Junge sieht verzweifelt auf sein Handy

Was tun gegen Cyber-Mobbing?

Wann handelt es sich um Cyber-Mobbing? Was sagt das Gesetz? Infos und Hilfe findest du hier.

Hat jemand schon mal fiese Fotos von dir verbreitet? Oder deinen Insta Account übernommen? Ein Posting von dir mit verletzenden Kommentaren versehen? Cyber-Mobbing kann ganz unterschiedlich aussehen. Fakt ist, dass es Menschen verletzt. Manchmal glauben Personen "lustig" zu sein und bekommen nicht mal wirklich mit, wie sehr die betroffene Person darunter leidet. Denn bei Cyber-Mobbing ist man nicht dabei, wenn die andere Person die fiesen Attacken sieht. Viele reden sich dann schön, was sie da gerade gemacht haben oder schieben der betroffenen Person die "Schuld" zu. So nach dem Motto, geh bitte, sei net so angerührt. Doch Worte verletzen und Cyber-Mobbing ist mittlerweile klar eine Straftat!

 

Was ist Cyber-Mobbing?

Mit Cyber-Mobbing ist das Beleidigen, Bloßstellen, Bedrohen, Beschimpfen oder Belästigen rein über digitale Medien gemeint. Beim Cyber-Mobbing wird Bloßstellendes in Sozialen Netzwerken oder Messengern (z. B. WhatsApp) geteilt. Es wird beschimpft, beleidigt, bedroht und aus Spiele-Clans und WhatsApp Gruppen ausgeschlossen. Hass-Gruppen werden eröffnet, Fake-Profile erstellt und mit intimen bzw. peinlichen Fotos und Videos veröffentlicht.

Cyber-Mobbing ist strafbar. Seit Anfang 2021 kann man auch bei einer einzelnen gesetzten Handlung Anzeige erstatten - früher hat es mehrere gebraucht. Im Gesetz ist zusätzlich festgehalten, dass diese Handlung für eine größere Zahl von Menschen für eine längere Zeit wahrnehmbar ist, das ist z. B. etwas, das in einer WhatsApp Gruppe gepostet bleibt.

 

Was kann ich gegen Cyber-Mobbing tun?

Beweise sichern

Auch wenn du dir noch nicht ganz im Klaren bist, wie du mit dem Cyber-Mobbing gegen dich umgehen willst, empfiehlt es sich Beweise zu sichern. Z. B. falls du dich zu einem späteren Zeitpunkt entschließt, eine Anzeige zu erstatten.

Beweise kannst du z. B. mit Screenshots sichern. Am besten fotografierst du den gesamten Thread, wobei auch das Datum der Postings wichtig ist. Auch Username oder Profilinfos von übergriffigen User*innen können wichtige Beweise sein.

Melden von Cyber-Mobbing

Vielleicht hast du in der Vergangenheit enttäuschende Erfahrungen gemacht, wenn du problematische Inhalte direkt bei der Onlineplattform gemeldet hast. Seit 2021 gibt es in Österreich ein neues Gesetz, das große Kommunikationsplattformen wie Instagram, Facebook, TikTok, Snapchat & Co. dazu verpflichtet, rechtswidrige Inhalte innerhalb von 24 Stunden bzw. 7 Tagen zu löschen. Zu diesen rechtswidrigen Inhalten zählt auch Cyber-Mobbing (eine genaue Erklärung der gesetzlichen Regelungen zu Cyber-Mobbing findest du weiter unten).

Cyber-Mobbing zu melden ist eine einfache und wichtige Möglichkeit, wie du dich gegen Cyber-Mobbing wehren kannst. Du kannst auch melden, wenn du nicht selbst davon betroffen bist, sondern es dir im Netz auffällt. Die Person die gemeldet wird, erfährt nicht, wer sie gemeldet hat!

Instagram und Facebook haben schon die Meldemöglichkeit nach dem KoPl-G (Kommunikationsplattformengesetz) eingeführt.

In den Privatsphäre-Leitfäden von Saferinternet.at findest du eine Anleitung, wie du Cyber-Mobbing direkt bei den Onlineplattformen melden kannst.

Du kannst dich auch gerne in unseren Beratungsangeboten melden, falls du Fragen hast oder die Onlineplattform trotz deiner Meldung nichts unternimmt. Wir haben bei problematischen Inhalten Kontaktmöglichkeiten zu einigen Onlineplattformen und können dich so unterstützen.

Blockieren von User*innen

Damit eine Person in deinem Profil nicht mehr posten kann, kannst du die Person auch direkt blockieren. Auch einzelne Wörter, Sätze oder Emojis kannst du sperren lassen. Eine Anleitung zum Blockieren und Sperren von Inhalten findest du auch in den Privatsphäre-Leitfäden von Saferinternet.at

Auf Cyber-Mobbing antworten?

Antworte möglichst nicht inhaltlich auf Nachrichten, die dich belästigen oder ärgern. Die anderen wollen erreichen, dass du zurück schimpfst oder dich aufregst.

Versuche in Ruhe zu überlegen und dich zu informieren. Ist das eine Kommentar vielleicht schon strafbar? Dann könntest du sachlich darauf hinweisen. Z. B. eine private Nachricht mit "Ich habe mich erkundigt, dein Comment ist nach §XY (passendes Gesetz einsetzen) strafbar." So gehst du nicht direkt auf den Inhalt der Beschimpfung ein, zeigst aber, dass du dir nicht alles gefallen lassen wirst.

Hol dir Unterstützung!

Viele bekommen das Gefühl, irgendwie auch selbst Schuld daran zu sein. Das wollen dir die anderen vielleicht einreden. Aber, du bist nicht Schuld, wenn sich jemand dir gegenüber fies verhält. Sprich mit Personen die dir nahe sind, was gerade passiert. Sie können dich aufbauen und mit dir gemeinsam überlegen, was du tun kannst. Meistens ist es eine große Erleichterung, Probleme mit einer anderen Person zu teilen. Ansprechpartner*innen können Freund*innen, Geschwister, deine Eltern, Lehrer*innen, Jugendbetreuer*innen oder Beratungsstellen sein.

Anzeige erstatten als Möglichkeit

Cyber-Mobbing ist eine strafbare Handlung und kann bei jeder Polizeidienststelle angezeigt werden. Du darfst selbst entscheiden, ob diese Möglichkeit für dich in Frage kommt.

Bei einer Anzeige kannst du als Jugendliche*r eine Vertrauensperson mitnehmen. Nimm dafür auch die gesicherten Beweise mit. Die Polizei nimmt die Anzeige auf und händigt dir ein Protokoll aus. Wichtig zu wissen ist, dass eine Anzeige wegen Cyber-Mobbing später nicht mehr zurückgezogen werden kann. Die Polizei führt Ermittlungen durch und leitet das Ergebnis der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft weiter. Die Staatsanwaltschaft entscheidet dann, ob es zu einer Gerichtsverhandlung kommt oder das Verfahren eingestellt wird oder es zu einer Diversion (z. B. Sozialstunden, Geldstrafe) kommt.

Unterlassungsauftrag

Prinzipiell gibt es seit 2021 auch die Möglichkeit über ein Onlineformular einen gerichtlichen Unterlassungsauftrag einzuleiten. Jugendliche unter 18 Jahren können so einen Antrag aber nicht selbst einbringen, sondern nur die Erziehungsberechtigten. Die Antragsstellung kostet ca. 100,-- Euro und es können auch Folgekosten entstehen. Informiere dich deshalb gut, falls du diese Möglichkeit in Betracht ziehst.

(c) iStockphoto.com/Tero-Vesalainen

 

§107c - Cyber-Mobbing als Straftat

Cyber-Mobbing ist kein "Spaß". Bestärkt wird das auch durch ein eigenes Gesetz, den Paragraph 107c "Fortdauernde Belästigung im Wege einer Telekommunikation oder eines Computersystems". Umgangssprachlich wird das Gesetz auch "Cyber-Mobbing Paragraph" genannt.
 

Tipp

§107c im Originalwortlaut

Hier findest du das Gesetz in der Originalformulierung, du kannst es z.B. kopieren, um klar zu stellen, dass du dich informiert hast!
 
§ 107c. (1) Wer im Wege einer Telekommunikation oder unter Verwendung eines Computersystems in einer Weise, die geeignet ist, eine Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen,

1. eine strafbare Handlung gegen die Ehre einer Person für eine größere Zahl von Menschen für eine längere Zeit wahrnehmbar begeht

oder

2. eine Tatsache oder Bildaufnahme des höchstpersönlichen Lebensbereiches einer Person ohne deren Zustimmung für eine größere Zahl von Menschen für eine längere Zeit wahrnehmbar macht,

ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen zu bestrafen.

(2) Hat die Tat den Selbstmord oder einen Selbstmordversuch der im Sinn des Abs. 1 verletzten Person zur Folge, begeht der Täter innerhalb eines ein Jahr übersteigenden Zeitraums fortgesetzt gegen die verletzte Person gerichtete Tathandlungen im Sinne des Abs. 1 oder übersteigt die Dauer der Wahrnehmbarkeit nach Abs. 1 ein Jahr, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.
Was bedeutet das Gesetz jetzt in der Praxis?

Gesetze sind nicht einfach zu verstehen, wir versuchen für euch ein wenig zu übersetzen, was der Paragraph in der Praxis bedeutet.

Durch das Gesetz wird klargestellt, dass auch wenn Beleidigungen, Bedrohungen und Belästigungen über das Internet passieren, sie strafbar sind. Egal, ob sie in Instagram, TikTok, WhatsApp oder sonstwo an eine Person geschickt werden.

Letztendlich wird vor Gericht entschieden, was zu einer Strafe führt. Um einschätzen zu können, was bereits strafbar ist, hilft es, wenn man in etwa weiß, was die Formulierungen im Gesetz bedeuten. Was ist jetzt also konkret strafbar?

*Eine Handlung bzw. Handlungen, die geeignet ist bzw. sind, eine Person in ihrer Lebensführung unzumutbar zu beeinträchtigen. Das heißt, dass man durch die Handlungen sich z. B. das Handy nicht mehr verwenden traut, man Angst hat, sich vielleicht immer wieder mal nicht mehr in die Schule traut oder man nicht mehr wirklich schlafen kann. Es muss auch nicht sein, dass man sich selbst als Betroffene*r wirklich so fühlt, es reicht aus, wenn das Gericht meint, dass die Handlungen ausreichen, um solche Gefühle auslösen zu können.

*Strafbar sind einzelne und auch wiederholte Handlungen, die für eine größere Zahl von Menschen für eine längere Zeit wahrnehmbar sind. Wird z. B. ein Foto von jemandem, der*die betrunken ist, ohne Zustimmung der abgebildeten Person in eine WhatsApp Gruppe gepostet, so ist das strafbar. Denn hier wird ein bloßstellendes Bild vor mehr Menschen gepostet und diese können das Foto ja immer wieder in der Gruppe aufrufen. Also ist es eben auch länger "wahrnehmbar". Auch wenn man eine Hate-Gruppe zu einer Person erstellt und dieser Person dann auch noch immer wieder Beschimpfungen sendet, ist das strafbar. Denn viele Personen können die Gruppe sehen und man schickt immer wieder verbotene Nachrichten.

Wie viele Menschen mit einer größeren Zahl gemeint sind, kann man nicht so klar sagen. Eine WhatsApp Gruppe wird aber immer wieder als Beispiel für eine Personengruppe genannt.

*Strafbar ist auch das, was das Ansehen einer Person in ihrem sozialen Umfeld verringern kann. Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, allerdings gibt es hier klare Beispiele, was vor Gericht als strafbare Handlung gegen die Ehre, also als "ehrverletzend", gilt. Denn hier gilt nicht alleine das persönliche Empfinden des*der Betroffenen. Eine Verletzung der Ehre muss auch objektiv nachvollziehbar sein. Als klar ehrverletzend gelten Fotos in Zusammenhang mit Alkohol, Gewalt oder Nacktheit. Ein Foto von einer Person, die sich betrunken übergibt, würde hier z. B. klar hinein fallen. Ohne Einverständnis der Person solltest du so ein Foto daher definitiv nicht weiterverschicken oder posten.

*Im Gesetz geht es auch um Tatsachen oder Bildaufnahmen des höchstpersönlichen Lebensbereiches. Unter den höchstpersönlichen Lebensbereich fallen unter anderem das Intim- und Sexualleben, religiöse Ansichten, Krankheiten oder auch der Wohnbereich einer Person. Also Fotos von jemandem in der Umkleide oder beim Sex dürfen klar nicht verschickt werden. Oft kann hier auch schon die Aufnahme an sich verboten sein. Man darf auch nicht einfach über die Krankheit einer Person herum erzählen.

Dass es ein eigenes Gesetz für Cyber-Mobbing gibt, zeigt, dass es eben nicht "normal" oder "okay" ist, sondern in vielen Fällen eine Straftat. Trotzdem ist eine Anzeige nicht immer die beste Lösung für jede Situation und jede Person. Jede*r darf hier seinem*ihrem eigenen Gefühl folgen. Wir sind gerne für dich da, um mit dir einzuschätzen, ob eine Anzeige bereits möglich ist bzw. auch um weitere Alternativen zu besprechen.

Tipp

Wir unterstützen dich!

Wir können mit dir jederzeit gemeinsam überlegen, was du in deinem speziellen Fall tun kannst. Wenn du Unterstützung bei Mobbing in Instagram, Snapchat und Co. benötigst, können wir dir durch unseren direkten Kontakt schnell und effizient weiter helfen.

Aber auch, wenn du selbst etwas gemacht hast, von dem du jetzt weißt, dass es nicht in Ordnung war, kannst du dich melden. Es gibt immer die Möglichkeit, sich zu verändern. Auch sich zu entschuldigen oder zu versuchen, das Geschehene wieder gut zu machen.

Hilf anderen

Wenn du mitbekommst, dass jemand schikaniert wird, mach nicht mit und schreite ein, am besten gemeinsam mit anderen. Wenn der Täter oder die Täterin merkt, dass das Opfer nicht allein gelassen wird, hören die Beleidigungen oft schnell auf. Im Notfall holt Hilfe bei Erwachsenen, denen ihr vertraut.

Mehr über Cybermobbing:

 

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