schwarzer Hintergrund. Darauf rote Silhouette von Striptease Tänzerin
CC0 / pixabay stux

Erpressung nach "Sex-Skype"

Immer mehr Jugendliche melden sich bei uns, die Opfer einer "Sex-Falle" im Internet wurden. Eine junge Frau verleitet Burschen, aber auch Mädchen, dazu, sich vor einer Webcam auszuziehen bzw. sexuelle Handlungen an sich durchzuführen. Dann kommt es zur Erpressung.

Viele betroffene Burschen bzw. junge Männer, aber auch Mädchen und junge Frauen melden sich bei uns, weil sie nach einem "Sex-Skype" erpresst werden und nicht wissen, was sie tun sollen.

So gehen die Erpresser vor

Die Kontaktaufnahme kann überall passieren. Egal ob WhatsApp, Instagram, Facebook oder auch in online Spielen. Ein Mädchen bzw. eine junge Frau nimmt Kontakt auf und beginnt einen Chat, z. B. nachdem du von ihr in einer Spielesituation gerettet wurdest. Oft wird schon nach nur wenigen Chat-Nachrichten vorgeschlagen, in einen Videochat zu gehen, z. B. direkt in WhatsApp oder auch auf Skype zu wechseln. Manchmal dauert es jedoch länger, bis sie das vorschlagen. 

Im Videochat zeigt sich die junge Frau dann meist gleich halb nackt und zieht sich weiter aus. Die Burschen und jungen Männer, aber auch immer wieder Mädchen und Frauen, werden dann aufgefordert, sich selbst auszuziehen bzw. sich selbst zu befriedigen. Viele gehen darauf ein, weil es ja aufregend ist. Zusätzlich fühlen sich viele sicher, weil sich beide Seiten intim zeigen.

 

 
Aber Achtung! Die vermeintlich weibliche Chatpartnerin wird häufig nur vom Band abgespielt und ist ein Lockvogel. Es werden immer wieder kurze Videosequenzen abgespielt, allerdings so gut gemacht, dass man das Gefühl hat, es mit einer Person zu tun zu haben, die gerade tatsächlich vor der Webcam ist. In Wahrheit steckt eine Betrügerbande dahinter. Geht man darauf ein und zieht sich selbst aus, wird das mitgefilmt. Die Sex-Falle schnappt zu. Man spricht auch von Sextortion.
Die erotische Stimmung kippt abrupt. Betroffenen erhalten eine Nachricht und werden darin aufgefordert Geld (häufig 300-500 Euro) innerhalb eines kurzen Zeitraumes zu überweisen. Die BetrügerInnen drohen damit, sonst das Video zu veröffentlichen, es z. B. an die Facebook-Freunde bzw. Eltern weiterzuleiten oder auf YouTube zu stellen.

Manchmal wird auch ein Mail an die Betroffenen geschickt, mit einem Zugangscode bzw. Link, zu einem noch nicht öffentlich zugänglichen YouTube Video. Das Opfer sieht darin das Video, das von ihm aufgezeichnet wurde, und wird aufgefordert, zu bezahlen. Nur so könne man angeblich verhindern, dass das Video für alle öffentlich frei geschalten wird.

Je jünger die Opfer sind, umso eher kann es auch sein, dass kein Geld gefordert wird, sondern weitere sexuelle Handlungen vor der Kamera verlangt werden. Dies kommt allerdings unseres Wissens nach immer seltener vor.

Auch Mädchen und junge Frauen sind davon betroffen, allerdings werden auch sie von Frauen angeschrieben.

 

In die Falle getappt

Viele schämen sich und haben Angst, sich Hilfe zu holen. Dabei handelt es sich um eine klare Erpressung! Häufig trauen sich Betroffene nicht darüber zu sprechen, was ihnen passiert ist. Bei uns bekommt ihr völlig anonym Unterstützung. Es ist keine Schande, wenn man in eine Falle getappt ist. Die Erpressung ist nicht okay und noch dazu verboten! Häufig ist es nur ein Versuch, durch die Angstmache an Geld zu kommen, ohne, dass die Videos tatsächlich veröffentlicht werden. Lass dich nicht einschüchtern und hol dir Unterstützung!

 

Leider schützt auch das sofortige Beenden des Videochats nicht zu 100%. Manchmal werden die kurzen Aufnahmen, die die TäterInnen haben, dazu verwendet, um die Person dann so in ein Video hinein zu montieren, als würde sie jemand anderen bei der Selbstbefriedigung beobachten. Auch dann, wenn man selbst noch völlig angezogen war.
 

In die Falle getappt - was tun?

 

  • Kontakt sofort abbrechen. Videochat direkt beenden. ABER: Sichere noch Beweise und mach z. B. Screenshots vom Erpressungschat.
  • Person wenn möglich an das jeweilige Netzwerk melden (Instagram, Facebook,...) und danach blockieren. Achtung, wenn du zuerst blockierst, kannst du das Profil oft nicht mehr melden.
  • NICHT bezahlen! Die Erfahrungen zeigen, dass das Bezahlen nicht vor der Veröffentlichung schützt. Ganz im Gegenteil, es folgen danach weitere Forderungen und die Erpressung endet nicht!
  • Lass dich nicht zu weiteren sexuellen Handlungen vor der Kamera erpressen!
  • Google Alert einstellen: So wirst du benachrichtigt, wenn etwas mit deinem Namen neu hoch geladen wird, z. B. eben das Erpressungsvideo. Geh dazu auf Google Alert und gib dort den Namen ein, den die Erpresser von dir kennen.
  • Solltest du tatsächlich auf einer Plattform das Video von dir entdecken, wende dich gleich an die BetreiberInnen der Seite. Gerade Facebook z. B. löscht Videos mit sexuellem Inhalt sehr schnell. Du kannst dazu auch unseren direkten Draht zu Facebook nützen. Auch von YouTube wissen wir, dass derartige Videos wieder gelöscht wurden.
 
 

Anzeige erstatten

Wenn du dich traust, Anzeige gegen den Betrugsversuch zu erstatten, kann die Polizei aktiv werden und auch anderen potenziellen Opfern helfen. Überlege, welche erwachsene Vertrauensperson dich bei der Anzeige unterstützen kann.

 
 

Schütze dich!

Viele finden FreundInnen online. Unter netten Leuten gibt es im Netz aber einfach auch genug Personen, die dich abzocken wollen. Ein Grundmisstrauen im Internet gegenüber Personen lohnt sich. Vor allem kann es dich vor so manchen peinlichen und unangenehmen Situationen bewahren!

 

 

  • Wenn dich jemand, den du erst kurz aus dem Internet kennst, sehr schnell zu einem Videochat überreden möchte, ist das meist ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Anders, als wenn du mit jemanden in einen Sex-Chat gehst, den du gut kennst.
  • Gehst du darauf ein, dann schalte deine Webcam später ein, als dein Chatpartner/deine Chatpartnerin.
  • Denk dran, alles, was du vor der Web-Cam machst, kann der/die andere aufzeichnen bzw. Screenshots davon machen.
  • Wenn sich deine Chatpartnerin/dein Chatpartner gleich auszuziehen beginnt, sollten sich alle deine Alarmsignale einschalten, und du solltest den Chat sofort beenden bzw. in keinem Fall den Aufforderungen folgen, dich selbst auszuziehen, wenn deine Webcam an ist!
  • Melde den User/die Userin im sozialen Netzwerk, in dem mit dir Kontakt aufgenommen wurde. So können andere geschützt werden.
 

Was, wenn das Video tatsächlich veröffentlicht wird?

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass man nicht ganz genau sagen kann, ob die ErpresserInnen das Video tatsächlich veröffentlichen oder weiterschicken. Meistens tun sie es nicht, in einigen Fällen aber schon. Ob das passiert, kann man also nicht wirklich beeinflussen. Weder das Bezahlen der Geldforderung noch Verhandeln, Diskutieren oder Drohen schützt vor einer Veröffentlichung. Die gute Nachricht: YouTube oder andere Plattformen löschen derartige Videos sehr schnell, wenn sie darauf aufmerksam werden.
 
Keine Frage, die Tatsache einer möglichen Veröffentlichung erscheint im ersten Moment ziemlich beunruhigend. Hilfreich kann sein, mitzubekommen, dass man nicht der/die einzige ist, dem/der das passiert ist und wie andere damit umgegangen sind. Das Forum ScamSurvivors bietet genau diese Möglichkeit. Dort kannst du mitlesen, was z. B. anderen Betroffenen geholfen hat und dich mit ihnen austauschen.

Zu überlegen, wem du dich anvertrauen könntest, kann entlastend sein. Auch wenn es Überwindung kostet z. B. einem guten Freund oder einer guten Freundin davon zu erzählen, fühlt es sich oft besser an, Belastendes zu teilen. In vielen Fällen bekommt man mehr Verständnis und Unterstützung von FreundInnen als man erwartet hätte.
 
Vielleicht hilft es dir, wenn du dir schon vorab überlegst, wie du reagieren willst, falls du von jemanden auf das Video angesprochen wirst. So kannst du dich für so einen Fall vorbereiten und das Ganze wird für dich kontrollierbarer. Du könntest z. B. mit einer selbstbewussten Haltung sagen, dass du auf eine internationale Erpresserbande reingefallen bist, wie auch schon viele andere junge Männer/Frauen in Österreich.
 
Wenn du willst, können wir auch gern in unseren Beratungsangeboten mit dir überlegen, wie du reagieren kannst, wenn du auf ein veröffentlichtes Video angesprochen wirst.

 
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