Einsamkeit ist ein Gefühl, das man in vielen verschiedenen Situationen fühlen kann. Vielleicht bist du manchmal mit anderen online. Du likest, scrollst, schreibst und trotzdem fühlst du dich dabei einsam. Oder du bist mit einer Freund:innengruppe unterwegs, verbringst Zeit mit deiner Familie und trotzdem ist da dieses Gefühl der Einsamkeit. Vielleicht bist du aber auch manchmal alleine und hast das Gefühl, niemand würde sich für dich interessieren oder gerne Zeit mit dir verbringen.
Was bedeutet aber eigentlich Einsamkeit?
Einsamkeit wird oft definiert als ein Zustand, in dem sich eine Person isoliert oder innerlich von anderen Menschen getrennt fühlt. Es bedeutet, dass ihr soziale Kontakte, echte Nähe oder das Gefühl dazuzugehören fehlt. Dabei macht es keinen Unterschied, wie viele Menschen tatsächlich um einen herum sind.
Ist alleine sein und sich einsam fühlen dasselbe?
Nein, es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen alleine sein und sich einsam fühlen. Während alleine sein bedeutet, sich wirklich physisch ohne andere Menschen aufzuhalten, beschreibt einsam sein, sich innerlich getrennt oder isoliert zu fühlen, unabhängig davon, ob tatsächlich andere Menschen rundherum sind oder nicht.
In manchen Situationen ist man vielleicht auch ganz gerne alleine. Manche Menschen genießen es, Zeit für sich zu haben, zum Beispiel zum Chillen, Nachdenken, Zocken, Musik hören oder um einfach mal ihre Ruhe zu haben.
Und in anderen Momenten fühlt sich das Alleinsein vielleicht nicht gut an, sondern eher wie ein Abgeschnittensein oder Ausgeschlossensein. Man fühlt sich einsam.
Wie sich Einsamkeit anfühlen kann
Einsamkeit kann sich sehr unterschiedlich anfühlen. Manche fühlen sich unsichtbar, außen vor oder nicht wichtig genug. Andere haben das Gefühl, dass alle anderen einen Platz haben, nur sie nicht. Manche ziehen sich dann auch zurück, haben weniger Lust auf Treffen oder sind vielleicht auch schneller gereizt. Oder sie sind ständig online, fühlen sich aber trotzdem danach leerer als vorher.
Warum fühle ich mich einsam?
Vor allem Jugendliche fühlen sich aus den unterschiedlichsten Gründen einsam.
Viele sind gerade in dieser Zeit auf der Suche nach ihrem „Ich“. Sie versuchen herauszufinden, wer sie sind und wo sie dazugehören. Diese Unsicherheit kann dazu führen, sich unverstanden und isoliert zu fühlen. Manche merken auch, dass sie mit den Freund:innen nicht mehr so viele Gemeinsamkeiten haben und sich vielleicht in unterschiedliche Richtungen entwickeln.
In der Pubertät verändern sich oft Freundschaften, man wechselt die Klasse oder die Schule oder beginnt eine Ausbildung. Da kommt es zu ganz schön vielen Veränderungen und Umbrüchen. Diese Veränderungen führen nicht selten dazu, dass man den Kontakt zu bestimmten Personen verliert und dadurch das Gefühl von Einsamkeit entsteht.
Auch der Start in einer neuen Klasse, in der man noch niemanden kennt und nicht weiß, wie die anderen ticken, kann dazu führen, dass man Angst hat, etwas falsch zu machen oder nicht sofort Anschluss zu finden. Besonders am Anfang, kann das das Gefühl, allein zu sein, verstärken.
Manche stehen auch unter einem sehr hohen Leistungsdruck. Sie wollen in der Schule, im Sport oder in anderen Bereichen die besten Leistungen erzielen und beweisen, was sie können. Aber auch, wer das Gefühl hat, den Erwartungen nicht zu entsprechen oder nicht dazuzugehören, kann sich einsam fühlen.
Auch der Vergleich mit anderen kann manchmal dazu führen, dass man sich einsam fühlt. Gerade durch die Sozialen Medien hat man oft das Gefühl, dass andere ein scheinbar perfektes Leben führen, ihnen alles gelingt, sie immer Spaß haben und nie Probleme. Wenn man sich mit diesem Bild – das so oft gar nicht stimmt – vergleicht, kann man schnell das Gefühl bekommen, „nicht gut genug“ zu sein und das kann leicht das Gefühl von Einsamkeit verstärken.
Manche erleben oder haben Mobbing erlebt. Sie wurden ausgegrenzt, ausgelacht oder beleidigt. Auch diese Erfahrung kann dazu führen, dass man sich isoliert und einsam fühlt.
Bist du von Mobbing betroffen? - In unserem Artikel Mobbing in der Schule haben wir viele Tipps gesammelt.
Aber auch die Situation zuhause kann dazu führen, dass man sich einsam fühlt. Durch Streitereien, unterschiedliche Ansichten oder andere schwierige Momente zuhause, kann das Gefühl von Einsamkeit ebenfalls verstärkt werden.
Wann wird Einsamkeit zum Problem?
Einsamkeit ist ein Gefühl, das fast jede:r kennt – manchmal fühlen wir uns nicht verstanden oder haben das Gefühl gerade „außen vor“ oder nicht wichtig zu sein. Das ist erstmal ganz normal und passiert vielen. Problematisch wird es aber, wenn dieses Gefühl länger anhält oder dich richtig runterzieht.
Einsamkeit wir dann zum Problem, wenn …
… du dich über längere Zeit traurig, leer und wertlos fühlst.
… du immer weniger Lust hast, dich mit Freund:innen zu treffen oder etwas zu unternehmen.
… du das Gefühl hast, mit niemandem reden zu können – auch nicht mit deiner Familie oder vertrauten Personen.
… du merkst, dass du schlechter schläfst, wenig Energie hast oder dich in der Schule oder im Alltag kaum noch konzentrieren kannst.
… du dich ständig vergleichst und das Gefühl hast, nicht gut genug zu sein.
… du viel am Handy hängst, du ewig durch Social Media scrollst, dich aber danach schlechter und außen vor fühlst.
… Gefühle wie Traurigkeit, Langeweile oder Angst öfter auftauchen und du nicht genau weißt warum.
… du Angst hast, wenn du mal was alleine machen sollst oder du Zeit mit dir alleine zu verbringen, ganz schwer aushältst.
Was tun gegen Einsamkeit?
Ganz wichtig: Du bist nicht alleine damit! Es gibt viele Jugendliche, denen es ähnlich geht. Für viele ist Einsamkeit ein unangenehmes Gefühl, bei dem es schwerfällt, einen Ausweg zu sehen.
Deshalb haben wir ein paar Tipps gesammelt, was man tun kann, wenn man sich einsam fühlt:
Manchmal hilft es schon, mit jemandem über seine Gefühle zu sprechen – egal ob Freund:innen, Eltern, Lehrer:innen oder mit uns.
Oft führt Einsamkeit auch zu so einer Art Teufelskreis. Weil man sich ausgeschlossen und alleine fühlt, zieht man sich immer weiter zurück und unternimmt immer weniger und das kann dann wiederum das Gefühl der Einsamkeit verstärken. Auch wenn es schwerfällt, versuche dich nicht komplett zurückzuziehen. Vielleicht gibt es ja doch etwas, was du dir vorstellen kannst auszuprobieren wie rauszugehen, einen Spaziergang zu machen, Rad zu fahren oder ein neues Hobby auszuprobieren.
Viele Personen, die sich einsam fühlen stellen sich die Frage „Wie finde ich neue Freund:innen?“
Es kann auch hilfreich sein, neue Dinge auszuprobieren. Vielleicht gibt es bei dir in der Nähe einen Verein, eine Gruppe oder einen Kurs, der dich interessiert. So lernst du neue Leute kennen, die ähnliche Interessen haben wie du.
Mehr Tipps um neue Freund:innen zu finden, findest du in unserem Artikel Freund:innen finden
Wenn man sich einsam fühlt, führt das manchmal auch dazu, dass man schon davon ausgeht, dass andere Personen sich gar nicht für einen interessieren. Versuche diesen Kreislauf zu durchbrechen. Zum Beispiel mit einem Lächeln oder einem kurzen Gespräch.
Aber wie spreche ich jemanden an?
Manchmal können Kleinigkeiten dabei helfen mit einer Person ins Gespräch zu kommen. Zum Beispiel kann man die Person nach der Uhrzeit fragen. Oder wenn man die Person schon etwas besser kennt, kann man sie fragen, wie ihr Wochenende war oder ob sie auch schon den neusten Film gesehen oder von der neuen Serie gehört hat.
Wenn du neu in einem Verein oder einem Kurs startest, kann es vielleicht hilfreich sein zu schauen, wer außer dir noch niemanden kennt und die Person dann zum Beispiel zu fragen, ob sie auch alleine hier ist oder ob sie sich hier schon auskennt.
Wenn du weißt, dass ihr das gleiche Hobby habt, dann kannst du auch das als Gesprächseinstieg nutzen oder du nutzt, das, was gerade um euch herum passiert, wie zum Beispiel „Weißt du, wann die Pause anfängt?“
Nicht jedes Gespräch wird gleich zu einer Freundschaft führen. Das ist normal! Je öfter du übst, desto leichter wird es dir fallen andere anzusprechen. Bleib du selbst und verstell dich nicht. Es ist völlig okay, aufgeregt zu sein oder nicht immer die perfekten Worte zu finden. Ehrlichkeit kommt meistens am besten an.
Auch online kann man Personen, mit gleichen Interessen finden. Gleichzeitig können Vergleiche auf Social Media einen auch ganz schön runterziehen. Achte bei den Plattformen darauf, dass du dich dort wohl fühlst und es vielleicht ein Ort ist, an dem du dich ehrlich austauschen kannst.
Es ist okay einen Schritt nach dem anderen zu setzen. Du musst nicht sofort eine riesige Freund:innengruppe finden. Es ist total okay, erstmal zu versuchen kleine Dinge zu unternehmen, die dir guttun oder einzelne Personen nach einem Treffen zu fragen.
Einsamkeit geht oft nicht von heute auf morgen weg. Sei geduldig mit dir selbst. Gib dir Zeit und mach dir keinen Druck.
Wenn du merkst, dass du alleine nicht rauskommst oder es dir richtig schlecht geht, ist es kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe zu suchen. Jede:r hat manchmal schwierige Phasen, es ist mutig, sich dann Hilfe zu suchen. Du bist es wert, dass es dir besser geht. In unseren Beratungsangeboten sind wir gerne für dich da!
Einsam obwohl nicht alleine
Manchmal fühlt man sich auch einsam, obwohl man gerade von Freund:innen umgeben ist oder gemeinsam etwas unternimmt. Das kommt tatsächlich viel öfter vor, als viele denken.
Es ist okay, sich so zu fühlen. Einsamkeit ist ein Gefühl und kein Zeichen dafür, dass mit dir etwas „falsch“ ist. Viele erleben das – du bist damit nicht allein!
In solchen Momenten kann es hilfreich sein sich zu überlegen, was dir gerade fehlt. Manchmal fehlt zum Beispiel echte Nähe, Vertrauen oder das Gefühl, wirklich verstanden zu werden.
Wenn du dich traust, kann es gut tun mit einer Person aus deinem Freundeskreis offen darüber zu sprechen, wie es dir geht. Oft merken andere gar nicht, dass du dich einsam fühlst – oder vielleicht geht es ihnen sogar ähnlich.
Manchmal bleibt man in Gruppen nur an der Oberfläche und redet über „das Übliche“. Vielleicht magst du mal probieren eine Person nach einem Treffen zu zweit zu fragen – oft entstehen so tiefere Verbindungen.
Vielleicht hilft es dir auch, deine Gefühle aufzuschreiben, Musik zu machen oder zu zeichnen. So kannst du dich selbst besser verstehen und verarbeiten, was dich beschäftigt.
Vielleicht machst du dir auch Sorgen, ob es sich dabei noch um Einsamkeit handelt oder schon eine Depression ist.
Depression ist mehr als „nur“ Traurigkeit oder Einsamkeit. Es ist eine Krankheit, die das ganze Leben beeinflussen kann. Typisch für eine Depression ist, dass die traurige oder leere Stimmung über längere Zeit bleibt, oft über Wochen oder sogar Monate. Auch wenn du dich mit anderen triffst, wirst du das Gefühl oft nicht los. Es fehlt die Energie, alles ist anstrengend, manchmal fühlst du dich hoffnungslos oder wertlos.
Woran kannst du den Unterschied merken?
Einsamkeit:
- Du fühlst dich schlecht, weil du zu wenig Kontakt hast oder dich ausgeschlossen fühlst.
- Es tut dir gut, wenn du jemanden triffst, dich austauschst oder mal rausgehst.
- Das Gefühl verschwindet oder wird weniger, wenn du wieder Anschluss findest.
Depression:
- Die traurige oder leere Stimmung bleibt, egal was du tust und wie viele Leute du siehst.
- Du hast kaum noch Freude an irgendetwas, bist oft müde, kannst schlecht schlafen oder hast keinen Appetit.
- Du fühlst dich wertlos, hast keine Hoffnung mehr und weißt manchmal gar nicht, warum du dich so schlecht fühlst.
- Manchmal kommen sogar Gedanken auf, dass alles keinen Sinn mehr macht.
Wann solltest du dir Hilfe holen?
- Wenn du dich seit mehr als zwei Wochen durchgehend sehr schlecht fühlst und nichts hilft.
- Wenn du das Gefühl hast, dass du keinen Ausweg mehr siehst.
- Wenn du an nichts mehr Freude hast und dich selbst nicht mehr wiedererkennst.
- Wenn du Gedanken hast, dass du nicht mehr leben möchtest.
Das sind Warnzeichen, bei denen du nicht allein bleiben musst. Es ist wichtig, dann mit jemandem darüber zu reden zum Beispiel mit einer Vertrauensperson, einer Beratungsstelle oder Ärzt:innen.
Mehr Infos zum Thema Depression findest du in unserem Artikel zum Thema Depression. Dort bekommst du noch mehr Hinweise, wie sich eine Depression anfühlen kann und was du tun kannst.
Tipp
Sich einsam zu fühlen kann viele verschiedene Facetten haben und sich unterschiedlich zeigen und anfühlen. Der Unterschied liegt darin, wie du dich dabei fühlst: Wenn das Alleinsein für dich passt, ist das völlig in Ordnung. Wenn du dich dabei aber innerlich leer oder ausgeschlossen fühlst, die Einsamkeit also belastend für dich ist, kann es hilfreich sein dir Unterstützung zu holen. Wenn du darüber reden oder schreiben magst, melde dich gerne in unseren Beratungsangeboten.