Mädchen sitzt traurig am Boden, im Hintergrund lachen andere Schüler

Mobbing – Was hat geholfen?

Wir haben euch in einer anonymen Umfrage nach euren Erfahrungen im Umgang mit Mobbing in der Klasse und der Schule gefragt und vor allem - was bei euch funktioniert hat, um Mobbing zu stoppen.

Was hat geholfen?

Ganz ehrlich habt ihr erzählt, was ausprobiert wurde und was dabei mehr oder auch weniger geholfen hat. Einige haben uns auch erlaubt, ihre Lösungsstrategien in anonymer Form im Artikel zu verwenden Auch wenn wir wissen, was alles an Schulen passiert, haben uns eure Schilderungen sehr berührt!

Es gibt bei Mobbing leider keine Strategie, die immer und 100%ig funktioniert. Es kann aber helfen, sich zu überlegen, was man vielleicht in der eigenen Situation probieren könnte bzw. auch, was man sich davon am Ehesten zutraut. Die Auflistung der Tipps zeigt euch, was Anderen schon einmal geholfen hat.

Tipp

Sich anvertrauen

Viele haben geschrieben, dass es bereits eine Erleichterung ist, wenn man sich traut, sich jemandem anzuvertrauen. Dabei sollte das eine Person sein, der man wirklich vertraut. Das können Eltern, Freund*innen, Lehrer*innen, Geschwister etc. sein. Meist spürt man selbst sehr deutlich, wer so eine Person sein könnte.

"Ich habe mit Verwandten darüber geredet und mit Leuten, mit denen ich gut klarkomme. Ich habe mich geöffnet, aber das hat erst einige Zeit gedauert, bis es so weit war."

Unser Tipp: Wenn ihr euch jemandem anvertraut, dann kann es echt hilfreich sein, klar zu sagen, was ihr euch von der Person wünscht, aber auch, was die Person auf keinen Fall machen soll. Schließlich wisst ihr besser als Erwachsene, was in der Schule los ist. Da seid ihr die Expert*innen! Falls ihr erlebt, dass euch nicht geglaubt wird, kann das viele Gefühle auslösen, vielleicht frustrieren, kränken oder ärgern. Auch mit all diesen Gefühlen ist es wichtig, nicht aufzugeben Erzählt so lange davon bzw. so vielen, bis euch jemand glaubt!
 

Selbstbewusstsein

Einige haben darüber berichtet, dass sich die Situation verbessert hat, als sie es geschafft haben, Selbstbewusstsein zu zeigen bzw. es geschafft haben, zunächst einmal Selbstbewusstsein "vorzuspielen". Es geht darum, dass die anderen die eigene Angst oder auch die Verletztheit nicht spüren. Man tut quasi so, als wäre es einem*einer egal. So kann es gelingen, die Täter*innen zu langweilen. Auch Lachen kann dazu beitragen, dass sich die Situation verbessert.
 

"Persönlich denke ich, hilft nur, wenn man sich keine Angst anmerken lässt und versucht gerade zu gehen, um selbstbewusst zu wirken. Solche Kleinigkeiten machen schon viel aus."

"Empfehlenswert finde ich, einfach lachen. Auch wenn es schwerfällt, aber wenn man einfach so tut, als fände man es lustig und als ob sie die Beleidigungen nur zum Spaß sagen würden."

"Ich hab einfach so getan als sei es mir egal. Ich glaub das ist auch am besten, da es ihnen irgendwann vergeht und sie dann aufhören."
 

Unser Tipp: Wenn man den anderen nicht zeigt, dass es ihnen gelingt, einen zu verletzen, kann das dazu führen, dass sie schlichtweg irgendwann das Interesse verlieren. Zusätzlich zeigt man anderen schon allein durch das Verhalten, dass man sich nicht bzw. nicht mehr fertig machen lässt. Zum Beispiel durch einen direkten Blick in die Augen, gerade Schultern oder auch eine laute Stimme. Das ist natürlich nicht immer einfach, aber man kann das auch zu Hause üben. Beispielsweise indem man sich die Person vorstellt, die einen immer wieder angeht, eine Reaktion einübt und dabei beobachtet, wie man wirkt. Macht man sich groß oder klein? Spricht man leise und eingeschüchtert oder laut und deutlich? So kann man Schritt für Schritt mehr Sicherheit in der tatsächlichen Situation gewinnen.
 

Lehrkräfte

Lehrkräfte

Einige von euch haben sich an Lehrkräfte gewandt. Viele haben dadurch auch Hilfe bekommen. Eine Person hat uns beispielsweise anvertraut, dass es zunächst zwar nur einige Wochen besser war, sie sich danach aber auch wieder an die Lehrkraft wenden konnte. Manche haben auch geschrieben, dass eine Lehrkraft selbst sofort eingegriffen hat, als sie eine Mobbingsituation beobachtet hat.

Leider gibt es auch Lehrkräfte und Direktionen, die gar nichts oder zu wenig unternommen haben, um das Mobbing zu stoppen. Einige haben berichtet, dass das Mobbing auch direkt vor den Lehrkräften stattgefunden hat und dem von der Schule nicht nachgegangen wurde.

"Die Lehrer sagten auch oft was, aber so richtig durchsetzen konnten sie sich auch nicht & mit der Zeit haben sie es dann auch aufgegeben."

Dabei braucht es bei schweren Mobbing-Vorfällen auf jeden Fall die Unterstützung der gesamten Schule (Lehrkräfte und Direktion), um Mobbing an der Schule zu verhindern bzw. so schnell als möglich zu stoppen.

Unser Tipp: Meist spürt man selbst, welchem*welcher Lehrer*in man am meisten vertraut und wem man zutraut, einen in dieser schwierigen Situation zu unterstützen. Hört auf euer Gefühl! Wenn ihr nicht ernst genommen werdet, dann fertigt entweder selbst oder mit einem*einer Erwachsenen ein Protokoll an, in dem ihr auflistet, was bereits alles vorgefallen ist. Mit diesem Protokoll kann der*die Erwachsene in die Schule gehen und Unterstützung einfordern. Auch dabei ist es wichtig, zu sagen, was man auf keinen Fall möchte (z. B., dass vor der Klasse darüber gesprochen wird).

 

147 Rat auf Draht

Auch wir, als anonyme Beratungsstelle, wurden von einigen von euch genannt. Ihr erlebt als hilfreich, dass wir euch glauben und euch ernst nehmen, dass wir zuhören und Mut zusprechen.

Unser Tipp: Wir sind jederzeit für euch da, egal ob am Telefon unter 147, der Online Beratung oder auch im Chat. Wir wissen, wie weh es tut, von anderen gemobbt zu werden. Gemeinsam versuchen wir mit euch eine erste Lösung zu finden.

Eure Erlebnisse

Auch wenn eure Schilderungen alle anonym verfasst sind, werden wir hier eure Erlebnisse nicht im Detail anführen. Dazu sind die Vorkommnisse zu persönlich. Der Schutz eurer Privatsphäre und eure Anonymität sind uns das Wichtigste. Wir nennen hier lediglich Ausschnitte in Form von Beispielen, was ihr im Rahmen von Mobbing erlebt habt:

Ausgeschlossen Werden ... "Ich hab mich ständig unwohl gefühlt durch das Ausgeschlossen-Werden."

Beschimpft Werden ... "Alle fanden auf einmal ganz neue Sachen wie, ich rasiere mich nicht (stimmt gar nicht), ich bin gestört."

Mehrere verbünden sich gegen einen ... "Das Schlimmste war aber, dass er alle Jungs dazu anstiftete mit zu machen."

Körperliche Gewalt ... "Man hat mich geschlagen, mich mit Steinen beworfen, gejagt und ausgeschlossen und man hat mir gedroht mich umzubringen."

Cyber-Mobbing ... "Ich wurde übers Internet gemobbt. Ich wurde als eine Hure bezeichnet und dass ich hässlich und fett bin, obwohl mich die Person noch nie gesehen hatte."

Was hat nicht geholfen?

Wie gesagt, es gibt nicht DEN Tipp, der immer funktioniert oder gar nie funktioniert. Wir fassen hier persönliche Erlebnisse von euch zusammen. Mehrheitlich habt ihr folgendes genannt, das eher schlecht geklappt hat:

Zurück beleidigen
Das bringt meist nichts und verstärkt im Gegenteil das Mobbing möglicherweise noch zusätzlich. "Davon würde ich Jedem abraten, da es ihnen egal ist, was ihr ''Opfer'' sagt & weil es sie auch noch wütender machen könnte." Da hilft es eher, zu versuchen, mit Humor zu kontern.


"Mobber" selbst ansprechen
Auch das ist meist wenig zielführend und kann das Mobbing im schlimmsten Fall noch verschlimmern.

Alles in sich "hineinfressen"
Wenn man versucht, alles mit sich selbst auszumachen, dann schafft man das irgendwann nicht mehr. Mobbing kann sich sehr stark auf das eigene Selbstbewusstsein auswirken. "Ich war zerbrechlich und überhaupt nicht selbstbewusst, ich hatte Selbstzweifel, mein Gewissen nagte an mir. Ich wurde fast magersüchtig dadurch."


Sich zurück ziehen
Auch wenn es schwierig ist, ist es wichtig, zu versuchen, man selbst zu bleiben. "Ich zog mich zurück und wurde dadurch immer unbeliebter, nicht nur bei meinen Mobbern, sondern bei allen. Ich war leichte Beute."

Wenn Lehrer*innen Probleme vor der ganzen Klasse ansprechen
Das erlebt ihr als sehr unangenehm und hat euren Erzählungen nach, nicht zur Verbesserung beigetragen. Haben Lehrkräfte allerdings direkt bei Mobbinghandlungen eingegriffen oder mit den Täter*innen gesprochen und in weiterer Folge klare Grenzen bzw. Konsequenzen gesetzt, konnten Lehrer*innen und auch Direktionen sehr viel zu einer Verbesserung beitragen.

Ignorieren
Als gar nicht hilfreich erlebt ihr Ignorieren, im Sinne, von überhaupt nichts unternehmen. Ignorieren kann eher dann helfen, wenn man den anderen keine Reaktion auf ihre Aktionen zeigt. Da Mobbing kaum von selbst wieder aufhört, ist es wirklich wichtig, sich Hilfe zu holen.

 

"Nichts hat geholfen"

Einige von euch haben uns berichtet, dass einfach nichts geholfen hat. Wir wollen euch wirklich Mut machen, nicht aufzugeben, falls ihr von Mobbing betroffen seid. Ihr habt ein Recht auf ein gewaltfreies Umfeld! Kämpft so lange weiter, bis ihr Unterstützung bekommt.
Wir sind gerne für euch da, um euch neuen Mut zu machen und um mit euch zu überlegen, was in eurer persönlichen Situation helfen könnte. Falls eure Eltern vor einem Gespräch mit der Schule Interesse an einer Beratung haben, können sie sich an die Rat auf Draht Elternseite wenden.

Viele Tipps und Anregungen im Umgang mit Mobbing findet ihr auch hier:

Folge uns

Aktuelle Tipps & Infos von uns findest du auch auf unseren Social Media Kanälen: