Repräsentative Umfrage zu sexueller Belästigung im Internet

SOS-Kinderdorf und Rat auf Draht haben das Institut für Jugendkulturforschung beauftragt, erstmals österreichweit eine repräsentative Befragung unter 400 Kindern und Jugendlichen zu sexueller Belästigung im Internet durchzuführen. Die Ergebnisse sind alarmierend und zeigen dringenden Handlungsbedarf auf politischer Ebene.
Neue Kontakte knüpfen, Freunde finden und sich verlieben – das passiert laufend in Online-Spielen, Chatportalen und auf Instagram. Stellen sich diese Online-Bekanntschaften jedoch als falsche Freunde oder Kriminelle heraus, wird es unangenehm oder auch gefährlich. 27 Prozent aller Kinder und Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren haben mindestens schon einmal sexuelle Belästigung im Internet erlebt. „Besorgniserregend ist, dass Mädchen mit 40 Prozent dreimal häufiger betroffen sind als Burschen“, meint die Studienleiterin Raphaela Kohout vom Institut für Jugendkulturforschung.

Die Erlebnisse reichen von unangenehmen sexuellen Fragen bis hin zu eindeutigem sexuellen Missbrauch. Sehr häufig werden Nacktfotos oder –videos ungewünscht an Kinder und Jugendliche geschickt oder diese aufgefordert, welche von sich selbst zu senden. Knapp über 10 Prozent der Befragten wurden auch schon einmal erpresst, z.B. mit Nacktfotos. Erfahrungen mit Cyber-Grooming (die Online-Anbahnung von Sexualkontakten mit Kindern und Jugendlichen) haben bereits 14 Prozent aller 11 bis 18-Jährigen gemacht. Bei den Mädchen liegt der Anteil bei 22 Prozent. Der Großteil der sexuellen Belästigung passiert durch unbekannte Personen bzw. Personen, die die Kindern und Jugendlichen nur online kennen und deutlich älter sind als sie.
 
 
 

Die Studienergebnisse zeigen einen dringenden Aufklärungsbedarf. Lediglich 32 Prozent der Befragten wurden über die Gefahren sexueller Übergriffe informiert. Der Großteil der Befragten wünscht sich, dass Kinder und Jugendliche mehr über sexuelle Belästigung im Internet informiert und gewarnt werden. Diese Aufklärung soll am besten in der Schule stattfinden und das schon möglichst am Ende der Volksschule bzw. spätestens mit 10–12 Jahren.
 
SOS-Kinderdorf und Rat auf Draht fordern aufgrund der Studienergebnisse
 
  • eine effektivere Strafverfolgung von sexueller Belästigung und Missbrauch Minderjähriger über digitale Medien,
  • umfassende Gewaltpräventionsprogramme an Schulen im Rahmen einer modernen Medienerziehung,
  • mehr Verantwortung der Seitenbetreiber und großer sozialer Medien, um Kinder und Jugendliche besser vor Übergriffen im Netz zu schützen,
  • eine umfassende Bewusstseinsbildung unter Eltern und Erziehungsberechtigten zu allen Formen sexueller Gewalt, denen Kinder und Jugendliche im Netz ausgesetzt sein können.