Wegweiser psychische Gesundheit – Wer hilft wann und wo?
Psycholog:in, Psychotherapeut:in oder Psychiater:in - wohin kann ich mich wenden, wenn ich belastet bin und es mir psychisch nicht gut geht? Welche Berufsgruppe ist wann zuständig? Welche Unterstützungsmöglichkeiten gibt es noch? Infos dazu findest du hier.
Manchmal ist man im Leben an einem Punkt, an dem man merkt, dass eine Unterstützung bei einer psychischen Belastung guttun könnte. Kein Mensch kann immer alles allein schaffen und das muss man definitiv auch gar nicht. Deshalb ist eine Entscheidung, professionelle Unterstützung anzunehmen auch ein Ausdruck von Stärke und Wertschätzung sich selbst gegenüber.
Wohin kann ich mich wenden, wenn es mir psychisch nicht gut geht?
Der erste Blick in die „psychosoziale Versorgungslandschaft“ kann erstmal ziemlich verwirrend sein und es können verschiedene Fragen auftauchen. Z. B.: Welche Berufsgruppen gibt es überhaupt, an die ich mich wenden kann? Wie komme ich an einen Platz und wie sieht es mit den Kosten aus? Wer ist in welcher Situation zuständig? Was sind die Aufgaben der jeweiligen Berufsgruppe? In einer Situation, in der man eh schon belastet ist, dann auch noch mit der Recherche all dieser Inhalte zu starten kann zusätzlich herausfordern und manchmal einfach zu viel sein. Es ist immer auch eine Möglichkeit, eine Vertrauensperson bei der Suche um Unterstützung zu bitten.
Tipp
Wir versuchen hier einen ersten groben Überblick zu geben. Die Versorgungslandschaft ist ziemlich komplex, zusätzlich gibt es auch noch je nach Bundesland unterschiedliche Stellen, die unterstützen können. Es gibt auch immer mal wieder Projekte, über die kostenlose Unterstützung möglich sein kann. Aufgrund dieser Komplexität ist es jedoch nicht möglich, alles bis ins Detail abzubilden. Daher möchten wir dich einladen, dich für eine Überlegung zu passgenauen Angeboten bei uns in der Beratung zu melden.
Zu welcher Berufsgruppe kann ich gehen?
Es gibt unterschiedliche Berufsgruppen, die unterstützend sein können. Wir haben uns 4 häufige herausgegriffen - Klinische Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Psychiater:innen und Lebens- und Sozialberater:innen. Es kommt aufs Anliegen an, welche Berufsgruppe passend ist. Allen vier Berufen gemeinsam ist, dass sie mit Menschen zusammen an einer Verbesserung ihres psychischen Wohlbefindens arbeiten.
Welche Ausbildung hinter den einzelnen Berufen steckt, haben wir dir hier aufgelistet:
Klinische:r Psycholog:in
Nach der Absolvierung des Psychologiestudiums folgen Zusatzausbildungen zur Spezialisierung: z. B. zum oder zur Klinischen Psycholog:in.
Psychotherapeut:in
Absolvierung der Psychotherapie Ausbildung. In Österreich gibt es derzeit 23 anerkannte Psychotherapiemethoden. Jede Methode hat ihren spezifischen Zugang.
Psychiater:in
Absolvierung des Medizinstudiums und der Ausbildung zum oder zur Fachärzt:in. Um psychotherapeutisch zu arbeiten, hat es früher eine zusätzliche Ausbildung gebraucht, nun ist sie in der Fachärzt:innenausbildung inkludiert.
Lebens- und Sozialberater:in
Absolvierung der Lebens- und Sozialberater:innen Ausbildung.
Was ist der Unterschied zwischen Klinische:r Psycholog:in, Psychotherapeut:in, Psychiater:in und Lebens- und Sozialberater:in?
Einerseits unterscheiden die jeweiligen Ausbildungswege die einzelnen Berufe und andererseits geht es darum, wozu die Unterstützung hilfreich sein soll. Hier findest du einen Überblick, welche der Berufsgruppen für welche Anliegen zuständig ist. In den hinterlegten Links finden sich noch viele weitere Infos zu den einzelnen Berufen.
Ist es eine psychische Erkrankung?
Geht es darum, herauszufinden, ob eventuell eine psychische Erkrankung vorliegt, kann man das z. B. mittels Diagnostik bei einem oder einer Klinischen Psycholog:in. Klinische Psycholog:innen haben innerhalb der klinisch-psychologischen Diagnostik Tests und Fragebögen zur Verfügung. Es gibt zuerst ein ausführliches Gespräch darüber, was das Anliegen ist, was gerade belastet und es werden verschiedene Fragen gestellt, z. B. zur Familiensituation, zu den Hobbys, zur Schule/Ausbildung, etc. Danach werden von der Unterstützung suchenden Person diverse spezifische psychologische Fragebögen/Tests beantwortet. Am Ende gibt es ein ausführliches Gespräch darüber, in dem das Ergebnis der Diagnostik besprochen wird und welche weiteren Unterstützungen individuell passend sein können.
Neben Klinischen Psycholog:innen können auch Psychiater:innen und Psychotherapeut:innen im Rahmen ihrer Tätigkeit Diagnosen stellen.
Unterstützung bei einer psychischen Erkrankung
Geht es darum, bei einer psychischen Erkrankung Unterstützung zu bekommen, kann dies mittels einer klinisch-psychologischen Behandlung (= psychologische Therapie), einer Psychotherapie und/oder psychiatrischer Unterstützung passieren. Psychiater:innen können auch Psychopharmaka (spezielle Medikamente wie z. B. Antidepressiva) verschreiben, die Wirkung auf die Psyche haben und bei psychischen Erkrankungen eingesetzt werden. Je nach zusätzlicher Ausbildung können sie auch psychotherapeutisch arbeiten.
Unterstützung ohne psychische Erkrankung
Im Falle einer Belastung ohne psychische Erkrankung wäre z. B. klinisch-psychologische Beratung, einige psychotherapeutische Einheiten oder Lebens- und Sozialberatung passend.
Tipp
Wenn du für dich ein bisschen eine Idee hast, wer denn die passende Berufsgruppe ist, kannst du in unserem Artikel
Wie komme ich zu einer Therapie nachlesen, wie du eine Unterstützungsperson finden kannst, wie dann die nächsten Schritte sein können, wie ein Erstgespräch bei den Fachpersonen abläuft, wie es mit den Kosten und der Rückerstattung aussieht etc.
Beratungsstellen für psychische Gesundheit
Du kannst dich auch z. B. mal an eine Beratungsstelle wenden. Es gibt ganz unterschiedliche Beratungsstellen, etwa themenbezogen (z. B. Familienberatungsstellen, Kinderschutzzentren, Gewaltschutzzentren, psychosoziale Beratungsstellen, Suchtberatungsstellen) oder darauf bezogen welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt (z. B. Männerberatungsstellen, Frauenberatungsstellen, Beratungsstellen für Trans-, Nicht-Binär- oder Interidentitäten). Meist arbeiten in Beratungsstellen Menschen mit unterschiedlichen Ausbildungen zusammen (ein multiprofessionelles Team). Die Kosten sind geringer als bei einer Fachperson, die selbstständig arbeitet und es gibt auch Beratungsstellen, deren Angebot teilweise oder komplett kostenlos ist. Bei manchen kann man auch anonym bleiben, wenn dir das wichtig ist. Manche Beratungsstellen bieten auch an, bei der Suche nach einem weiterführenden Angebot zu unterstützen. Am besten du fragst direkt bei der Stelle nach, die sich für dich passend anfühlt, wie genau ihr Angebot ist.
Tipp
In Beratungsstellen, in denen ein multiprofessionelles Team arbeitet, können auch all die vorher beschriebenen Berufsgruppen vertreten sein. Es können dann auch individuell notwendige Unterstützungen kombiniert werden. Du kannst dort dann z. B. psychiatrische und psychotherapeutische Unterstützung bekommen.
Wenn du noch mehr wissen möchtest:
- Klinische:r Psycholog:in: Der Berufsverband Österreichischer Psycholog:innen hat eine Helpline, an die man sich bei Fragen direkt wenden kann.
- Psychotherapeut:in: Bei den Landesverbänden für Psychotherapie finden sich online viele Infos für die einzelnen Bundesländer.
Welche Berufsgruppen arbeiten bei Rat auf Draht in der Beratung?
Du findest bei uns Psycholog:innen, Klinische-/Gesundheitspsycholog:innen, Lebens- und Sozialberater:innen, Sozialpädagog:innen und Jurist:innen. Wir bieten Telefon- und Chatberatung an.