Mädchen führt Hand zum Mund.
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Wenn Essen zum Problem wird

Gesunde Ernährung ist wichtig. Doch manchmal entwickeln Kinder und Jugendliche ein problematisches Essverhalten bzw. ernstzunehmende Essstörungen.
 

Essen gehört zu unserem Alltag dazu und sichert unser Überleben. Doch Essen ist viel mehr als nur reine Nahrungsaufnahme, es ist von Geburt an stark mit Gefühlen verknüpft. So ist das Stillen die erste Verständigung zwischen Säugling und Mutter. Da ist es für Kinder naheliegend, auch in schwierigen Situationen, über das Essen zu reagieren.

 

Essen als Problemlösestrategie

Kinder verweigern das Essen, weil sie überfordert sind oder beruhigen sich bei Ängsten mit Süßigkeiten. Je nach Erziehung werden diese kindlichen Lösungsansätze noch zusätzlich verstärkt oder es werden alternative Möglichkeiten erlernt, um mit Gefühlen umzugehen. Säuglinge und Kinder spüren ganz genau, wie viel Nahrung sie benötigen. Vertrauen Sie auf Ihr Kind, so bleibt das natürliche Hunger- und Sättigungsgefühl erhalten.

 

Essen ist Genuss, sollte aber keine regelmäßige Belohnung sein. Belohnen Sie Ihr Kind eher mit Zuwendung und mit gemeinsam verbrachter Zeit. Schon im frühen Kindesalter bzw. in der Schwangerschaft wird oft der Grundstein für Übergewicht gelegt.

 

Ernährung im Jugendalter

Gerade auch später in der Pubertät, spielt das Essen eine entscheidende Rolle. Einerseits stellt es eine Möglichkeit dar, uns Eltern die Grenzen aufzuzeigen, anderseits ist unser Nachwuchs in dieser schwierigen Zeit mit einer Reihe von Entwicklungsaufgaben konfrontiert. Das Ablösen vom Elternhaus, die beginnende Sexualität, das Akzeptieren des sich verändernden Körpers und vieles mehr.

 

Dem gegenüber steht dann auch noch ein enormer gesellschaftlicher Druck, in der Schule zu bestehen, sich für eine Ausbildung zu entscheiden und möglichst gut auszusehen. Essen wird dabei oft zum Tröster, Stressreduzierer oder auch zum einzigen Bereich, in dem man selbst die Kontrolle hat. So liegt in der Pubertät häufig der Beginn von Essstörungen wie Magersucht und Bulimie.

 

Magersucht, Bulimie, Adipositas

Klassische Essstörungen sind wie eben beschrieben kein Ernährungsproblem, sondern Lösungsversuche für tiefer liegende psychische Probleme. Das Essen bzw. Hungern steht für den Versuch, Probleme zu lösen, für Protest, Ablehnung oder Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse. Wenn wir von Essproblemen sprechen, geht es im Allgemeinen um die drei großen Bereiche der Magersucht, der Bulimie und der Adipositas.

 

Der Übergang von einem problematischen Essverhalten zu einer Essstörung ist fließend. Gerade deshalb ist es wichtig, achtsam zu sein, um erste Anzeichen zu erkennen.

 

Alarmsignale

Einschreiten ist notwendig,

  • wenn aus merkwürdigen Verhaltensweisen oder einer Diät ein Dauerzustand wird
  • wenn sich die Einstellung zum Essen verändert, nicht mehr mit Genuss gegessen wird
  • bei ständiger Beschäftigung mit Figur und Gewicht
  • bei Über- oder Untergewicht
  • bei raschem Gewichtsverlust oder rascher Gewichtszunahme
  • gemeinsames Essen gemieden wird
  • zum Ausgleich, sehr viel Sport getrieben wird
  • wenn nach dem Essen der Nachwuchs länger auf der Toilette oder im Bad verweilt
  • Sie „beißenden“ Geruch im WC wahrnehmen
  • Essen aus der Vorratskammer verschwindet

 

 

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