Wie komme ich zu einer Therapie?
Hier findest du Infos dazu, wie du eine:n Klinischen Psycholog:in, Psychotherapeut:in, Psychiater:in oder Lebens- und Sozialarbeiter:in findest, wie ein Erstgespräch abläuft, wie hoch die Kosten sind und wann etwas von der Krankenkasse bezahlt wird.
Wie beginne ich die Suche nach einer Therapie oder einem Unterstützungsangebot?
Zu Beginn kann es hilfreich sein sich die Frage zu stellen, ob man sich gleich direkt an eine bestimmte Fachperson oder erstmal an eine Beratungsstelle wenden mag. Die Wahl kann auch unterschiedlich sein, je nachdem ob es sich um unmittelbare und akute Unterstützung handelt, die benötigt wird oder ob es auch aushaltbar wäre, wenn es bis zum ersten Termin ein bisschen Zeit braucht.
In unserem Artikel Wegweiser Psychische Gesundheit – wer hilft wann und wo? kannst du nachlesen, was die einzelnen Berufsgruppen unterscheidet. Hast du für dich eine Idee, welche Berufsgruppe passen könnte, kannst du auf unterschiedlichen Seiten nach Einzelpersonen dieses Berufs suchen:
Tipp
Auch dein:e Hausärzt:in ist eine wichtige Erstansprechperson und „Brücke“ zur weiteren Versorgung. Wenn du dich bei deinem oder deiner Hausärzt:in wohlfühlst, kannst du auch ihr oder ihm erzählen, wie es dir geht und weitere Unterstützung einfordern.
Du kannst auch bei psychiatrischen Krankenhäusern in deiner Umgebung erfragen, welche ambulanten Angebote es gibt. Ambulant bedeutet, dass man nicht über Nacht dortbleibt, sondern zu Terminen hingeht und sonst den eigenen Alltag wie bisher hat. Es werden z. B. Gespräche angeboten, oder auch Diagnostik bzw. individuelle weiterführende Unterstützung, je nachdem, was es grad braucht und was vom Angebot dort abdeckbar ist.
Wie schnell bekomme ich einen Therapieplatz bzw. einen Platz bei einem Unterstützungsangebot?
Bei Beratungsstellen vor Ort oder auch einzelnen Fachpersonen kann relativ schnell ein Platz frei sein, es kann aber auch zu Wartezeiten kommen. Es kommt darauf an, zu welcher Berufsgruppe du möchtest und wie viel Angebot es bei dir vor Ort gibt. Und es kommt auch auf die Art der Finanzierung an. Beispielsweise können voll über die Krankenkasse finanzierte Plätze (weil es nur eine bestimmte Anzahl gibt) etwa mit deutlich mehr Wartezeiten verbunden sein, als wenn man die Kosten selbst zahlt. Es kann sich jedenfalls lohnen, bei ein paar Stellen oder auch ein paar Einzelpersonen anzurufen und nachzufragen, damit man ein paar Vergleichswerte hat.
Hilfe bei akuten psychischen Krisen
In Momenten, in denen es Menschen sehr schlecht geht und unmittelbare Hilfe notwendig ist, gibt es spezifisch dafür ausgerichtete Unterstützungen, z. B. Stellen, die rund um die Uhr erreichbar sind. Psychiatrische Abteilungen und Ambulanzen der Krankenhäuser sind auch wichtige Ansprechstellen. Wenn es dir akut schlecht geht, melde dich gern bei uns – wir sind rund um die Uhr unter 147 telefonisch erreichbar und können dann gemeinsam besprechen, welche Hilfe für dich grad passend ist.
Unter Notrufnummern und Notschlafstellen findest du einige Unterstützungsangebote für akute psychische Krisen in den jeweiligen Bundesländern.
So komme ich zu einer Therapie bzw. einem Unterstützungsangebot
Wenn du dich für eine Person entschieden hast, geht es als nächstes darum, diese Person zu kontaktieren. Du kannst das per Telefon oder Mail tun, manche haben auch ein Kontaktformular auf der Homepage. Bei diesem ersten Kontaktaufnehmen geht es darum, kurz zu schildern, weswegen man sich an die Person wendet, also was das Anliegen ist und um abzuklären, ob die gewählte Unterstützungsperson noch freie Termine hat. Auch erste Rahmenbedingungen wie z. B. die Kosten lassen sich da schon erfragen.
Formulierungsideen für eine Kontaktaufnahme
Guten Tag ..., ich merke, dass ich in letzter Zeit ... (z. B. schlecht schlafe/mich einiges belastet/ich nicht mehr wirklich entspannen kann/etc.). Ich möchte mir gern Unterstützung holen und einen Termin für ein Erstgespräch ausmachen. Haben Sie derzeit noch Termine frei? Wie sieht es mit den Kosten aus? Danke und mit freundlichen Grüßen ...
Wie läuft das Erstgespräch ab?
Wenn alles passt, ist der nächste Schritt dann die erste Einheit - diese dient einmal dem Kennenlernen. Es geht darum, zu klären, worum es gehen soll und ob die Person die richtige Ansprechstelle für das Anliegen ist. Es wird auch der Rahmen ausführlich besprochen, z. B. die Kosten, in welchen Abständen es Termine geben soll etc. Zudem geht es darum zu schauen, ob ein gemeinsames Arbeiten für beide Seiten vorstellbar ist.
Da wir alle individuell sind und es stark darauf ankommt, ob man sich bei der professionellen Unterstützungsperson gut aufgehoben fühlt, kann es durchaus sein, dass es mehrere Erstgespräche bei unterschiedlichen Personen braucht, bis man jemanden gefunden hat, bei dem oder der es für einen gut passt.
Diese Erstgespräche werden manchmal vergünstigt oder sogar kostenlos angeboten.
Vertrauensverhältnis
Für eine hilfreiche Unterstützung ist Vertrauen und eine „Passung“ zwischen dir und dem oder der professionellen Helfer:in besonders wichtig. Geht es doch darum, sich so gut aufgehoben zu fühlen, dass du dich auch traust, anzusprechen, was dich beschäftigt. Es kann daher auch durchaus sein, dass es das Kennenlernen von mehreren Professionist:innen braucht, bis du jemanden gefunden hast, wo es für dich passt. Den Unterstützungspersonen ist das bewusst und sie nehmen es auch nicht “übel”, wenn man sich nach dem Erstgespräch dafür entscheidet, dass man dort nicht weiter hingehen möchte.
Verschwiegenheit
Um Vertrauen haben zu können ist es auch wichtig, zu wissen, dass das, was man dort erzählt auch in „guten Händen“ ist und nicht weitererzählt wird.
Wie viel kostet die Unterstützung?
Die Kosten sind sehr unterschiedlich. In Beratungsstellen ist meist ein geringerer Kostenbeitrag zu zahlen. Wenn du direkt in die Praxis zu jemanden gehst, kommt es drauf an, ob du die Kosten privat zahlst oder ob du mit deiner Krankenversicherung etwas gegenrechnen oder sogar vollfinanzieren kannst bzw. möchtest. Die Spanne reicht ca. von 80-150 Euro pro Einheit, es sind aber durchaus auch deutliche Abweichungen möglich.
- Psychiater:innen haben entweder einen Vertrag mit deiner Krankenkasse, dann musst du nichts selbst bezahlen und die Kosten werden über die e-Card abgerechnet. Oder sie sind sogenannte Wahlärzt:innen, dann zahlst du die Kosten vorab privat und bekommst entweder später einen Teil von deiner Krankenkasse zurück, oder du zahlst alles komplett selbst.
- Bei Psychotherapeut:innen und Klinischen Psycholog:innen gibt es die Möglichkeit, dass die Krankenkasse die Kosten übernimmt, oder du kannst im Nachhinein einen Kostenzuschuss von der Krankenversicherung zurückfordern oder du zahlst die Kosten selbst.
Eine Möglichkeit für etwas günstigere Psychotherapie ist es, zu Psychotherapeut:innen in Ausbildung unter Supervision zu gehen. Diese Personen sind noch in ihrer Ausbildung, haben aber schon einen großen Teil der Ausbildung hinter sich. „Unter Supervision“ bedeutet, dass sie ihr fachliches Tun und die Fälle anonymisiert regelmäßig mit einem oder einer Lehrtherapeut:in besprechen und reflektieren. Bei Psychotherapeut:innen unter Supervision ist es nicht möglich, einen Kostenzuschuss von der Krankenkasse zu bekommen.
Was übernimmt die Krankenkasse?
Für einen Kostenzuschuss durch die Krankenkasse gibt es einige Voraussetzungen. Beispielsweise braucht es eine Diagnose und auch ein ärztliches Attest, dass körperliche Erkrankungen, die auch mit hineinspielen könnten, ausgeschlossen sind. Wie viel Geld du genau zurückbekommst, hängt von deiner Krankenkasse ab. Hier findest du weitere Infos zu den Voraussetzungen, zur Antragsstellung auf einen Kostenzuschuss und einen Überblick, welche Krankenkasse aktuell welchen Betrag rückerstattet:
Für Psychotherapie beim Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie und auf psyonline.at.
Für klinisch-psychologische Behandlung unter Informationen zum Kostenzuschuss von klinisch-psychologischer Behandlung.
Es gibt auch sogenannte vollfinanzierte Plätze für Psychotherapie und klinisch-psychologische Behandlung, da werden die Kosten also ganz von der Krankenkasse übernommen.
Du kannst dich für Kassenplätze bzgl. Psychotherapie z. B. beim Landesverband für Psychotherapie deines Bundeslandes erkundigen, auf der Homepage gibt es manchmal auch schon Einblicke oder Infos über Clearingstellen. Auch auf der Homepage deiner Krankenkasse kannst du nach Infos dazu schauen.
Für klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenleistung kannst du dich bei Psyhelp anmelden.
Für vollfinanzierte Plätze gibt es meist eine Warteliste.
Klinisch-psychologische Diagnostik wird bei Klinischen Psycholog:innen, die einen Vertrag mit der Krankenkasse haben komplett finanziert. Es gibt auch Klinische Wahlpsycholog:innen, da wird ein Teil im Nachhinein rückerstattet oder man zahlt es sich komplett selbst. Auf z. B. Psychnet kann man nach Diagnostikplätzen suchen.
Bei welchen Unterstützungsangeboten gibt es keine Rückerstattung der Kosten?
Klinisch-psychologische Beratung jedoch wird nicht durch die Krankenkasse finanziert und es wird auch nichts rückerstattet.
Unterstützung durch Lebens- und Sozialberater:innen ist selbst zu zahlen und wird nicht durch die Krankenversicherung finanziert.
Tipp
Du kannst beim Terminausmachen immer gleich nach den Kosten fragen, damit du nachher keine unangenehmen Überraschungen erlebst. Es gibt manchmal auch die Möglichkeit eines einkommensabhängigen Tarifs bzw. eines Sozialtarifs – du kannst direkt beim ersten Kontakt nachfragen, ob dies möglich ist.
Hat man eine private Krankenversicherung, übernimmt diese eventuell auch einen gewissen Betrag – am besten einfach direkt bei der Versicherung nachfragen, wie hoch dieser ist und was die Voraussetzungen dafür sind.
Gesund aus der Krise
Gesund aus der Krise ist ein Projekt, das 15 Einheiten Beratung/Behandlung kostenlos ermöglicht. Die Voraussetzungen dafür sind, dass man höchstens 21 Jahre alt ist, in Österreich lebt und bisher noch keine Einheiten über Gesund aus der Krise in Anspruch genommen hat. Dann kann man sich direkt online oder telefonisch anmelden. Ist man unter 14 Jahre alt, braucht man die oder den Obsorgeberechtige:n für die Anmeldung, ist man über 14 Jahre alt, kann man sich selbständig anmelden und braucht auch nicht die Zustimmung der Eltern.