Mädchen sitzt neben Klo am Boden und hebt Hand vors Gesicht

Bulimie

Bulimie ist eine Essstörung, bei der es zu Essanfällen und Erbrechen kommt. Hier erfährst du mehr dazu.

 

Was ist Bulimie?

Bulimie zählt zu den Essstörungen und wird auch als "Bulimia nervosa" oder "Ess-Brech-Sucht" bezeichnet. Dabei kommt es zu plötzlich auftretendem Heißhunger und Essanfällen, bei denen große Nahrungsmengen zu sich genommen werden. Betroffene Menschen haben dabei das Gefühl, nicht mit dem Essen aufhören zu können. Man verliert dabei die Kontrolle darüber, "was" und "wieviel" gegessen wird.  Gegessen wird alles, was einem an Essbarem in die Hände fällt. Nach diesen Anfällen leiden betroffene Mädchen und Jungen häufig unter Schuldgefühlen. Sie schämen sich für ihren Kontrollverlust. Aber auch andere Gefühle wie Angst und Panik vor einer Gewichtszunahme sind in dieser Phase besonders stark. Um den Essanfall wieder "gut" zu machen, wird alles versucht, um das eben Verschlungene wieder aus dem Körper zu bringen. Erbrechen ist eine häufig angewandte Methode, aber auch der Missbrauch von Abführmitteln oder ein extremes Ausmaß an Sport sollen dazu dienen, das Gegessene wieder abzubauen.

 
Wie kommt es zu einer Bulimie?

Bei der Entstehung spielen oft mehrere Ursachen eine Rolle.

Wie auch bei anderen Essstörungen steht am Beginn oft eine Diät. Weil wenig gegessen wird, oder man sich selbst gewisse Lebensmittel "verbietet", kann es zu Heißhunger und einer "Essattacke" kommen, über die man dann die Kontrolle verliert.

Die Vorstellungen in der Gesellschaft was "schön" und "ideal" ist spielen auch eine große Rolle. Die perfekten und überarbeiteten Bilder von dünnen Menschen in Zeitschriften, Social Media, Videos oder Filmen können ebenfalls ordentlich unter Druck setzten und den Wunsch wecken, auch so sein zu wollen.

Auch belastende Lebensumstände können bei der Entstehung einer Essstörung mitwirken, z. B. belastende Ereignisse Zuhause, Gewalterfahrungen oder Mobbing in der Schule.

Bulimie kann auch häufiger in Familien vorkommen, in denen Familienmitglieder bereits eine Essstörung oder ein problematisches Essverhalten haben. Auch wenn es in der Familie hohe Erwartungen an Schlankheit und Figur gibt, kann sich das ungünstig auswirken.

Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper kann auch durch persönliche Eigenschaften verstärkt werden. Z. B., wenn man generell hohe Ansprüche an sich selbst hat oder das Gefühl hat es anderen recht machen zu müssen. Aber auch Selbstzweifel und ein Wunsch nach Anerkennung und Zuneigung können etwas beitragen.

Tipp

Eine Unzufriedenheit mit der Figur und eine Angst vor Gewichtszunahme hat meistens nicht nur mit dem Gewicht zu tun. Wenn du betroffen bist und merkst, dass deine Gedanken nur noch ums Thema Essen kreisen, ist das wahrscheinlich nicht angenehm und vielleicht fühlst du dich auch manchmal unglücklich. Es kann dir dann wirklich helfen, dir Hilfe zu holen und dich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wir sind gerne in unseren Beratungsangeboten für dich da!


Im Unterschied zur Anorexie (Magersucht), sind Menschen mit Bulimie meist normalgewichtig, während Menschen mit Anorexie starkes Untergewicht aufweisen.

Es gibt bei Essstörungen auch so genannte "Mischformen", dass bedeutet, dass es Betroffene gibt, die gleichzeitig typische Symptome oder Verhaltensweisen der Anorexie als auch der Bulimie zeigen.

Manchmal tritt Bulimie auch gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf z. B. mit Angsterkrankungen, Depressionen, Suchterkrankungen (Alkohol, Nikotin, Drogen) oder Persönlichkeitsstörungen.

 

Junge hängt über Kloschüssel
 
Folgen der Bulimie

Bulimie kann Auswirkungen auf den Körper und die psychische Gesundheit haben:

Körperliche Folgen bei Bulimie
  • Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelschwäche: Durch das Erbrechen oder die Anwendung von abführenden Mitteln oder Maßnahmen wird der Spiegel wichtiger Mineralstoffe (Elektrolyte) im Körper gesenkt. Das kann auch zu lebensbedrohlichen Herzproblemen führen.
  • Störungen der Nierenfunktion: Der Flüssigkeitsverlust im Körper durch Erbrechen und abführende Maßnahmen kann die Nieren schädigen, im Extremfall bis zum Nierenversagen.
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Hormonstörungen und Menstruationsstörungen
  • Entzündungen der Speiseröhre und Einrisse in der Speiseröhrenwand aufgrund von Erbrechen
  • Magengeschwüre und Magenrisse
  • Zahnschäden: Die Zähne werden beim Erbrechen durch die Magensäure angegriffen.
  • Verdauungsprobleme
  • Vergrößerung der Ohrspeicheldrüsen aufgrund der Aufnahme großer Nahrungsmengen und des Erbrechens. Dies führt nach einiger Zeit auch zu einer Veränderung der Gesichtsform und es entstehen sogenannte "Hamsterbäckchen".
 
Psychische Folgen bei Bulimie
  • Unzufriedenheit

  • Schamgefühle, Schuldgefühle z. B. wegen dem Essen großer Nahrungsmengen oder dem Erbrechen

  • Traurigkeit, Stimmungsschwankungen, Depressionen

  • Selbstzweifel

  • Dauernde gedankliche Beschäftigung mit dem Themen Essen, Gewicht, Figur

  • Verlust von Interessen

  • Ängste: z. B. Angst vor Gewichtszunahme, Angst, dass andere Personen von der Bulimie erfahren

  • Hunger und Sättigung können eventuell nicht mehr so gut wahrgenommen werden

  • Konzentrationsschwierigkeiten

 

Auswirkungen auf Beziehungen bei Bulimie

Eine bulimische Erkrankung wird oft vor anderen Personen verborgen. Das Geheimhalten kann dazu führen, dass man sich anderen nicht mehr so nahe fühlt oder sich einsamer fühlt. Auch der innere Zwang, sich dauernd mit dem Thema Essen und Figur zu beschäftigen kann dazu führen, dass man sich weniger Zeit für Freunde oder Familie nimmt oder sich zurückzieht.

 
Hilfe bei Bulimie

Bei Bulimie gibt es verschiedene Hilfsangebote, die in Frage kommen können. Eventuelle körperlichen Folgen oder Probleme sollten in jedem Fall mit einem*einer Arzt*Ärztin abgeklärt werden. Für die Behandlung der Essstörung gibt es Beratungsstellen, ambulante oder stationäre Hilfe an Kliniken oder Psychotherapie bei niedergelassenen Psychotherapeut*innen.

 

Jemand anderem helfen bei Bulimie

Was kannst du tun, wenn dir jemand anvertraut, dass sie*er Bulimie hat?

Es ist sicher nicht leicht für erkrankte Personen sich jemanden anzuvertrauen, weil sehr viele unter Schamgefühlen leiden und die Bulimie auch mit Ängsten verbunden ist. Wenn sich dir jemand anvertraut, ist schon mal ein wichtiger Schritt getan, weil sie*er dann beschlossen hat, mit ihren*seinen Gefühlen und Sorgen nicht alleine zu bleiben. Zuhören und einfach da sein, tut Betroffenen sicher gut. Du musst dir selbst und der anderen Person keinen Druck machen oder Tipps in bezug auf die Essstörung geben. Du könntest der erkrankten Person allerdings sagen, dass du dir Sorgen machst z. B. dass du merkst, dass es ihr nicht gut geht, dass du das Gefühl hast, dass sie unglücklich ist oder dir auch Sorgen wegen den möglichen Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit machst. Vielleicht ist es dann auch passend zu fragen, ob sie*er sich vielleicht einmal bei einer Beratungsstelle (anonym) wegen einer Hilfe erkundigen möchte. Wir überlegen auch gerne in unseren Beratungsangeboten mit dir, wie du jemand unterstützen kannst!

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