Mädchen blickt traurig auf den Boden
CC0 / Pixabay Flachovatereza (bearbeitet)

Traumata - Verletzungen der Seele

Viele Situationen im Leben gehen nicht spurlos an einem vorüber. Nicht jede schwere Belastung ist auch ein psychisches Trauma. Was genau ist eigentlich ein Trauma und wie geht es Betroffenen damit?
 

Laut Weltgesundheitsorganisation ist ein Trauma (griechisch für Wunde) in der Psychologie "ein belastendes Erlebnis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes (kurz- oder langfristig), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde".

Dieses Ereignis kann einmalig oder wiederholt aufgetreten sein. Man muss es nicht selbst erlebt haben, auch das Mitansehen oder die Schilderung einer großen Bedrohung von nahestehenden Menschen kann traumatisieren.

 

Einige Kennzeichen eines Traumas:

 

  • Es ist ein im negativen Sinne überwältigendes Erlebnis, in dem man sich ohnmächtig und hilflos fühlt.
  • Die Situation ist bedrohlich, Betroffene empfinden während des Erlebens massive Angst (eventuell sogar Angst ums Überleben).
  • Man fühlt sich überfordert, ist verzweifelt und weiß nicht, was man tun soll - man hat nie gedacht, jemals eine solche Situation erleben zu müssen.
  • Das Erlebnis ist sehr belastend und verändert etwas in einem.
  • Betroffene können sich auch geschockt fühlen und entsetzt sein, dass so etwas gerade geschehen ist.
  • Man hat die traumatisierende Situation selbst erlebt,
  • wurde Zeuge, wie eine andere Person diese Situation erlebte oder
  • eine nahestehende Person hat ein Trauma erlebt, und man bekommt es geschildert.

 

 

Welche Arten von traumatisierenden Erlebnissen gibt es?

"Natur-gemachte" Traumatisierungen sind Naturkatastrophen wie etwa Erdbeben oder Flutwellen. Betroffene Menschen werden Zeugen von schrecklichen, existenzbedrohenden Situationen. Vielleicht müssen sie sogar aus ihrer Stadt flüchten und dabei den größten Teil ihres Besitzes zurücklassen. Eventuell erleben sie auch den Tod von Bekannten oder Verwandten mit.
"Menschen-gemachte" Traumata sind vielfältiger und mitunter auch schwieriger zu verarbeiten. Z. B. weil hierbei Menschen anderen Menschen Schreckliches antun. Beispiele für Traumatisierungen durch Menschen sind Erlebnisse im Krieg, schwere Unfälle, schwere Körperverletzung, sexueller Missbrauch bzw. Folter.

 


Traumatische Ereignisse können jede/n treffen. Ein Trauma ist nicht vorhersehbar und es wird durch eine Gewalteinwirkung (psychisch und/oder körperlich) von außen (durch andere Menschen oder die Natur) erzeugt.

 

Das Leben "danach"

Wird man mit solch bedrohlichen Situationen konfrontiert - durch eigenes Erleben, Mitansehen oder Schilderungen - kann das viele unterschiedliche Gefühle auslösen. Betroffene sind z. B. traurig, wütend, schockiert oder auch wie erstarrt. Jede/r reagiert ganz unterschiedlich. Manche Menschen ziehen sich zurück und wollen nur alleine sein. Andere halten es dann sehr schwer aus, mit sich zu sein und suchen Gesellschaft und Beschäftigung, um sich abzulenken.

 


Egal welcher Typ man ist, es braucht jedenfalls Zeit, bis ein traumatisches Erlebnis verarbeitet werden kann.

 

Alpträume und wiederkehrende Erinnerungen: In der Zeit nach einem traumatischen Erlebnis kann es zu Schlafproblemen kommen. Einige Betroffene träumen von dem Ereignis oder können schlecht einschlafen bzw. wachen häufig in der Nacht auf. Auch tagsüber können immer wieder Erinnerungen oder Bilder an das bzw. vom Ereignis, sogenannte flash backs, auftauchen.

 


Man kann sich mit einer erwachsenen Vertrauensperson (z. B. Eltern, Verwandte oder Lehrer) ausmachen, welche Unterstützung man braucht, wenn die Erinnerungen kommen. Vielleicht möchte man abgelenkt oder lieber in den Arm genommen werden? Oder darüber sprechen?

 

Veränderte Stimmungslage: Die Stimmung ist meist verändert. Betroffene sind z. B. niedergeschlagen und empfinden wenig Freude an Dingen, die ihnen vor dem Ereignis Freude bereitet haben oder sie sind gereizt, wütend und grantig.

 


Es ist in Ordnung, dass man sich anders verhält als vorher! Man muss nicht genauso "funktionieren" wie vor dem Erlebnis. Dennoch ist es wichtig und tut einem gut, nach und nach wieder Dinge zu probieren, die einem früher Freude bereitet haben (beispielsweise Freunde treffen, ausgehen etc.) und zu schauen, ob sie nach wie vor ein gutes Gefühl machen. Ein emotionales Ventil um Anspannung zu lösen kann z. B. Sport sein.

 
Frau hält die Hand schützend bzw. abwehrend vor ihr Gesicht.

Vermeidung und Verdrängung: Betroffene versuchen oft auch, alles zu vermeiden, was mit dem traumatischen Erlebnis zusammenhängt oder das belastende Ereignis so gut es geht aus dem Gedächtnis zu streichen, es also zu verdrängen.

 


Das Vermeiden von erinnernden Situationen und das versuchte Verdrängen der Erlebnisse sind anfangs sinnvolle Schutzmechanismen, um sich wieder stabilisieren zu können.

 

Dauerhafte Alarmbereitschaft: Es kommt vor, dass man nach dem Erleben eines Traumas hochvorsichtig ist und bei jedem Geräusch zusammenzuckt. Diese Alarmbereitschaft des Körpers ist eine ganz normale Reaktion. Man möchte sich schützen und nicht erneut eine bedrohliche Situation erleben. Dennoch kostet diese "Dauerbereitschaft" sehr viel Energie.

 


Aufladen kann man seine Energiereserven beispielsweise mit Entspannung oder indem man sich etwas Gutes tut, beispielsweise spazieren gehen, mit dem Hund Gassi gehen, sich Zeit für sich nehmen etc.

 

Achtsam mit sich selbst sein

Ein Trauma erlebt zu haben, bedeutet auch meistens, dass jemand anderer gewaltsam über die eigenen Grenzen gegangen ist. Gerade nach solchen Erlebnissen ist es besonders wichtig, auf sich zu achten, zu spüren, was man gerade braucht oder will und sich auch danach zu verhalten. Es ist in Ordnung, mal keine Lust auf Kino mit Freunden zu haben, sondern lieber zuhause Computer zu spielen oder zu schlafen.

 

(Un)sicherheit

Ein traumatisches Ereignis löst bei Betroffenen Angst aus. Bis man sich innerlich wieder sicherer fühlt, braucht das Zeit. Betroffene Menschen können sich äußere Sicherheiten schaffen. Z. B. am Heimweg schon die Nummer einer vertrauten Person eingetippt zu haben und nur noch wählen zu müssen, wenn man sich unwohl fühlt. Bei Problemen beim Einschlafen kann eine nicht störende Lichtquelle im Zimmer beruhigend wirken.

 


Auch individuelle äußere "sichernde" Möglichkeiten kann man jederzeit mit uns gemeinsam überlegen.

 

Die Beschäftigung mit dem Trauma

Mit erwachsenen Vertrauenspersonen über traumatische Erlebnisse zu sprechen, kann entlastend sein. Gut auf sich aufzupassen und sich nicht zu überfordern, ist hierbei sehr wichtig. Um mit dem Erlebten umzugehen, ist es fast immer sinnvoll, sich von Experten (z. B. Psychologen oder Psychotherapeuten) Unterstützung zu holen. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Traumatische Erlebnisse sind ganz heftige Situationen und Experten wissen, was es braucht, um diese zu verarbeiten.

Es gibt eigene Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen, die sich zusätzlich zu ihrer Psychotherapieausbildung auf das Thema Trauma spezialisiert haben. In einer Psychotherapie muss nicht sofort über das traumatische Erlebnis gesprochen werden. Ein sehr wichtiges Thema in der therapeutischen Arbeit ist, wieder stabil zu werden und sich besser zu fühlen.

 
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