Kondom und Papierherz in Hosentasche

Wenn Sex zum Thema wird - Der 2. Elternratgeber von "147 Rat auf Draht"

"147 Rat auf Draht" gibt es für Eltern auch in Buchform zum Lesen. Jetzt ist der 2. Elternratgeber fertig. Was Sie im 2. Band erwartet und erste Leseproben finden Sie hier:

"Ich habe mich total verliebt. Aber meine Eltern verbieten mir den Freund. Was soll ich nur tun? Warum können sie sich nicht einfach mit mir freuen."

"Meine Tochter hat einen Freund. Ich mache mir große Sorgen, denn er ist immer wieder mal in Schlägereien verwickelt und hat einen echt schlechten Ruf. Ich habe ihr den Umgang verboten, jetzt komme ich gar nicht mehr an sie heran."
 

"147 Rat auf Draht" kennt beide Seiten

 Das Team von "147 Rat auf Draht" kennt beide Seiten. Sowohl die Kinder und Jugendlichen als auch die Eltern vertrauen ihnen ihre Sorgen an. Nicht selten wird deutlich, dass Eltern und Kinder aneinander vorbei reden, zwar hingehört aber nicht wirklich zugehört wird, obwohl beide Seiten sich das wünschen.

Gerade mit Beginn der Pubertät beginnt sich der Nachwuchs immer mehr abzugrenzen. Als potentielle Ansprechpartner/innen werden Eltern von den Gleichaltrigen abgelöst.
Wenn Jugendliche sich immer weniger in intimen Belangen an die Eltern wenden, wird "147 Rat auf Draht" als niederschwellige Telefonberatung immer öfter als Informationsquelle genützt. Welche Themen im Bereich der Liebe und Sexualität Kinder und Jugendliche bewegen, welche Ängste sie haben und auch, was sie sich von ihren Eltern wünschen würden, fassen wir im 2. Band der "147 Rat auf Draht" Buchreihe zusammen.

Das Wissen wird, so wie beim ersten Band, ergänzt durch psychologische Hintergrundinformationen und Gesprächstipps. So bietet dass Buch ein Handwerkszeug mit dessen Hilfe Erwachsene Kinder in ihrer Entwicklung im Bereich Liebe und Sexualität von Geburt an bis zum Erwachsenenalter unterstützen können.

Aus dem Inhalt

  • die kindliche Sexualität
  • Aufklärung: Mehr als ein Gespräch
  • Wie Frauen und Männer gemacht werden:
  • Chancen geschlechtssensibler Erziehung
  • Die Pubertät
  • Selbstbefriedigung: Die normalste Sache der Welt
  • Der erste Samenerguss/Die erste Menstruation
  • Der erste Besuch beim Frauenarzt/der Frauenärztin bzw. beim Männerarzt/der Männerärztin
  • Beziehungsverhalten: Ein gutes Vorbild sein
  • Liebeskummer kennt kein Alter
  • Verhütung
  • Liebe und Sex in digitalen Medien – Chancen und Risiken
  • Hilfe mein Kind hat eine/n Freund/in
  • Mama, Papa, ich möchte bei meinem Freund/meiner Freundin übernachten!
  • Das „Erste Mal“
  • Ich bin schwanger! Was soll ich tun?
  • Sexuelle Orientierung – In wen verliebt sich mein Kind?
  • Sexuellen Missbrauch erkennen und Kinder davor schützen

mit Illustrationen von Christian Thomas.

Lesen sie nach, warum Aufklärung schon ab der Geburt beginnen muss, warum ein Aufklärungsgespräch nicht reicht und warum alle Kinder über Homosexualität Bescheid wissen müssen. Erfahren Sie auch, wie man den Nachwuchs auf das erste Mal vorbereiten kann, was dazu beiträgt, dass Jugendliche auf ihren Körper hören und wie das eigene Beziehungsverhalten Einfluss auf die Sprösslinge hat. Informieren Sie sich, wie ein Gespräch über den ersten Samenerguss bzw. die erste Menstruation aussehen kann, warum ein Internetverbot ein großes Risiko ist, wie Jugendliche soziale Netzwerke sicher verwenden können, aber auch, wie Sie Ihr Kind vor sexuellem Missbrauch schützen können.
 

Schnuppern Sie hinein, in 4 Kapitel des neuen "147 Rat auf Draht" Buches - "Wenn Sex zum Thema wird":

Tipp

Ausschnitt 1: Aufklärung - mehr als nur ein Gespräch

Aufklärung von 0-6 Jahren
Kinder sind neugierig. Sie haben ihre Augen und Ohren überall. Besonders gerne natürlich dort, wo Dinge besprochen werden, die neu und spannend sind. Durch Medien und durch Ältere schnappen sie schnell neue Begriffe auf. Um Ihrem Kind eine solide Grundausstattung an Wissen mitzugeben, sollte es bereits vor der Einschulung gelernt haben, woher die Babys kommen, um Verwirrung durch verzerrende oder womöglich falsche Informationen zu vermeiden.

"Warum schlaft ihr, Papa und du, in einem Bett?" – "Warum habe ich keinen Penis?" – "Wie kommt das Baby in den Bauch?"

Diese und ähnliche Fragen kommen auf Sie zu. Nehmen Sie sie ernst. Manchmal klingen sie banal, manchmal kann man sich das Schmunzeln kaum verkneifen. Aber lachen Sie nicht. An Ihrer Reaktion merkt Ihr Spross, ob Sie ihn ernst nehmen, ob er sich mit Fragen auch zukünftig vertrauensvoll an Sie wenden kann. Kinder geben sich oft schon mit einer kurzen Antwort zufrieden, noch bevor Sie richtig ausholen können. Dann ist es nicht immer leicht, einen Punkt zu machen. Doch überfordern Sie das Kind nicht, halten Sie dann besser inne, kurze, prägnante Antworten sind meist vollkommen ausreichend.

Beispiel
Ein vierjähriges Mädchen fragt: "Wie lange muss man küssen, bis ein Baby entsteht?" Antwort: "Vom Küssen kann man gar nicht schwanger werden, egal wie lange man küsst. Damit ein Baby entsteht, müssen zu erst ganz kleine Zellen eines Mannes durch die Scheide in den Körper einer Frau gelangen. Das kann dann passieren, wenn beide sich lieb haben und miteinander Sex machen. Wenn eine kleine Zelle vom Mann, die heißt Samenzelle, auf eine kleine Zelle der Frau, die Eizelle, trifft, dann kann es sein, dass ein Baby entsteht."
Das Kind wendet sich wahrscheinlich schon nach dem ersten Satz ab und widmet sich etwas anderem, weil seine Frage ja bereits beantwortet

Tipp

Ausschnitt2: Das erste Mal

"Welche Stellung ist die beste für das erste Mal?" - "Muss ich den Penis wirklich blasen?" - "Mein Freund will kein Kondom verwenden, weil man dann nichts spürt. Ich soll mir die Pille besorgen." - "Mein Freund sagt, dass er mit mir Schluss macht, wenn ich nicht mit ihm schlafe." - "Meine Freundin möchte mit mir schlafen, was soll ich tun?"

Eltern haben es schwer. Sie wissen nicht wann, sie wissen nicht wo, oft nicht einmal mit wem ihre Kinder die ersten sexuellen Erfahrungen machen. Da braucht es Langmut und Vertrauen in die eigene Erziehung.

Keine hohen Erwartungen
Jugendliche verknüpfen das erste Mal oft mit romantischen Vorstellungen und hohen Erwartungen. Es ist nicht einfach, diese zu mindern, ohne unabsichtlich noch mehr Druck zu machen. Denn nett gemeinte Aussagen, wie "Das erste Mal Sex ist wie das erste Mal Fahrrad fahren, da fällt man schon mal hin", können in den Ohren von Jugendlichen vieles bedeuten: "Da muss ich also noch üben." – "Oh, nein. Ich werde also auf jeden Fall etwas falsch machen." – "Ich muss herausfinden, was man vorher üben muss."
Am besten lassen sich Erwartungen begegnen, in dem Sie sich nicht nur auf die technische Vorgehensweise konzentrieren, sondern z. B. auch darauf hinweisen, dass es vor allem darum geht, dem anderen ganz nah zu sein.

Tipp

Ausschnitt 3: Liebe und Sexualität in digitalen Medien

Jugendliche vor Pornografie schützen

Pornografische Seiten sind für Jugendliche vor allem deshalb interessant, weil sie ihnen scheinbar Antworten auf genau jene Fragen liefern, die sie im Rahmen der Aufklärung oft nicht beantwortet bekommen. Häufig wissen sie zwar über die rein biologischen bzw. technischen Abläufe Bescheid, nicht aber, wie "es" wirklich geht. Pornografische Darstellungen bieten die Informationen scheinbar in jedem Detail. Jugendliche wissen nicht von selbst, dass Pornografie genauso wenig mit realistischer Sexualität zu tun hat wie fiktive Filmszenen mit realistischen, menschlichen Fähigkeiten. Sie brauchen dazu die Information von uns Erwachsenen. In Beratungsgesprächen wird immer wieder deutlich, dass derartige Darstellungen Jugendliche verunsichern, und zwar dann, wenn sie keine Informationen über reale Sexualität haben.

"Meine Freundin hat beim Sex gar nicht gestöhnt, ich habe aber gesehen, dass Frauen beim Sex immer stöhnen. Hat es ihr nicht gefallen?" – "Muss ich mich im Intimbereich wirklich rasieren? Ich habe das so gesehen." – "Mein Freund und ich hatten schon drei Mal Sex, ich denke, es ist an der Zeit für Analsex. Wie funktioniert das?"
Sexueller Missbrauch

Im Kapitel über sexuellen Missbrauch finden Sie eine Art Leitfaden, was Sie tun können, wenn sich ein Verdacht auftut, aber auch, was wichtig ist zu beachten, wenn sich ein Kind ihnen anvertraut. Ein ausführlicher Teil widmet sich dem Thema: Wie Erziehung helfen kann, sexuellen Missbrauch zu verhindern:
 

Tipp

Ausschnitt 4: Sexueller Missbrauch

Der eigene Körper und die eigenen Grenzen sind ein wichtiges Thema im Rahmen einer präventiven Erziehung. Kinder müssen lernen, dass ihr Körper nur ihnen gehört und nur sie bestimmen dürfen, was damit geschieht. Wichtig ist, dass auch Sie als Eltern die Grenzen ihrer Kinder wahren bzw. erlauben, dass die Kinder auf die Einhaltung bestehen. Möchte Ihr Kind heute nicht mit Ihnen kuscheln, ist es wichtig, das anzuerkennen. Auch wenn das Kind der Oma kein Bussi geben möchte, unterstützen Sie es dabei z. B. mit: "Das ist okay, vielleicht möchtest du der Oma statt dessen winken." Denn wenn ein Kind lernt, dass es Erwachsenen "gehorchen" muss, dann ist es in Gefahrensituationen umso unwahrscheinlicher, dass es sich zu widersprechen traut. Kinder müssen lernen, dass sie auch Erwachsenen und besonders geliebten Menschen widersprechen dürfen und dass auch Personen, die man kennt und lieb hat, nichts tun dürfen, was man selber nicht möchte. Denn sexuelle Gewalt wird häufig von Vertrauenspersonen der Kinder ausgeübt. Je weniger Kinder lernen und erleben, dass es okay ist, NEIN zu sagen, desto weniger wagen sie sich auch bei sexueller Gewalt, NEIN zu sagen. Das beginnt schon dann, wenn jemand so in der Tür steht, dass man an ihm anstreifen müsste, um vorbeizukommen.
Auch wenn Täter/Täterinnen häufiger aus dem nahen Bezugspersonenkreis kommen, sollten Sie mit Kindern auch über mögliche Gefahren durch fremde Menschen reden. Sprechen Sie darüber, dass man generell misstrauisch sein sollte, wenn man von einer Person angesprochen wird, die man nicht kennt! Erklären Sie, dass Personen, die etwas Kriminelles vorhaben, zunächst versuchen, Vertrauen aufzubauen.

Mag. Tina Meyer, geboren 1977 in Wien; Psychologin mit Schwerpunkt "Kinder, Jugend und Familie"; seit 2002 Beraterin bei "147 Rat auf Draht"; verheiratet und Mutter.

Mag. Elke Prochazka, geboren 1978 in Hainburg an der Donau; Klinische und Gesundheitspsychologin, Lerntherapeutin, Adipositastrainerin; seit 10 Jahren Beraterin bei "147 Rat auf Draht".

Konrad Wirnschimmel, geboren 1945 in Wien; Psychotherapeut, Lehrtherapeut für dynamische Gruppenpsychotherapie, Legastheniebetreuer; seit 17 Jahren Berater bei "147 Rat auf Draht"; arbeitet in freier Praxis.