessen werden, denn mit einem vollen Bauch schläft es sich nicht gut. Das gilt ebenso für Sport und koffeinhaltige Getränke.

 

  • Oftmals wollen Jugendliche gerade mit Eltern nicht mehr als Erste über ihre Sorgen sprechen. Im Moment ist es wichtig, genau hinzusehen. Vielleicht steckt hinter einer pampigen Art, ein Hinweis auf psychische Probleme. Gerade dann kann es hilfreich sein, ehrlich auszusprechen, dass sie das Gefühl haben, dass es ihrem Nachwuchs nicht gut geht. Bieten Sie sich als Gesprächspartner*in an, machen Sie aber auch deutlich, dass es ebenso okay ist, sich an Stellen außerhalb der Familie zu wenden.

 

  • Bleiben Schlafprobleme über Wochen erhalten und zeigen sich tagsüber dadurch auch Schwierigkeiten beim Konzentrieren und Wach-Bleiben, dann sollten Sie sich an Expert*innen wenden.
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