Person von hinten mit zwei Gedankenblasen. In den Gedankenblasen steht
CC0 / Pixabay (bearbeitet)

Was macht die Kinder- und Jugendhilfe bei Gewalt?

Viele kennen die Kinder- und Jugendhilfe noch unter der früheren Bezeichnung Jugendamt oder Jugendwohlfahrt. Hier könnt ihr nachlesen, welche Unterstützung die Kinder- und Jugendhilfe bei Gewalt oder Misshandlung anbieten kann.
Traurig aber wahr: In Österreich werden immer noch sehr viele Kinder und Jugendliche von ihren Eltern geschlagen oder misshandelt. Und das, obwohl körperliche Bestrafung, das Zufügen von seelischem Leid, sexueller Missbrauch oder Vernachlässigung von Kindern gesetzlich verboten ist.
 

Viele Kinder oder Jugendliche, die von Gewalt betroffen sind, erkennen, dass es ihnen nicht gut tut Gewalt oder Misshandlung einfach zu ertragen und suchen sich Unterstützung. Manche wenden sich an andere Erwachsene, denen sie vertrauen wie z. B. Großeltern, ältere Geschwister, Tanten, LehrerInnen, JugendbetreuerInnen usw., manche suchen Hilfe bei einer Beratung (VertrauenslehrerInnen, SchulpsychologInnen, Kinderschutzzentren oder anderen Beratungsstellen).
 
 
 

Einen Verdacht auf Gewalt melden?

Manchmal reicht das aus, damit es zu einer Verbesserung kommt, manchmal aber auch nicht. Was aber, wenn man sich nicht traut Hilfe zu holen, z. B. weil man eingeschüchtert wird? Dann kann es vielleicht wichtig sein, dass andere Menschen für sie Hilfe organisieren und einen Verdacht, dass es einem Kind zu Hause nicht gut geht, der Kinder- und Jugendhilfe melden. Auch wenn man sich nicht ganz sicher ist, ob wirklich eine Gefährdung vorliegt, kann man eine Meldung an die Kinder- und Jugendhilfe machen. Es handelt sich ja nur um einen Verdacht, und der wird dann überprüft. Stellt sich heraus, dass es gar keine Gefährdung gibt, hat das für niemanden Folgen. Man kann der Kinder- und Jugendhilfe auch anonym einen Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung melden z. B. durch einen Anruf mit unterdrückter Nummer oder das Schicken eines Briefes.

Manche Berufsgruppen wie z. B. ÄrztInnen, LehrerInnen, JugendbetreuerInnen, Beratungsstellen etc. haben unter gewissen Voraussetzungen auch eine gesetzliche Verpflichtung eine Kindeswohlgefährdung der Kinder- und Jugendhilfe zu melden.
 

Eine Kindeswohlgefährdung liegt auch vor, wenn das Kind oder der Jugendliche nicht selbst geschlagen wird, aber Gewalt in der Familie miterlebt z. B. wenn die Mutter vom Vater geschlagen wird.


Was macht die Kinder- und Jugendhilfe, wenn sie von einer Gefährdung erfährt?


Zuerst versuchen die MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe herauszufinden, ob tatsächlich eine Gefährdung vorhanden ist. In der sogenannten „Gefährdungsabklärung“, die bei Gewalt und Misshandlung immer von zwei SozialarbeiterInnen durchgeführt wird, kann z. B. Kontakt mit Personen aufgenommen werden, die dazu Informationen geben könnten. Dabei wird darauf geschaut, dass es zu keiner „gefährlichen“ Situation für ein Kind oder Jugendlichen kommt. Das bedeutes beispielsweise: Wenn sich z. B. ein Jugendlicher an die Kinder- und Jugendhilfe wendet, kann es sein, dass sich die SozialarbeiterIn mit ihm/ihr an der Schule trifft, damit die Eltern vorerst nichts mitbekommen.

Es wird versucht herauszufinden, wie gefährlich es für das Kind oder den Jugendlichen ist, und ob ein sofortiger Schutz notwendig ist. Je nachdem wie diese Einschätzung ausfällt, können verschiedene Arten von Hilfen in Frage kommen.

Oft wird geglaubt, dass man automatisch von der Familie weg, in eine WG kommt, wenn man sich an die Kinder- und Jugendhilfe wendet. Das ist aber nicht so. Zuerst wird immer geschaut, ob eine Unterstützung möglich ist, ohne dass es zu einer Trennung von der Familie kommt. In so einem Fall macht die Kinder- und Jugendhilfe mit den Eltern eine Vereinbarung, dass sie eine Unterstützung der Erziehung in Anspruch nehmen werden. Das wird dann auch kontrolliert und kann Konsequenzen haben, falls die Eltern sich nicht an diese Vereinbarung halten.

Die Bezeichnungen und Angebote zur Erziehungshilfe sind in den einzelnen Bundesländern ein wenig unterschiedlich. Oft gibt es aber folgende Unterstützungsangebote:
 
  • Beratung oder Therapie: Die Kinder- und Jugendhilfe hat entweder selbst PsychologInnen oder beauftragt eine Beratungsstelle mit der Familie an einer Beseitigung der Gefährdung und Verbesserung der Familiensituation zu arbeiten
 
  • Familienbetreuung, Familienintensivbetreuung: Die Betreuung und Begleitung findet meistens im Lebensumfeld (z. B. Wohnung) der Familie statt und versucht bei der Bewältigung von Problemen, Konflikten und Krisen zu unterstützen.
 


Welche Hilfe könnte für Dich in Frage kommen?
 

Immer wieder fragen uns Jugendliche, was die Kinder- und Jugendhilfe bei ihrer Situation machen würde. Da die Angebote und Vorgehensweisen immer auch ein wenig unterschiedlich sind, können wir das nicht immer selbst beantworten, Wir können aber mit dir, wenn du das willst, gemeinsam anonym über eine Konferenzschaltung bei der Kinder- und Jugendhilfe fragen, was für eine Hilfe für Dich in Frage kommen könnte. Du musst dabei nicht deinen Namen sagen und kannst dir dann immer noch so viel Zeit, wie du brauchst nehmen, um zu entscheiden, ob du das Angebot annehmen willst.
 
 

Wegweisung einer gewalttätigen Person


Wenn die Gewalt hauptsächlich von einer Person im Haushalt ausgeübt oder angedroht wird (egal ob gegen Kinder oder Erwachsene), kann auch eine Wegweisung in Frage kommen. Dabei nimmt die Polizei der gewalttätigen Person (z. B. Elternteil, Großvater, -mutter, Bruder/Schwester) die Wohnungsschlüssel ab und die gewalttätige Person darf die Wohnung zuerst mal für zwei Wochen nicht mehr betreten. Es spielt dabei keine Rolle, wem die Wohnung gehört. Die Polizei kontrolliert das Betretungsverbot, und wenn die gewalttätige Person sich nicht daran hält, wird er/sie bestraft oder eventuell verhaftet.

Auch durch die Wegweisung kann oft erreicht werden, dass von Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche zu Hause wohnen bleiben können.

Bleibt die Gefährdung bestehen, kann das Betretungsverbot bei Gericht auf maximal 4 Wochen verlängert werden. Auch die Kinder- und Jugendhilfe kann bei einer Gefährdung von Kindern und Jugendlichen die Verlängerung des Betretungsverbots für dien gewalttätige Person beantragen.


Krisenunterbringung


Manchmal kann es auch sein, dass die Gefahr oder mögliche Schädigung so groß ist, dass Kinder oder Jugendliche nicht zu Hause bei den Eltern oder einem Elternteil bleiben können. Manche Jugendliche können sich auch erst mal nicht mehr vorstellen weiter bei den Eltern zu leben. Normalerweise wird dann einmal zuerst geschaut, ob es in der Verwandtschaft jemanden gibt, der vorübergehend die Kinder oder Jugendlichen bei sich aufnehmen kann.

Wenn das nicht geht, kann die Kinder- und Jugendhilfe eine vorübergehende Krisenunterbringung woanders veranlassen. Das kann je nach Alter z. B. bei Krisenpflegeeltern sein oder in Wohngruppen, wo die Jugendlichen rund um die Uhr von SozialpädagogInnen betreut werden. Während der Krisenunterbringung finden regelmäßige Gespräche zwischen zuständiger SozialarbeiterIn, SozialpädagogIn den Eltern und Jugendlichen statt. Dabei wird auch darüber gesprochen, was sich ändern muss, damit eine Rückkehr der Kinder oder Jugendlichen in die Familie möglich ist und ein Hilfeplan erstellt. Während der Krisenunterbringung geht man weiter zur Schule und kann Kontakt zu FreundInnen, Geschwistern und Eltern haben.

Wenn sich nach einigen Wochen noch nichts an der gefährdenden Situation in der Familie geändert hat oder die Jugendlichen auf keinen Fall mehr zurück nach Hause wollen, wird eine längerfristige Unterbringung in einer betreuten WG oder bei Pflegeeltern gesucht. In einer betreuten WG sind SozialpädagogInnen rund um die Uhr für die Jugendlichen da. Es gibt dort Regelungen die sich an den Jugendschutzbestimmungen orientieren und man kann dort ganz normal Freizeitaktivitäten nachgehen und Freunde treffen. Auch bei einer Unterbringung in einer WG ist oft eine Rückkehr in die Familie ein Ziel, an dem gemeinsam weitergearbeitet wird.

 


Hilfe bei Problemen mit der Kinder- und Jugendhilfe
 

Manchmal kann es auch sein, dass Eltern, Kinder oder Jugendliche mit der Vorgehensweise der Kinder- und Jugendhilfe unzufrieden sind oder es Probleme mit BetreuerInnen oder Einrichtungen gibt, die mit der Kinder- und Jugendhilfe zusammenarbeiten.

In so einem Fall kann man sich an die österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften wenden.

Die Kinder- und Jugendanwaltschaften in den einzelnen Bundesländern haben die gesetzliche Aufgabe, bei Konflikten zwischen Kinder- und Jugendhilfe und Kindern, Jugendlichen, Eltern oder Angehörigen zu vermitteln. Die Kinder- und Jugendhilfe und andere Behörden sind gesetzlich dazu verpflichtet den Kinder- und Jugendanwälten Auskunft zu geben und eine Kontaktaufnahme mit betreuten Kindern oder Jugendlichen zu ermöglichen.
 
 
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