Einsamer Teddy neben einer Schultasche.
CC0 / Pixabay Pezibear (bearbeitet)

Meine Eltern vernachlässigen mich

Immer wieder hört man von "vernachlässigten Kindern", die Hunger leiden, keinen geheizten Raum zur Verfügung haben, kein sauberes Gewand tragen, immer alleine zu Hause sind und weitere Grundbedürfnisse und -rechte nicht erfüllt bekommen. Hier erfährst du mehr über das Thema.
 

Vernachlässigung, was ist das?

Kinder haben Rechte und Eltern somit auch Pflichten. Sie müssen ihre Kinder mit ausreichend Liebe, Zuwendung und Fürsorge behandeln, sie auch mit "materiellen Dingen" wie z.B. genügend Nahrung, Kleidung, Medizin etc. versorgen und ein Umfeld schaffen, in dem das Kind gesund aufwachsen und seine Fähigkeiten frei entwickeln kann.

Erfüllen Eltern über einen längeren Zeitraum diese Pflichten nicht, spricht man von Vernachlässigung. Vernachlässigung ist verboten, denn sie gefährdet die Gesundheit und Entwicklung von Kindern.

 

Beispiele für Vernachlässigung

Anzeichen für Vernachlässigung sind zum Beispiel im Winter kalte, ungeheizte Räume, schmutziges, kaputtes Gewand, keine Möglichkeit sich zu waschen, kein Schlafplatz, nicht genug zu essen und trinken, keine Person, die für einen da ist, dauerndes alleine zu Hause sein, keine Möglichkeit in die Schule zu gehen, keine Unterstützung bei Problemen, kein Schutz vor eventuellen Gefahren, keine liebevollen Zuwendungen.

 

In keiner Familie läuft alles perfekt. Ist die Heizung einen Tag lang kaputt, die Kleidung mal verschmutzt, funktioniert einmal das Warmwasser nicht oder die Eltern haben mal ein paar Tage nicht viel Zeit für einen, handelt es sich nicht um Vernachlässigung.
Ist ein Kind aber über einen längeren Zeitraum, also z.B. über mehrere Wochen und Monate, so ungesunden Bedingungen ausgesetzt, spricht man von Vernachlässigung.

 

Auch das Alter des Kindes spielt eine Rolle. Von einem 16 Jährigen etwa kann man bereits erwarten, dass er nicht ständig eine Aufsichtsperson benötigt und sein Essen auch mal selbst zubereitet.

 

Hilfe für Betroffene!

Erkennst du dich in den Beispielen wieder, dann hol dir Hilfe!

 

Vertrau dich jemandem an!

Überlege, welche erwachsene Person es in deinem Umfeld gibt, der du vetrauen kannst und bei der du das Gefühl hast, dich auch in so einer schwierigen Situation hinwenden zu können. Das könnten z.B. Oma, Opa, Tante, Onkel, erwachsene Geschwister, (Vetrauens-)Lehrer, Nachbarn oder auch die Eltern einer Freundin/eines Freundes sein.

 

Beratungsstellen, an die du dich wenden kannst

Wenn es in deinem Umfeld niemanden gibt, dem du dich anvertrauen kannst oder du lieber mit einer außenstehenden Person reden möchtest, dann hast du die Möglichkeit, dich an eine Beratungsstelle zu wenden.
Dort kannst du zunächst einmal mit jemandem über deine Situation sprechen und mit dieser Person gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten es gibt, um deine Situation zu verbessern.

Du brauchst keine Angst haben. Das, was du dort erzählst, unterliegt der Schweigepflicht!

Beratungsstellen an die du dich wenden kannst, sind die Kinder - und Jugendanwaltschaft und das Kinderschutzzentrum.

Du kannst dir auch jederzeit bei uns am Telefon rund um die Uhr, anonym und kostenlos Hilfe holen oder dich einfach einmal "ausweinen". Wenn du möchtest, können wir mit dir gemeinsam, über eine Konferenzschaltung, Kontakt zu einer der genannten Stellen aufnehmen. Das bedeutet, dass du in der Leitung bist, jemand von Rat auf Draht und jemand von der dritten Stelle, also z.B. dem Kinderschutzzentrum oder auch dem Jugendamt. So ist jederzeit beim Gespräch jemand mit dabei und du musst den ersten Kontakt nicht alleine herstellen.

Bursch sitzt traurig auf seinem Bett in seinem Zimmer.

Das Jugendamt

Du kannst dich auch direkt ans Jugendamt (JA) wenden. Das Jugendamt wird sich ein Bild von der Situation bei dir zu Hause machen, um zu entscheiden, was für dich am besten ist.

Es kann sein, dass sie zu dem Schluss kommen, dass es mit ihrer Hilfe gelingen kann, dass du in Zukunft wieder sicher und familiär zu Hause leben kannst.
Eine andere Möglichkeit ist, dass sie zu der Meinung gelangen, dass du zu Hause auch mit Unterstützung nicht gut aufgehoben bist. In diesem Fall findest du einmal für bis zu 6 Wochen in einem sogenannten Krisenzentrum (KIZ) Unterschlupf. Während der Zeit dort, wird dann überlegt, wie es weiter gehen kann. Wenn sich herausstellt, dass es besser ist, dass du weiterhin außerhalb deiner Familie wohnst, gibt es die Möglichkeit einer betreuten Wohngemeinschaft. Dort leben mehrere Jugendliche mit Betreuern und Betreuerinnen zusammen. Klassische "Heime" gibt es in Österreich kaum mehr.

 

Außerhalb der Öffnungszeiten des Jugendamtes, kannst du dich auch direkt an ein Krisenzentrum (KIZ) wenden.

Während der Öffnungzeiten des Jugenamtes (meistens Mo-Fr 8-16 Uhr) kann dich das KIZ nur in Absprache mit dem JA aufnehmen.

 

Kennst du Betroffene?

Hast du das Gefühl, dass jemand in deinem Umfeld von Vernachlässigung betroffen ist, dann sprich mit einer erwachsenen Vertrauensperson über deine Vermutung! Erzähle möglichst genau, was du beobachtet hast. Gemeinsam könnt ihr überlegen, was weiter getan werden soll. Eine Möglichkeit ist z.B. einen Vertrauenslehrer einzuschalten oder auch die Vermutung beim JA zu melden.

 

Gut versorgt und trotzdem unglücklich

Jetzt weißt du, was Vernachlässigung vor dem Gesetz bedeutet. In der Alltagssprache hat Vernachlässigung aber oft auch eine andere Bedeutung. Ist es in einer Familie mal stressig, kann es schon sein, dass obwohl man eigentlich gut versorgt ist, man das Gefühl hat, zu kurz zu kommen. In diesem Fall solltest du auf deine Eltern zugehen und ihnen sagen, dass du gemeinsame Zeit mit ihnen vermisst. Gerade in stressigen Zeiten, bemerken Eltern manchmal gar nicht, dass sie kaum mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Nur, wenn du mit deinen Eltern sprichst, können sie auch etwas verändern. Versucht fixe Termine auszumachen, an denen ihr wieder etwas gemeinsam unternehmt.

 

 


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