Verweinte Frau hält eine Lächeln-Zeichnung vor ihr Gesicht.
CC0 / Pixabay Baruska (bearbeitet)

Gewalt in Beziehungen

Harmonie, Vertrauen, Respekt - Voraussetzungen für eine Beziehung. Die Realität sieht manchmal anders aus. Was wenn Verbote, Beleidigungen oder Schläge Teil der Beziehung werden? Lies nach, welche Formen Gewalt in Beziehungen annehmen und wie man sie erkennen kann.
 

Gewalt beginnt viel früher, als man denkt

Bei dem Thema Gewalt denken viele zuerst an das "Offensichtlichste", z.B. das jemand verprügelt wird und ein blaues Auge hat.
Doch ein gewaltvoller Umgang zeigt sich nicht immer durch Blutergüsse oder Schwellungen.
Deshalb fällt es sowohl Außenstehenden als auch Betroffenen oft schwer, Gewalt in einer Beziehung rechtzeitig zu erkennen.

 

Verschiedene Formen von Gewalt in Beziehungen

Psychische oder Emotionale Gewalt: Psychische Gewalt ist teils schwer fassbar, da seelische Wunden – im Gegensatz zu körperlichen – nicht sichtbar sind. Ständige Beleidigungen, runter gemacht oder unter Druck gesetzt zu werden, ist seelisch genauso schmerzhaft, wie körperliche Misshandlungen.
Es ist schwer, ein vollständiges Bild von psychischer Gewalt zu beschreiben. Folgende Punkte sind Anhaltspunkte, an denen du sie erkennen kannst:

Wenn der Freund/die Freundin...

  • dir absichtlich Angst macht, dich einschüchtert
  • dich ignoriert, wenn du ein Anliegen hast oder um dich zu bestrafen
  • dich verspottet, entwertet oder runter macht
  • deine Wünsche missachtet
  • dich unter Druck setzt, deine Grenzen nicht einhält
  • dir "kalt-warm-Duschen" verabreicht (dich mal in den Himmel lobt und dann links liegen lässt und ignoriert)
  • dich emotional erpresst ("Wenn du mich liebst, dann machst du das und das...")
  • dich demütigt, bloß stellt oder vor deinen Freunden schlecht macht
  • dich ständig kontrolliert, beschimpft, bedroht oder einsperrt
  • dir etwas verbietet z.B. bestimmte Kleidung nicht tragen, nicht schminken, Freunde nicht treffen "dürfen" etc.

 

 

Körperliche Gewalt
Unter körperlicher Gewalt kann man sich meist schon viel eher etwas vorstellen. Doch auch hier beginnt die Gewalt viel früher, als oft gedacht. Denn nicht nur Handlungen, die zu sichtbaren Verletzungen führen, zählen zu körperlicher Gewalt.

Beispiele für körperliche Gewalt:

  • wegstoßen, gegen die Wand drücken
  • gegen seinen Willen festgehalten werden
  • an den Haaren reißen
  • ohrfeigen
  • schlagen, treten
  • würgen
  • jegliche Art von körperlicher Verletzung

 

Mädchen hält sich Arme schützen vors Gesicht, verschwommen dargestellt.

Sexuelle Gewalt

Auch in Beziehungen ist im Bereich der Sexualität nur das erlaubt, was beide Beteiligten ausdrücklich wollen. Im Gesetz ist eindeutig festgehalten, dass eine Vergewaltigung in einer Partnerschaft eine strafbare Handlung ist. Nur weil man in einer Beziehung ist, heißt das nicht, dass man in der Sexualität alles machen muss, was der andere möchte. Ganz im Gegenteil:
Die persönlichen Grenzen sind in einer Beziehung genauso einzuhalten. Auch wenn man zunächst eine Einwilligung zu einer sexuellen Handlung gegeben hat, muss der Partner/die Partnerin sofort aufhören, wenn man dann doch nicht möchte oder nicht mehr weiter machen möchte.


Beispiele für Formen sexueller Gewalt in Beziehungen:

  • Überreden zu sexuellen Praktiken, die du nicht möchtest
  • Vergewaltigung (Zwang zu vaginalem, oralem oder analem Verkehr)
  • Indirekter oder direkter Druck zu sexuellen Handlungen: z.B. "Wenn du nicht mit mir schläfst, mache ich Schluss".
  • zu sexuellen Handlungen mit anderen zwingen
  • Zwang, Pornographie anzusehen

 

 

Liebe hört auf, wenn es weht tut

Manchmal ist Gewalt in einer Beziehung zunächst gar nicht so deutlich zu erkennen, da sie sich nach und nach "einschleicht". Du kommst mit dem Menschen zusammen, alles ist perfekt, und dann tauchen die ersten Situationen auf, die dir weh tun. Anfangs vielleicht nur "Kleinigkeiten", für die sich der Partner/die Partnerin auch irgendwann entschuldigt. Z.B. Immer wieder abwertende Bemerkungen wie z.B. "Was, so willst du rausgehen?" "Sei nicht so zimperlich!" "Zick nicht rum!" "Du spinnst ja völlig!" "Jetzt hast du ja mich, da brauchst du dich ja nicht mehr mit anderen Männern/Frauen treffen!"
Dann sieht er/sie seine/ihre Fehler schon gar nicht mehr ein und fährt über dich wie eine Dampfwalze. Dann folgt häufig auch körperliche Gewalt.

 

Oft entsteht auch eine Art Kreislauf aus gewalttätigen Handlungen, Entschuldigungen und Phasen in denen der Partner/die Partnerin wieder besonders liebevoll ist und beteuert "es" nie wieder zu tun.
Und gerade das macht es vielen Betroffenen besonders schwer, sich Hilfe zu holen bzw. sich zu trennen.

 

Schuldgefühle

Die Opfer suchen die Schuld oft auch bei sich, nach dem Motto: Wenn ich mich anders verhalten hätte, dann hätte er mich ja auch nicht geschlagen. Doch Schuld ist immer nur der, der Gewalt ausübt.

 

Das Schweigen brechen

Gerade weil du deinen Schwarm anfangs so toll gefunden und allen von ihm vorgeschwärmt hast, verschweigst du deinen Freunden vielleicht auch seine weniger guten Seiten. Möglicherweise ist dir auch einfach unangenehm, jemandem davon zu erzählen, dass dich dein Partner so schlecht behandelt.

Auch selbst ist man oft völlig vor den Kopf gestoßen und kann gar nicht glauben, dass der erst so liebe Mensch, plötzlich so fies ist. Trotzdem ist es wichtig, die Situation so realistisch wie möglich zu betrachten und das Verhalten des Partners/der Partnerin nicht zu verharmlosen. Dabei können dir außenstehende Personen wie z.B. Freunde oder Geschwister helfen, da sie nicht gefühlsmäßig betroffen sind.

Vertrau dich jemanden an. Auch wenn du dir unsicher bist, ist es wichtig, mit jemandem darüber zu sprechen und dir eine Meinung zu holen, wie ein Außenstehender deine Beziehung einschätzt.

Symbol Danger mit rotem Blitz darunter.

Alarmzeichen

In einer Beziehung solltest du dich sicher, geborgen und wohl fühlen. Egal ob die Beziehung noch ganz frisch ist oder schon länger andauert. Klar kann es immer wieder mal zu Streit kommen, aber Gewalt hat auch in Konfliktsituationen absolut nichts verloren!

Wenn du das Gefühl hast, dass in deiner Beziehung etwas nicht stimmt oder du dich nicht mehr wohl fühlst, ist es wichtig, diese Gefühle nicht zu ignorieren.



Hier findest du einige Alarmsignale aufgelistet:

  • Hast du das Gefühl, alles falsch zu machen?
  • Plagen dich Schuldgefühle?
  • Hast du Angst vor deinem Partner/deiner Partnerin?
  • Fühlst du dich ständig in Alarmbereitschaft?
  • Zuckst du bei ruckartigen Bewegungen deines Partners/deiner Partnerin zusammen?
  • Verteidigst du deinen Freund/deine Freundin vor anderen?
  • Beschönigst du Erzählungen über ihn/sie bzw. eure Beziehung?
  • Fühlst du dich für "Wutausbrüche" deines Partners/deiner Partnerin verantwortlich?
  • Machst du in deiner Beziehung immer wieder etwas, was du eigentlich nicht möchtest?
  • Hast du weniger Kontakt zu Familie und Freunden, wie vor der Beziehung?
  • Macht dir dein Freund/deine Freundin Vorschriften?

 

 

Wird alles wieder gut?

In einer Gewaltbeziehung herrscht oft die Hoffnung, dass alles wieder so wird, wie am Anfang. Doch ohne dass derjenige/diejenige der/die Gewalt ausübt, aktiv etwas dagegen unternimmt (z.B. Beratung, Therapie, etc.), ist dies eine leere Hoffnung. Gewalt hört nicht von selbst auf, sondern nimmt meist sogar zu. Fast immer wird versucht, den gewalttätigen Partner/die gewalttätige Partnerin zu ändern, dem Partner/der Partnerin zu helfen und zu "heilen". Doch das ist aussichtslos! Das erkennen viele Betroffenen aber erst im Nachinhein. Deshalb ist es wichtig, Gewalt zu erkennen und sich Hilfe zu holen.

 

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